1543 seziert der flämische Chirurg und Anatom Andreas Vesalius in Basel erstmals öffentlich die Leiche eines hingerichteten Verbrechers. Alle Beobachtungen und Erkenntnisse zeichnet er akribisch auf. Mit seinem Werk «De humani corporis fabrica libri septem» («Sieben Bücher über den Aufbau des menschlichen Körpers»), das er in Basel publiziert, legt er den Grundstein für die moderne Anatomielehre.

Anfasssen und Ausprobieren

Was Vesalius damals begonnen hat, wird noch heute am selben Ort fortgesetzt. In den alten, dem Pharmaziemuseum angeschlossenen Laborräumen des ehemaligen Pharmazeutischen Instituts der Universität Basel eröffnet am Freitag die interaktive Ausstellung «Bewegte Einblicke».

Darin stellt ein Forschungsteam des Departements für Biomedizintechnik (DBE) des Universitätsspitals und der Uni Basel ihre neusten medizinischen Erkenntnisse und Techniken vor. Dank moderner Methoden entsteht ein immer klareres Bild der menschlichen Anatomie. «Wir wollen vom Elfenbeinturm heruntersteigen und unsere Forschungsresultate der Öffentlichkeit zugänglich machen», sagt DBE-Leiter Philippe Cattin.

So können sich Besucher in der Ausstellung an einem Modell mit rund 140 Lautsprechern von Ultraschallwellen geometrische Formen auf die Hand zeichnen lassen. Dabei handelt es sich um eine neue, massiv verfeinerte Behandlungsmethode. Durch die hochfokussierten Ultraschallwellen sollen Krebstumore ganz gezielt zerstört werden. Dafür muss jedoch die Lage eines Tumors immer exakter bestimmt werden. Das ist aber gar nicht so einfach. Mit dem Atemzyklus eines Patienten verändert sich nämlich auch die Position des Krebsgeschwürs. Der Vorteil der Methode: Das umliegende Gewebe wird nicht geschädigt.

Schneller und sicherer arbeiten

Im Gegensatz zur Behandlungsmethode mit Ultraschall, die noch in den Kinderschuhen steckt, ist eine andere neue Basler Errungenschaft schon ein fester Bestandteil der Medizinpraxis: Die individuelle Planung von Operationen per Virtual Reality-Brille. 2017 bereiteten sich Chirurgen des Universitätsspitals Basel erstmals anhand eines virtuellen 3D-Abbildes auf die Operation eines Patienten mit Morbus Bechterew — einer Verknöcherung der
Wirbelsäule — vor.

Mithilfe der Brille können sie tief in die Anatomie des jeweiligen Patienten eintauchen, die Operationsstelle gemeinsam von allen Seiten her betrachten und ihr Vorgehen planen. «Mit der virtuellen 3D-Methode können Chirurgen die anstehenden Eingriffe effizienter und schneller planen», sagt Cattin. Die Ärzte würden sich ausserdem während der Operation um einiges sicherer fühlen.

Was zusätzlich für die neue Errungenschaft spricht: Nur lediglich 40 Prozent aller Menschen entsprechen der Standardform in herkömmlichen anatomischen Atlanten. «Ärztinnen und Ärzte, die mit der virtuellen 3D-Technik ausgebildet werden, haben deshalb ein viel klareres Verständnis für die enorme Verschiedenartigkeit des menschlichen Körpers», sagt Cattin. «Wir Forscher des Departements für Biomedizinische Technik sind quasi Q aus James Bond. Wir stellen die coolen Gadgets für die Ärzte her.»

   

Vernissage «Bewegte Einblicke», Freitag 26. 4., 18 Uhr, Pharmaziemuseum Basel; www.bewegte-einblicke.ch