Oben in der Spirale thront Ganesha, der elefantenköpfige Gott der Weisheit, des Lernens und der Literatur. Ihn und viele andere Kultobjekte haben die Basler Missionare in Asien und Afrika gesammelt. Sie werteten es als Erfolg ihrer Bekehrungsbemühungen, wenn vormalige «Heiden» bereit waren, ihre «Götzen» abzugeben.

In Basel dienten die exotischen Stücke in der Ausbildung der jungen Seminaristen dazu, die künftigen Missionare in die fremden Kulturen einzuführen und ihnen zu zeigen, was sie antreffen würden.

Hindugott Ganesha

Hindugott Ganesha

Ein runder Geburtstag

Die Basler Mission feiert dieses Jahr ihren 200. Geburtstag. Anlass genug, dem Museum der Kulturen die bereits als Depositum eingelagerten 12'000 ethnografischen Gegenstände zu schenken. Die Gastkuratorin Kathrin Fischer hat daraus eine Ausstellung konzipiert, die kritisch fragt, ob Mission überhaupt möglich sei. Die evangelische Basler Mission selbst hat ihre Aufgabe im Verlauf der Zeit umdefiniert: Ursprünglich war es das Ziel, in Konkurrenz zur katholischen Missionstätigkeit und zum Islam Menschen in anderen Kulturen zum christlichen Glauben zu bekehren.

Heute steht die Entwicklungszusammenarbeit mit den lokalen Kirchen vor Ort und mit Respekt gegenüber den indigenen Kulturen und Religionen im Vordergrund. Die am heutigen Tag eröffnete Ausstellung «Mission possible?» zeichnet diese Entwicklung vom ursprünglich kolonialen Denken zum gegenseitigen Kulturaustausch eindrücklich nach.

Nicht überall in Kamerun waren die Missionare so erfolgreich. So prallten an König Njoya von Bamum die christlichen Gebete ab. Er nahm den Missionar Martin Göhring zwar wohlwollend auf und pflegte einen reichen geistigen Austausch mit ihm, konvertierte dann aber zum Islam, verbot während des Ersten Weltkriegs das Christentum und schenkte Göhring den Koran.

Kulturelle Reibung

Die Ausstellung im Museum der Kulturen gliedert sich in zwei Teile: Die Spirale im Rauminnern führt die Besucher in die Probleme ein, welche die Missionare in ihrem Alltag antrafen. Die Texte sind informativ und kurz gehalten. Die Exponate wecken das Interesse der Besucher von alleine. Sie sind, bis auf wenige Gegenstände aus Gold, nicht hinter Glas versteckt, sondern stehen offen da. Rund um die Spirale werden die fünf Missionsfelder Ghana, Kamerun, China, Indien und Indonesien dokumentiert, einerseits mit weiteren Gegenständen, andererseits mit per Bildschirm abrufbaren Fotografien und Zusatztexten.

Hier kann etwa erforscht werden, wo die Missionare ihre Vorstellung des Christentums durchsetzen wollten und wo sie sich mit den Kulten arrangierten, die sie nicht bekämpfen konnten. Der heute noch lebendige Brauch der Zweitbestattung in Indonesien, bei dem die Gebeine der Toten nach einiger Zeit wieder ausgegraben, gereinigt und mit einem Ritual erneut bestattet werden, war den Missionaren ein Gräuel. In der Einsicht, dass das Diktieren eines anderen Totenkultes nicht möglich war, mussten sie den Brauch jedoch zähneknirschend akzeptieren. Diese Toleranz erduldete etwa in China eine Zerreissprobe, wo mit den Toten alle wichtigen Alltagsgegenstände als Beigabe fürs Jenseits verbrannt wurden. Es konnte nämlich vorkommen, dass sich ein bekehrter Chinese wünschte, dass man die Bibel mitverbrenne.

Ganesha lächelt ungerührt weise von der Empore herunter: Der Star der Ausstellung ist als Leihgabe schon weiter gereist als mancher Missionar, und eine Milliarde Menschen hört nicht auf, ihn anzubeten, aller Missionierungsversuche zum Trotz.

Die Ausstellung «Mission possible?» im Museum der Kulturen dauert vom 22. Mai bis zum 4. Oktober.