Kommentar

Einspruch! Im Kampf gegen das Corona-Virus ist vieles erlaubt, aber bitte Vorsicht mit Handy-Daten

Patrick Marcolli
Die Freigabe von Handy-Daten für Nutzungen durch den Bund soll nicht geschehen – Corona-Krise hin oder her.

Die Freigabe von Handy-Daten für Nutzungen durch den Bund soll nicht geschehen – Corona-Krise hin oder her.

Das Bundesamt für Gesundheit prüft, ob es auf Bewegungsdaten der Bürgerinnen und Bürger zugreifen darf. Dies, um herauszufinden, ob und wo sich Personen zu nahe kommen. Raffael Schuppisser, stv. Chefredaktor der CH-Media-Redaktion, hat diese Massnahme in einem Kommentar begrüsst. Patrick Marcolli, Chefredaktor der bz, hält dagegen und mahnt zu Vorsicht.

In der Corona-Pandemie gab es bisher noch kein «Richtig» und kein «Falsch». Inzwischen gibt es aber immerhin etwas mehr Klarheit: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Krankheit werden durch mehr Daten und Fakten belastbarer. Die Politik muss ihre Massnahmen gegen das Virus aber immer noch so fein abwägen und entscheiden, was die Pandemie wirksam bekämpfen könnte - und was uns angesichts dessen die Errungenschaften eines liberalen Staatswesens, also unsere persönlichen Freiheiten, wert sind.

Wenn nun gefordert wird, dass die Behörden zur Bekämpfung der Seuche auch unsere Handydaten auswerten können, müssen bei uns allen die Alarmglocken läuten.

Die Schweiz hat in ihrer Geschichte oft genug bewiesen, dass sie zugunsten eines politischen oder wirtschaftlichen Vorteils oder zwecks besserer Kontrolle über die «Untertanen» die liberalen Werte sehr rasch über Bord wirft. Der Fichenskandal lässt grüssen. All die Freiheiten, die wir geniessen, sind letztlich das Ergebnis von harter politischer Arbeit und so fragil, wie es die Demokratie als Staatsform ist.

Moralisch gesehen ist die Handy-Überwachung in Zeiten einer Pandemie natürlich leichter zu verteidigen, beziehungsweise viel schwieriger zu bekämpfen als die Einführung des Überwachungsstaats aus ideologischen Gründen. Wer möchte nicht, dass einem Virus der Garaus gemacht wird?

Aber ich bleibe dabei: Dem Staat die Möglichkeit zu geben, mit Hilfe unserer Handydaten unsere Bewegungen zu kontrollieren, geht auch dann zu weit, wenn es im Namen unserer Gesundheit geschieht. Zu verlockend ist es, Methoden und Datensammlungen in den Zeiten nach «Corona» weiterzuführen. Gerade auch in der Schweiz. Das zeigt unsere Geschichte.

Verwandtes Thema:

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

Meistgesehen

Artboard 1