Einsparungen
Basel Tourismus schliesst Tourist Info am Bahnhof und erhält vom Kanton eine Finanzspritze

Der Regierungsrat will Basel Tourismus für die nächsten zwei Jahre eine deutlich erhöhte Finanzhilfe von insgesamt 5,7 Millionen Franken gewähren. Dies, um den pandemiebedingten Einnahmenausfall zu mildern. Der Verein selbst war auch nicht untätig und zog intern die Sparschraube an.

Rahel Empl
Drucken
Teilen
Das Tourismusbüro am Barfüsserplatz bleibt die einzige Anlaufstelle für Reisende in Basel.

Das Tourismusbüro am Barfüsserplatz bleibt die einzige Anlaufstelle für Reisende in Basel.

Kenneth Nars

Die Tourist Info von Basel Tourismus war am Bahnhof SBB immer ein bisschen auf Wanderschaft. Lange an jenem Ort, wo die Migros heute Blumen und Take-Away-Food verkauft, direkt neben der Rolltreppe. Zeitweise aber auch im Werstflügel, just im Bereich der Haltestelle des Flughafenbusses, bevor sich «Drinks of the World» dort ansiedelte. Und zuletzt im Durchgang gegenüber der Bahnhofsapotheke. Seit November 2020 ist das Tourismusbüro am Bahnhof jedoch geschlossen - nach der Aufhebung des Lockdowns kam es zu keiner Wiedereröffnung. Und nun ist es definitiv: Basel Tourismus gibt den Standort auf, wie Direktor Daniel Egloff auf Anfrage der bz sagt: «Wir konzentrieren uns auf den Barfüsserplatz als einzigen Standort für die Tourist Info.»

Egloff verweist auf einen «Bündel von Entwicklungen», die zu diesem Entscheid geführt haben, etwa:

«Heute können wir einen Grossteil der Touristen online abholen; sie informieren sich bereits im Netz. Ausserdem mussten wir Einsparungen vornehmen, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abfedern zu können.»

Infolge der weltweiten Coronapandemie litt und leidet der Tourismus in Basel erheblich: Zeitweise brach die Zahl der Logiernächte um bis zu 70 Prozent ein. Und damit versiegte eine nebst den Beiträgen der öffentlichen Hand wichtige Einnahmequelle des Vereins fast, jene der Gasttaxenerträge, die pro Tourist und Übernachtung verrechnet werden und Basel Tourismus zugutekommen.

Nebst der Aufgabe des Standorts am Bahnhof SBB hat Basel Tourismus die Sparschraube auch beim Personal angezogen. Zwar musste im vergangenen Jahr nur eine Entlassung ausgesprochen werden, so Egloff, jedoch seien fünf weitere Abgänge nicht ersetzt worden. Damit zählt die Geschäftsstelle der Basler Touristiker heute noch insgesamt 35 Vollzeitstellen.

Tourismusdirektor glaubt nicht an eine nachhaltige Erholung im 2022

Allein mit diesen Einsparungen ist Basel Tourismus noch nicht über dem Berg. Der Regierungsrat beantragte deshalb in seiner Sitzung vom Dienstag dem Grossen Rat, Basel Tourismus für die nächsten zwei Jahre eine deutlich erhöhte Finanzhilfe von insgesamt 5,7 Millionen Franken zu gewähren. Konkret soll der Staatsbeitrag fürs Jahr 2022 um 1,2 Millionen (+63 Prozent) und im Jahr 2023 um 0.7 Millionen Franken (+37 Prozent) erhöht werden. Damit, so teilt die Regierung weiter mit, leiste der Kanton einen wichtigen Beitrag, um den als Folge der Pandemie entstandenen Einnahmenausfall bei den Gasttaxenerträgen zu mildern und eine leistungsfähige Tourismusförderung zu gewährleisten.

Denn: Die Folgen der Pandemie werden auch noch die kommenden Jahre zu spüren sein, ist Egloff überzeugt: «Freizeittouristen kehren jetzt zwar langsam zurück, aber der Geschäfts- und Kongresstourismus, der für Basel so wichtig ist, wird sich nur sehr schleppend erholen.» Der Tourismusdirektor rechnet deshalb auch noch im kommenden Jahr sowie 2023 mit 40 respektive 30 Prozent weniger Logiernächten im Vergleich mit 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Pandemie, und kommentiert:

«Wie sich die Lage entwickelt, bleibt unsicher.»

Aufgrund dieser hohen Unsicherheiten im Tourismusmarkt verkürzt der Regierungsrat auch die Laufdauer des Staatsbeitrags von vier auf zwei Jahre, wie er mitteilt. So will er die Situation und den Bedarf bereits in zwei Jahren wieder neu beurteilen.

Der Grosse Rat bewilligte bereits im September vergangenen Jahres einen Antrag der Regierung, die Touristiker in den Jahren 2020 und 2021 mit insgesamt 1,4 Millionen Franken zu unterstützen. Zusätzlich erhielt der Verein 300'000 Franken für die Sommerkampagne.

Aktuelle Nachrichten