Rheinterrassen

Einsprache gegen mehr Sitzplätze am Kleinbasler Rheinufer

Jetzt melden sich die Gegner der Rheinterrassen zu Wort. Die Stiftung für Landschaftsschutz spricht sich gegen den Bau der geplanten Terrassen am Rheinufer aus.

Wie der Basler Regierungsrat im Oktober bekanntgegeben hat, werden ab diesem Sommer Terrassen aus Holz das Rheinufer auf der Kleinbasler Seite ergänzen. Bis Ende Juni 2020 sollen so 150 neue Sitzplätze zwischen Mittlerer Brücke und Wettsteinbrücke geschaffen werden. Eine zusätzliche Plattform am Wasser bietet ebenfalls Platz zum Verweilen und dient als Einstiegsmöglichkeit für Rheinschwimmer. Gegen dieses auf drei Jahre terminierte Bauvorhaben formiert sich nun Widerstand.

Die Stiftung für Landschaftsschutz hat am Donnerstag laut einer Medienmitteilung Einsprache gegen die geplanten Rheinterrassen erhoben. Die Ankündigung erfolgt wenige Tage vor der Behandlung des Finanzierungsantrags im Grossen Rat Basel-Stadt.

Unklarheiten des Bauvorhabens

Die Stiftung kritisiert in ihrer Einsprache verschiedene Unklarheiten des Projekts. Weil sich die Bauten teilweise im Gewässerraum und ausserhalb der Bauzone befinden, sei nicht klar, auf welcher Grundlage das Vorhaben bewilligt werden soll. Auch zweifelt die Stiftung daran, dass die Terrassen tatsächlich nach drei Jahren wieder zurückgebaut werden.

Der Basler Architekt Lukas Gruntz hatte bereits bei der Lancierung des Bauvorhabens gewisse Bedenken angemerkt. Er versteht, weshalb am Rheinufer mehr Sitzplätze geschaffen werden sollen: «Der Platz ist im Sommer stark frequentiert, daher ist die Schaffung von mehr Sitzplätzen eine populäre Forderung.»
Er kritisiert darum nicht das Bauvorhaben an sich, sondern vielmehr dessen Form und Umsetzung.

Warum kein recyceltes Material verwenden?

«Wieso soll ausgerechnet mit Holz gebaut werden? Für ein temporäres Projekt hätte auch recyceltes Material verwendet werden können.» Er findet die geplante Verwendung von Holz für die Sitzgelegenheiten weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Und auch gestalterisch passt Holz für ihn nicht zum Rheinbord: «Weshalb nicht eine Metallkonstruktion? Das Rheinbord ist für mich mineralisch, darum scheint mir das organische Material Holz nicht unbedingt die richtige Wahl zu sein.» Gleichzeitig bedauert Gruntz, dass an der prominenten Stelle im Stadtzentrum nicht ein visionäreres Projekt lanciert wurde. «Wenn es tatsächlich temporär ist, dann hätte man auch etwas viel Mutigeres machen können.»

Bei den Befürwortern des Projekts sorgt dagegen die Einsprache der Stiftung für Landschaftsschutz für Kopfschütteln. Tino Krattiger ist einer von ihnen. Er ist Initiant des Festivals «Im Fluss» bei der Mittleren Brücke, unweit der Stelle, bei der die Rheinterrassen geplant sind. Der ehemalige SP-Grossrat ist ebenfalls Architekt. Im Gegensatz zu Lukas Gruntz findet er aber nicht das Bauvorhaben problematisch, sondern die Einsprache des Landschaftsschutzes. Diese ist für ihn Teil eines «zunehmenden Einsprachenwahnsinns, der den Städten ihre Lebhaftigkeit zu nehmen droht». Er ist überzeugt, dass das Kulturfloss heute nicht mehr bewilligt würde. Das Argument, die Terrassen würden die Sanierung der Rheinböschung verzögern, findet er hinfällig: Die Laufzeit des Projekts sei genau aus dem Grund beschränkt, weil danach die Sanierung anstehe.

Das Geschäft ist neben anderen Aufwertungsmassnahmen am Rheinufer zwischen Dreirosenbrücke und Wiesendamm für die Grossratssitzungen vom 15. und 22. Januar traktandiert. Dann muss der Grosse Rat entscheiden, ob er die Ausgaben in der Höhe von 400'000 Franken genehmigen will.

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