«Brötle»: Das richtige Grillieren findet nur im Wald statt

Zum Bräteln gehören Schlangenbrot, schön eingeritzte Chlöpfer und ein richtiges Feuer. Alles andere ist Grillieren.

Ich als ausgesprochenes Agglo-Kind sollte mich im urbanen Grillier-Dschungel am Kleinbasler Rheinufer oder am Birsköpfli wohlfühlen. Ja, mich sogar ebenso mitten zwischen die Badtücher und fussballspielenden Feierabendgeniesser quetschen. Tu ich aber nicht. Schon gar nicht, wenn ich nach einem Abend am Birsköpfli zwischen den geschätzten hundert Einweggrills stärker nach Rauch und Grilliertem rieche als nach drei Stunden neben einem richtigen Feuer an einer Grillstelle mitten im Wald.

Für mich gibt es nämlich einen deutlichen Unterschied zwischen Brötle und Grillieren. Letzteres bedeutet viel Abfall: Einweggrills, Fleisch- und Chipsverpackungen. Ebenso Platzangst-Gefühle zwischen den anderen Grillierenden. Beim traditionellen Bräteln im Wald nimmt man sich noch Zeit, verbindet den kulinarischen Genuss der leicht angekohlten Chlöpfer mit Bewegung und geniesst zur Abwechslung mal das Vogelgezwitscher. Oder auch das bei Dunkelheit nur leicht beängstigende Rascheln im benachbarten Gebüsch. Als Kind war die obligate Pause mit Feuer und Bräteln das Highlight jedes Waldausflugs. Aussicht, Grillplatz oder Umgebung waren immer zweitrangig. Viel wichtiger waren die Höhe der Flammen, das schön eingeritzte Muster auf dem Chlöpfer und das dampfende Schlangenbrot.

Auch wenn ich ein Agglo-Kind oder sogar ein Stadt-Kind bin, so verhalte ich mich beim sommerlichen Grill-Spass doch wie jemand vom Land. So, wie es mir in meiner Kindheit beigebracht wurde, auch wenn ich es damals nicht wirklich verstanden habe: Vor dem eigentlichen Bräteln muss Holz gesammelt werden, was durchaus mit Spass verbunden sein kann. Die künstlerisch eingeritzte Wurst gehört an den selbst geschnitzten Stock; und essen tut man nicht mit dem mitgebrachten Besteck und vom blitzblanken Plastikteller, sondern von Hand und auf einem Baumstamm sitzend.

Vielfalt heisst das Zauberwort - und jederzeit kaltes Bier

Grillieren in Basel ist grossartig, weil man je nach Lust und Laune ans Rheinufer, in einen Park oder gar auf die Alp kann.

Auf dem Land ist es so: Als Kind geht man mit seinen Eltern in den Wald und grilliert Würste. Als Teenager geht man mit anderen Teenagern an ebendiese Stelle und grilliert ebendiese Würste, hat aber vielleicht noch scheppernde Musikboxen dabei und etwas Lustiges zum Rauchen. Wenn man dann Kinder hat, beginnt die Geschichte von vorne, und wenn man Grosskinder hat, nochmals.

In der Stadt hingegen nimmt man den 47er-Bus bis Bedrettostrasse (oder das Velo) und brötlet seine Chlöpfer mit dem selbst geschnitzten Stock aus dem angrenzenden Wald (wo man auch Holz suchen kann, wenn man will, denn die Grillstelle «Auf der Alp» wird in regelmässigen Abständen mit gut gelagertem Holz versorgt). Es lässt sich wunderbar mit den Kindern durch den Wald tollen und hat dazu erst noch einen grosszügigen Spielplatz mit Kinder-Seilbahn.

Das ist ein wunderbares Sonntagnachmittag-Programm für städtische Eltern und Grosseltern und es gibt weitere vergleichbare Orte, um in der Natur Wurst und Steckenbrot ankohlen zu lassen.

Wer aber noch keine Kinder hat, oder diese für ein Wochenende abgegeben hat, oder wer Teenager ist und am Samstagabend nebst Grillieren auch noch andere Menschen kennen lernen möchte, dem steht die Grillmeile am Kleinbasler Rheinufer offen. Dort gibt es übrigens nebst Einweggrills auch Menschen mit hippen Profi-Holzkohlen-Minismokers, die ihre neueste Errungenschaft noch so gerne zur Mitbenutzung anbieten. Und es gibt einen fix installierten Elektro-Grill bei der Oetlinger Buvette, der kostenlos benutzt werden kann. Und wem das Fleisch zur Schuhsohle verkommt, der ist nie weit weg vom nächsten Inderladen mit herrlichen Samosa. Ach, die Läden im Kleinbasel. Die machen den Rhein vielleicht sowieso zum Grillier-Mekka. Denn wo sonst gibts bis zehn Uhr abends kaltes Bier für einen Franken die Halbliterdose?