Riehener Wahlen
Einst «Tochter von» – nun Gemeinderätin mit grossen Plänen und Visionen

Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) hat einen Plan für Riehen und für das Amt als Gemeindepräsidentin. Den gesamtheitlichen Blick möchte sie dabei schärfen.

Tobias Gfeller
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Christine Kaufmann will Gemeindepräsidentin werden.

Christine Kaufmann will Gemeindepräsidentin werden.

Kenneth Nars

«Warum tut sie sich das an?», dachte wohl mancher, als Christine Kaufmann bekannt gab, dass sie wiederum für das Riehener Gemeindepräsidium kandidieren will. Vor vier Jahren scheiterte sie knapp gegen den heutigen Amtsinhaber Hansjörg Wilde (parteilos). Man könnte annehmen, dass ihr eine zweite Wahlniederlage politisch schaden und sie innerhalb des Gemeinderats schwächen würde.

Doch Christine Kaufmann empfindet dies überhaupt nicht so. «Logisch, eine klare Niederlage wäre schon nicht optimal. Aber gegen einen Amtsinhaber kann man auch mal verlieren.» Sie habe überraschend viele positive Reaktionen auf ihre Kandidatur erhalten. Auch von Personen, die politisch rechts von ihr stünden.

Kritik am Gemeindepräsidenten

Seit vier Jahren steht sie als Gemeinderätin dem Bereich Familien, Freizeit, Kultur und Umwelt vor und konnte dort unter anderem mit dem Jugendleitbild, dem Vorschlag für eine Neukonzeption des Museums und dem Sportanlagenkonzept einige Eckpfeiler errichten. Doch die 49-Jährige will mehr. Sie will Riehen gestalten, vorwärtsbringen, entwickeln. Sie habe dafür einen klaren Plan und Vorstellungen, sagt sie selbstbewusst.

Dass sie sich mit Plänen und Visionen in Riehen auch mal eine blutige Nase holen könnte, ist ihr bewusst. «Ich will keine Grünflächen überbauen und Areale einzonen, die bisher nicht als Bauland vorgesehen sind.» Bewahren sei ihr wichtig, stellt sie klar. «Mir gefällt Riehen, wie es jetzt ist, sehr. Und ich weiss, dass es vielen Menschen hier auch so geht.» Sie wolle Riehen nicht umbauen. «Doch auch Riehen muss sich punktuell entwickeln. Und dabei fehlt heute zu oft der gesamtheitliche Blick», findet Christine Kaufmann und spricht damit auch indirekt den Gemeindepräsidenten Hansjörg Wilde an, der für diese Gesamtschau verantwortlich wäre.

Exemplarisch dafür nennt Christine Kaufmann den Dorfkern, in dem sich eine Baustelle an die andere reiht. Da hätte es eine bessere Vorausplanung gebraucht, kritisiert Kaufmann. «Der Gemeindepräsident hätte mit den anliegenden Liegenschaftsbesitzern früh das Gespräch suchen sollen, um herauszufinden, wer was in naher Zukunft baulich plant. Das hätte diese Aneinanderreihung von Baustellen verhindert.» Im Niederholzquartier beim Rauracher Zentrum vermisse sie ebenfalls diese Gesamtplanung.

«Mit der Überbauung Humanitas und der Zentrumsüberbauung sowie dem neuen Gewerbegebiet am Hörnli entwickelt sich das Gebiet rasant. Doch ob die bestehende Infrastruktur dies auffangen kann, hat noch niemand gefragt.» Hat es im Quartier genügend Kindergärten, Schulen? Und stimmen die Strassenverbindungen? «Es wäre die Aufgabe des Gemeindepräsidenten, diesen Gesamtblick stets zu wahren.»

Unistandort Riehen?

Um das Niederholz zusätzlich aufzuwerten, könnte man Teile der Gemeindeverwaltung dorthin verschieben, schlägt Kaufmann vor. Den Plänen zum Abriss des Gemeindehauses steht sie kritisch gegenüber. «Es ist ein wichtiges, identitätsstiftendes Gebäude für das Dorf», warnt Kaufmann. Das freie Entwicklungsareal entlang der Bahngleise, das als neuer Standort der Gemeindeverwaltung zur Diskussion steht, könne auch als Standort für eine Bildungsinstitution genutzt werden. «Das würde, wie von vielen gewünscht, zusätzliches Publikum nach Riehen bringen. Die Verkehrsanbindung mit Tram und Bahnhof wäre jedenfalls ideal.» Sie denke dabei insbesondere auch an die Universität Basel, die in Riehen ein Institut führen könnte. «Riehen steht der Universität sicher näher als Liestal.»

Christine Kaufmann bringt für Riehen Pläne und Visionen ins Spiel, wie es sich nur wenige Politikerinnen und Politiker trauen. «Man muss auch in Riehen querdenken können, sonst bleiben wir stehen. Hätten das unsere Vorgänger nicht getan, hätten wir heute beispielsweise die Geothermie nicht.»