Basel Tattoo
Einzig der Schatten fehlt auf der Kasernenwiese – an Platz mangelts jedoch nicht

Vor dem Festival stritten sich die Organisatoren und ein Verein um ein Stück Rasen. Die Besucher auf der Kasernenwiese nehmen die Situation gelassener.

Nadine Böni
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Grosse Leere auf der Kasernenwiese, hinten die Toiletten

Grosse Leere auf der Kasernenwiese, hinten die Toiletten

Nadine Böni

Die Szenerie auf der Kasernenwiese will so gar nicht zu der Polemik passen, die vor dem Tattoo entbrannt war. Die Wiese liegt an diesem Nachmittag friedlich und beinahe verlassen da. Zwar sind schon viele Tattoo-Besucher früh auf dem Areal.

Sie halten sich jedoch an den Schatten am Rand der Wiese, geniessen dort ein kühles Bier in einer der Beizen oder Bars. Drei schottische Tattoo-Teilnehmer gehen die Schrittfolge ihres Programms durch. Ein Vater testet mit seinem Sohn ein neues Spielzeug. Ganz hinten haben zwei Buben die Werbebanden des Tattoo zum Fussballtor umfunktioniert und üben fleissig Penaltyschiessen.

Besucher verstehen Streit nicht

Wenige Meter von ihnen entfernt liegt jenes Stück Rasen, das noch vor ein paar Wochen das Zentrum hitziger Diskussionen war. Der Verein «Heb Sorg zum Glaibasel» hatte über mehrere Monate alles daran gesetzt, dass das Tattoo nicht durchgeführt werden darf.

Die Gruppe stört sich daran, dass unter anderem ein rund viereinhalb Meter breiter Rasenstreifen während der Aufführungstage von Toilettenhäusern bedeckt ist. Mit Erfolg: Im kommenden Jahr muss die Rasenfläche frei bleiben.

«Verstehe die Aufregung nicht»

Der Streit um das Stück Rasen hat sich weit herumgesprochen. Ein Besucher aus Worb (BE) meint: «Ich habe die Diskussionen mit Interesse verfolgt. Aber jetzt, wo ich die Situation vor Ort sehe, verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Der grosse Teil der Wiese ist ja noch frei.»

Damit spricht er wohl auch vielen Einheimischen aus der Seele. An diesem Nachmittag jedenfalls findet sich niemand, der sich über die Platzansprüche des Militärmusikfestivals aufregen mag. Im Gegenteil: «Es haben doch alle Platz», sagt eine Schülerin aus Kleinbasel. Sie hütet in den Sommerferien ab und zu ihren jüngeren Cousin. «Wenn es uns hier zu heiss ist, haben wir andere Möglichkeiten - etwa die Claramatte», sagt sie.

Feuerwerk stresst die Tiere

Ein älterer Mann findet dann trotzdem noch ein paar kritische Worte gegenüber dem Tattoo. Mit der Rasenfläche haben sie aber nichts zu tun: «Mir geht es um das Feuerwerk. Das Geknalle stresst meinen Hund. Er verkriecht sich jeweils unter dem Sofa», erzählt er.

Noch viel mehr regt der Anwohner sich allerdings über den Verein «Heb Sorg zum Glaibasel» auf. «Jeder sollte sehen, dass der Nutzen des Tattoos um ein Vielfaches grösser ist, als die Unannehmlichkeiten.» Den Rekurs des Vereins sieht er als «reine Trotzreaktion von Anita Lachenmeier nach ihrer Abwahl im letzten Herbst».

«Absolut aus der Luft gegriffen», widerspricht Lachenmeier. «Ich wohne seit 28 Jahren an der Kasernenwiese. Seither setzte ich mich für die Wiese ein.» Lachenmeier hat die Situation auf dem Areal seit Tattoo-Beginn beobachtet. «Wenn es heiss ist, hat es keine Familien auf der Wiese, weil der Schatten fehlt», zieht sie Bilanz.

Die Tattoo-Beizen, die im Schatten liegen, seien kein Ersatz für die Rasenfläche, denn: «Wer geht schon mit seinem Kind in die Beiz zum Spielen?» Von der Vereinbarung mit den Tattoo-Organisatoren verspricht sie sich einige Verbesserungen.