Der vergangene Jahrhundertsommer liess in den Basler Gartenbädern die Wogen hochgehen – und bisweilen auch die Emotionen. Das kostete eine Angestellte des Gartenbads Bachgraben den Job. Badegäste hatten sich über das Verhalten der heute 32-jährigen Badmeisterin beschwert. Ein Gast beobachtete, wie die Beschuldigte einer Frau «Kum use, du Schlampe» gesagt habe, als diese das Becken nicht verliess. In einem anderen Fall sei die Aufsichtsperson gar handgreiflich geworden.

Eine Mutter, die in Begleitung ihrer drei Kinder war, habe die Badmeisterin gestossen und gesagt: «Halt dini Frässi». Ihr Ehemann beschwerte sich daraufhin beim Sportamt, das die Konsequenzen Ende August vergangenen Jahres zog. Die Vorgesetzten legten ihr eine Vereinbarung vor, das die Auflösung des Arbeitsverhältnisses beinhaltete – dies bei Lohnfortzahlung bis Ende des Jahres und mit einer Abfindung von 2853,25 Franken.

Anschuldigungen der Gäste sind «glaubwürdig»

Die Badmeisterin unterschrieb die Vereinbarung, überlegte es sich aber dann doch anders: Sie zog einen Anwalt bei und rekurrierte gegen die Freistellung. Sie bestritt die Anschuldigungen pauschal. Zudem sei das Verhalten der Badegäste Grund für die verbalen Auseinandersetzungen gewesen. Die Gäste hätten trotz mehrmaliger Aufforderungen das Becken beziehungsweise deren Duschen nicht verlassen wollen, erklärte die entlassene Badmeisterin.

Die Personalrekurskommission stellte sich hinter den Entscheid des Kantons. Die Argumente der Badmeisterin konnte sie nicht nachvollziehen. Diese stellt sich unter anderem auf den Standpunkt, sie sei zur Unterzeichnung genötigt worden, weil ihr Mann sonst Repressionen fürchten müsse – auch er ist beim Kanton angestellt. Auch sei die dreitägige Bedenkfrist zu kurz, die Vereinbarung zur Auflösung des Arbeitsvertrags zu unterschreiben. Die Personalkommission ging darauf nicht ein – und kam überdies zum Schluss, dass die Beschwerden der Badegäste «schlüssig und glaubwürdig» seien. Dies ist dem Entscheid zu entnehmen, welcher der bz vorliegt.

Die Badmeisterin gibt sich aber kämpferisch. Sie hat den Fall vors oberste kantonale Gericht weitergezogen, wo er Ende August verhandelt wird. Der Anwalt der Badmeisterin war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Job als Badmeister ist anstrengender als früher

Auch der direkte Vorgesetzte der Badmeisterin, Peter Portmann, will den Vorfall nicht kommentieren. Der Leiter des Gartenbads Bachgraben deutet aber immerhin an, dass er für die zunehmend schwierigen Situationen der Badmeisterinnen und Badmeister Verständnis hat. Sie stünden unter grösserem Druck als früher. «Heute wird viel genauer hingeschaut als früher, als ich ein kleines Kind war.»

Er selber habe als Badmeister schon erlebt, wie schnell mit der Polizei gedroht würde, wenn sich die Gäste ungerecht behandelt fühlten. Da überrascht es wenig, dass der Berufsstand zunehmend unattraktiv wird. Diese Zeitung berichtete jüngst über die Personalnot in den Badis. Die Bezahlung ist schlecht, man muss arbeiten, wenn andere frei haben – und eben: Der Respekt der Gäste lässt zunehmend zu wünschen übrig.

Das alles sei aber kein Grund, sich zu Verbalentgleisungen und gar Handgreiflichkeiten gegenüber den Gästen hinreissen zu lassen, findet das Basler Erziehungsdepartement. Dieses taxierte das Verhalten der Badmeisterin als «schwere Pflichtverletzung», welches das Arbeitsverhältnis grundlegend beeinträchtigen würde. Gerade die Badegäste würden nicht nachvollziehen können, warum die Aufsichtsperson nach solchen Verfehlungen weiterhin ihren Job ausüben dürfe.