Er lässt es langsam angehen. Die Beziehung zwischen Karl Schweizer und dem Naturbad ist jedoch schon so weit fortgeschritten, als dass der ehemals grösste Kritiker mehr als eine Stunde auf dem Areal verbringt und «Es ist hübsch hier!» oder «Es ist ein Idyll!» sagt.

Die Hüllen lässt er trotz Hitze nicht fallen. Einzig die Krawatte verschwindet in der Jacketttasche, das Jackett selber aber – das bleibt an. Es ist keine grundsätzliche Ablehnung gegen das seeartige Bad, das ohne Chlor auskommen muss, sondern der Entscheid, die Bade-Premiere mit den zwei Kindern zu wagen.

Wobei: Ein bisschen Skepsis ist noch da. «Dass es ein Idyll wird, habe ich immer gesagt.» Auch der Holzbau von Herzog und de Meuron sei «super» geworden. Die Wasserqualität aber mache ihm nach wie vor Sorgen, sagt Schweizer.

Bereits Jahre vor der Eröffnung des Bades beschäftigte sich der Riehener Einwohnerrat und Basler Grossrat (SVP) mit der allfällig schlechten Wasserqualität des Bades – und wollte den Bau deshalb verhindern: Ein Komitee hatte das Referendum gegen die für den Bau nötige Zonenplanänderung ergriffen. Schweizer war der Kopf der Gruppe.

Doch Bedenken, im Riehener Naturbad könnte es wie in manchen Pendants an anderen Orten zu wasserhygienischen Problemen kommen, wurden nicht erhört: Im Frühling vor vier Jahren sagte das Volk klar Ja zur Zonenplanänderung und zum Bad.

Bisher keine Verschmutzungen

Da sitzt er nun also auf einem Bänkchen und schaut den Gästen beim Schwimmen zu. Bevor sich diese ins Wasser stürzten, wurden dem Becken die montäglichen Wasserproben entnommen. Eine externe Firma testet das Wasser unter anderem auf Krankheitserreger, zum Beispiel Kolibakterien. Sauerstoff- und PH-Werte werden täglich entnommen. Die Werte landen in einer entsprechenden Datenbank.

In den gut drei Wochen seit der Eröffnung seien keine Verschmutzungen gemessen worden, sagt Daniel Raas, Leiter des Naturbades. Auch die Befürchtung von Kritikern wie Karl Schweizer, Wasservögel würden sich breitmachen, habe sich bisher nicht bewahrheitet. «Die Vögel würden vielleicht kommen, wenn niemand im Bad wäre. Doch seit der Eröffnung war immer etwas los», sagt Raas. Er habe vorsorglich spezielle Bürsten gekauft, um allfälligen Vogeldreck wegzuputzen – noch lägen diese aber ungebraucht in der Werkstatt.

Mit anderen tierischen Besuchern sei aber zu rechnen. Wasserschnecken hätten sich bereits angesiedelt, Fische und Frösche seien noch keine gesichtet worden. Genauso wenig wie Ringelnattern, aber: «Es wäre denkbar, dass sich mal eine solche hierher verirrt», sagt Raas. Und betont die «absolute Ungefährlichkeit» des Tieres.

Technik und Wasseraufbereitungskreislauf ist auf «Tagesspitzen» von bis zu 2000 Badegästen ausgerichtet. Der bisherige Besucherrekord liegt allerdings erst bei 1879 Gästen. Einer davon war am Montag Karl Schweizer.

Nach einer Stunde in der prallen Sonne war er froh um ein Schattenplätzchen im Restaurant des Bades. Viel mehr Schatten gibt es nicht: Die Bäume sind noch zu klein, um genug Schatten zu spenden. Sonnenschirme werden derzeit noch gratis abgegeben. Weitere sind bestellt. Doch im Anzug wird es irgendwann auch unter dem Sonnenschirm zu heiss.