Das erste Gruppenspiel an der Fussball-Weltmeisterschaft hat Kolumbien unglücklich gegen Japan verloren. In der Freizeithalle Dreirosen ist gestern Nachmittag die dominierende Farbe trotzdem gelb. Überall erblickt man Leibchen der Nationalmannschaft des südamerikanischen Landes. Schon Stunden vor der abendlichen Begegnung mit Polen trifft sich hier die kolumbianische Community.

Über die grosse Leinwand in der Halle bei der Dreirosenbrücke flimmert gerade das Spiel zwischen Senegal und Japan. An der Wand hängt aber bereits eine überdimensionale Kolumbienflagge. In der ersten Reihe sitzt der Kolumbianer Oscar Eduardo Arias und schaut gespannt zu. «Wir werden heute Abend ganz sicher gewinnen. Ich tippe auf ein 2:0», sagt er. Der Ecuadorianer Santiago Taboada pflichtet ihm bei: «Kolumbien schafft die Qualifikation für die Achtelfinals.» Es sei für ihn klar, dass er heute sein Nachbarland unterstützen werde. «El fútbol es internacional.»

 

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Die Bilder zu Polen – Kolumbien



 

Leckeres Essen aus Kolumbien

Noch sind die meisten Stühle vor dem Bildschirm leer. Die Kolumbianerinnen und Kolumbianer geniessen derzeit lieber das Essen aus ihrer Heimat. Während lauter Salsa aus den Boxen dröhnt, tun sie sich im vorderen Teil der Halle an typischen Speisen aus Südamerika gütlich. Astrid Ritschard schöpft mit einer Kelle eine kräftige Suppe, zu der sie salzig-klebrigen Reis reicht. «Das ist sancocho mixto mit Mais, Poulet, grünen Bananen und Kartoffeln», erklärt die Frau aus Cali, der drittgrössten Stadt Kolumbiens. Sie ist mit einem Schweizer verheiratet und lebt seit 20 Jahren in Basel.

Die kolumbianische Community in der Stadt schätzt sie auf einige hundert Personen. «Die Männer arbeiten meist auf dem Bau oder in einer Fabrik, die Frauen oft als Reinigungskräfte.» Ritschard selber führt einen Kosmetiksalon. Mit ihrem Bruder Eiver Torres organisiert sie etwa viermal im Jahr in der Freizeithalle Dreirosen eine Veranstaltung für ihre Landsleute. Auch betreibt sie eine Facebook-Gruppe, die in Basel eintreffenden Kolumbianern helfen soll, sich zurecht zu finden.

Derzeit kommen die Kolumbianer noch häufiger zur Dreirosenbrücke, da dort jedes Spiel der Nationalmannschaft auf Grossleinwand gezeigt wird. Die Halle dient aber auch anderen Nationen wie Sierra Leone, Eritrea und Tibet als Ort der Begegnung. Fussball sei in ihrer Heimat sehr wichtig, sagt Astrid Ritschard. «Er ist Teil unseres Lebens.» Gerade bei Weltmeisterschaften würden sich die Kolumbianer in der Schweiz noch stärker mit ihrem Heimatland identifizieren.

Wie weit Kolumbien denn an der Endrunde kommt, möchten wir noch wissen. Verschmitzt sagt Fussballfan Oscar Eduardo Arias: «Ist doch klar. Wir werden Weltmeister.»