Einweihungsfest

Einweihungsfest mit Misstönen: Riehener sind nicht in Festlaune

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wird die Umgestaltung der Lörracherstrasse in Riehen gefeiert.

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wird die Umgestaltung der Lörracherstrasse in Riehen gefeiert.

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wird die Umgestaltung der Lörracherstrasse in Riehen gefeiert. Doch längst nicht alle sind glücklich.

Richtige Feierstimmung will bei der Anwohnerschaft in Riehen Nord zwischen Dorf und Grenze nicht aufkommen. Während zweieinhalb Jahren wurde die Hauptdurchfahrtsstrasse vom Tiefbauamt Basel-Stadt, von den BVB, den IWB und der Gemeinde Riehen saniert und umgestaltet. Lärm, Dreck, Staub und wiederkehrende Verkehrsumleitungen machten der Bevölkerung und dem ansässigen Gewerbe zu schaffen.

Die Belastungen der Anwohnerschaft waren derart intensiv, dass Quartierbewohnerin Regina Rahmen (SP) nach lärmintensiven Sonntagsarbeiten das Thema per Vorstoss in den Einwohnerrat brachte. «In der Lörracherstrasse macht sich Wut, Resignation und die Haltung breit, dass man solches einem anderen Quartier nie zumuten würde», klagte sie im August 2018 in ihrer Interpellation.

Das Ziel einer Verkehrsberuhigung sei aber gelungen, lobt Rahmen heute. Tempo 30, eine schmalere Strassenführung und der Kreisel bei der Weilstrasse sollen die Verlagerung des Durchgangsverkehrs auf die Zollfreistrasse verstärken. Die Lörracherstrasse soll zu einem Boulevard mit mehr Aufenthaltsqualität werden.

30 Prozent weniger Kundenfrequenz

Lob für das Endresultat gibt es auch von Thomas Gerber, Inhaber und Geschäftsführer der Bäckerei Gerber an der Lörracherstrasse. Feierstimmung will beim Familienunternehmen aber nicht aufkommen. «Das ist ein Tag zum Abschliessen, nicht zum Feiern.» Zum Feiern sei während der Bauzeit zu viel passiert. Den Bäcker plagten schlaflose Nächte. Um rund 30 Prozent habe die Kundenfrequenz während der Bauzeit abgenommen.

Doch Thomas Geber möchte nicht mehr hadern, sondern nach vorne schauen. Ein Jahr gibt er der Bäckerei Zeit, um zu sehen, wie sich Kundenfrequenz und Umsatz entwickeln.
Das Ende der Bauarbeiten heisst aber nicht, dass die Unzufriedenheit vorbei ist. Die hohen Trottoirs aufgrund der behindertengerechten Tramhaltekanten und der schmale Abstand zu den Gleisen bereite den Velofahrenden Probleme, verrät Regina Rahmen. 

Auch Gemeinderat Daniel Hettich (LDP) hat die Situation erkannt. «Die Fehler wurden aber schon vorher bei den Planungen gemacht, indem den Velofahrenden zu wenig Beachtung geschenkt wurde.» Das Problem mit den hohen Trottoirs betreffe das ganze Kantonsgebiet, betont Hettich. Ein Velostreifen auf den neuen, teilweise breiteren Trottoirs entlang der Lörracherstrasse, wie es Regina Rahmen vorschlägt, sehen der Gemeinderat und das Tiefbauamt nicht als Option.

Angst vor höheren Mieten in Riehen Nord

Auch dass der Autoverkehr neu an mehreren Stellen hinter dem Tram herfahren muss und nicht mehr Platz zum Überholen hat, gefällt längst nicht allen. Regina Rahmen ist aber überzeugt, dass das Quartier dank dem reduzierten Verkehrslärm attraktiver zum Wohnen wird.

Neben der Freude bereitet ihr dies aber auch Sorgen. «Ich hoffe einfach nicht, dass dadurch die Mieten steigen.» Denn Riehen Nord ist einer der wenigen Orte in der Gemeinde mit verhältnismässig bezahlbarem Wohnraum und ist dementsprechend bei Geringverdienenden beliebt.

Kritik an der Festorganisation

Misstöne gab es auch im Vorfeld der Feierlichkeiten. Die Quartierbevölkerung sei zu wenig mit einbezogen und zu spät informiert worden, klagt Regina Rahmen. «Da habe ich schon eine gewisse Sensibilität vonseiten des Kantons gegenüber jenen, die am meisten unter der Baustelle gelitten haben, vermisst.» Nur gerade ein Inserat in der Riehener Zeitung und ein Flyer Ende vergangener Woche in den Briefkästen hätten auf das Fest hingewiesen, kritisiert Quartierbewohner Peter Auf der Maur. Nun ist er mit Kollegen mit einer Art «Quartiertreff» am Fest doch noch dabei. Er musste aber selber aktiv werden, um beim Kanton an die nötigen Informationen zu kommen.

Das Fest richte sich an alle Riehenerinnen und Riehener, aber besonders an die direkten Anwohnerinnen und Anwohner der Lörracherstrasse, entgegnet Daniel Hofer vom Tiefbauamt Basel-Stadt. Das Fest sei gleichzeitig auch Startschuss für eine neue Quartierentwicklung in Riehen Nord.

Trotz der diversen negativen Stimmen aus dem Quartier sind nun doch mehrere Riehener Organisationen am Festbetrieb beteiligt.

 

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