Über 30 Jahre hat es gedauert. «So lange ist es her, dass die Idee aufkam, eine Moschee für Saint-Louis zu bauen», erklärt Souheil Boussalem (35). Er ist Präsident des Vereins «Espérance», auf Deutsch Hoffnung, in dem vor allem Muslime aus dem Maghreb organisiert sind.

Ab 2006 hat sich Boussalem mit einigen Mitgliedern des Vereins daran gemacht, den Bau einer Moschee voranzutreiben. Vor vier Jahren wurde der Grundstein gelegt, seit diesem Sommer ist sie fertig und kann sich sehen lassen. «Eine Stadt mit 20 000 Einwohnern wie Saint-Louis kann stolz darauf sein, einen derartigen Bau zu haben», freut sich Boussalem.

Das Projekt stammt noch aus der Zeit des vorherigen Maire Jean Ueberschlag und hat laut seinem Nachfolger Jean-Marie Zoellé zu keinen Diskussionen in Saint-Louis geführt. Der Verein war früher in einer alten Baracke untergebracht. «Der Verein ist sehr aktiv und engagiert. Es brauchte einen anständigen Ort für die Mitglieder», betont Zoellé. Das Gelände, das sich in einer Sackgasse neben einer kaum mehr benutzten Bahnlinie in der Avenue de la Paix befindet, hat die Stadt zur Verfügung gestellt. «Saint-Louis ist immer eine offene Stadt gewesen. Wir haben ja auch eine Synagoge», führt der Jean-Marie Zoellé aus.

Den Islam positiv zeigen

Offenheit ist auch das Grundprinzip des Vereins «Espérance», der die Moschee folgerichtig «El Feth» genannt hat, was eben Offenheit bedeutet. «Wir wollen den Islam positiv darstellen», betont Boussalem. So sind in der Moschee Räume vorgesehen, um Vorträge zu halten, die auch für Nicht-Muslime offen sind. Eventuell könnte es auch eine Art Teestube geben, aber das ist noch nicht endgültig entschieden. Ausserdem soll es Nachhilfestunden für Kinder mit Schulproblemen geben.

Die Moschee ist eine Mischung aus Moderne und Tradition. Der Name steht in alten Buchstaben über dem Eingang und die Gebetsräume sind mit Teppichen mit traditionellen Symbolen geschmückt. Eindrücklich ist ein riesiger Kronleuchter, der unter der Kuppel hängt und die beiden Gebetsräume für 500 Männer im Erdgeschoss und für 450 Frauen im ersten Stock verbindet. Neben dem Raum für die Frauen befindet sich noch ein weiterer, wo die Kinder, die noch nicht alt genug sind, um am Gebet teilzunehmen, spielen können.

Durch die grosse Kuppel ist die Moschee lichtdurchflutet. Die Idee eines Minaretts ist laut Maire wie auch Boussalem gar nicht aufgekommen. «Ein Minarett ist ein Symbol nach aussen. Wir aber brauchen das nicht, da durch das Kuppeldach sofort klar ist, dass es sich um eine Moschee handelt», erklärt Boussalem. Der Bau umfasst rund 2000 Quadratmeter und drei Ebenen, die durch Fahrstühle miteinander verbunden sind.

Keine Kosten wurden gescheut

Für die Moschee wurden keine Kosten gescheut: Es gibt moderne LED-Beleuchtungen, elektrische Toilettenanlagen, eine professionell eingerichtete Küche, Überwachungskameras und selbst für die rituellen Waschungen vor dem Gebet mit Sensoren gesteuerte Wasserhähne mit Heissluft zum Trocknen der Hände und Füsse. Auch ansonsten scheinen die verwendeten Materialien von hoher Qualität zu sein.

Da verwundert es nicht, dass die ersten Kostenschätzungen von 2,7 Millionen Euro, durch Spenden finanziert, deutlich übertroffen worden. Wie teuer die Moschee nun wirklich geworden ist, kann Boussalem noch nicht sagen. Noch sind auch die einen oder anderen Kleinigkeiten fertigzustellen.

Dennoch wurde die Moschee bereits Mitte Juli für die Gläubigen geöffnet, rechtzeitig zum Ende des Ramadan, dem Fest Aïd el-Fitr. «Von den Besuchern sind 20 bis 30 Prozent aus Deutschland und der Schweiz gekommen», schätzt Boussalem. In Saint-Louis und Umgebung dürften ungefähr 1500 Muslime leben.

Es gibt zwar schon einen Raum für ihn, aber einen Imam hat der Verein noch nicht gefunden. Im Gebetsraum der Männer befindet sich wie eine Art Kanzel eine erhöhte Plattform für die Ansprachen des Imam während des Freitagsgebets und eine Einbuchtung für die fünf täglichen Gebete. «Hinter dem Imam darf niemand mehr stehen», erläutert Boussalem.