Falconi, die Tessiner Tochtergesellschaft des spanischen Consorzio Emte Elektronorm, war in Basel auch auf anderen Baustellen tätig: Im Kirschgarten-, De-Wette- und St.-Alban-Schulhaus sowie im Biozentrum. Im Kirschgarten-Schulhaus hatte der Auftrag ein Volumen von 4,3 Millionen Franken. Die Zahlen sind der Internetplattform des öffentlichen Beschaffungswesens in der Schweiz (simap.ch, vgl. Tabelle) zu entnehmen. Die letzten zwei Schulhaus-Baustellen wurden in Auftrag gegeben, als bereits bekannt war, dass die Firma Schwierigkeiten hat.

Die Aufträge für Falconi

Die Aufträge für Falconi

Die spanische Firma hat den verantwortlichen Generalplaner Gruner, das Hochbauamt und das Basler Stadttheater Blut schwitzen lassen. Schon im Januar haben sich erste Schwierigkeiten abgezeichnet, die sich im Verlauf des Sommers akzentuiert hatten. Trotzdem hatte Falconi noch im Juni den letzten Auftrag erhalten. Diese Arbeiten seien gemäss «Auftrag und termingerecht» beendet worden, sagt Thomas Blanckarts, Leiter des Hochbauamts Basel-Stadt. «Falconi arbeitet jetzt ohne Partner aus Spanien. Die Situation im Theater hat sich geändert.»

«Schwer verständlich»

Das Submissionsgesetz habe zum Teil schwer verständliche Eigenheiten, erklärt er. Eine Bieterfirma könne nicht a priori von einem Projekt ausgeschlossen werden, wenn ein anderes Projekt zuvor zu Problemen geführt hätte. Nur gerade bei ganz schweren Verstössen, Betrug oder anderen kriminellen Handlungen könne ein Bieter ausgeschlossen werden. Das habe auch für das Consorzio bei der Theaterrenovation gegolten. «Es lagen damals keine Gründe vor, die Spanier-Tessiner auszuschliessen. Dazu stehen wir heute noch.» Und sie hätten ein gültiges Referenzprojekt vorlegen können.

Beim Theater lief bereits die Ausschreibung relativ harzig. Ganze zwei Firmen haben sich um den Auftrag beworben: das spanisch-schweizerische Konsortium und die Basler K. Schweizer. Die Schweizer AG ist wegen eines Formfehlers beim Eignungsnachweis ausgeschieden – bei der Ausschreibung galt «Vergabekriterium 100 Prozent Preis». Die Firmen mussten «Eignungskriterien» erfüllen, wie der Generalplaner mitteilt. Dieser umfasst den Nachweis eines vergleichbaren Referenzauftrages in den vergangenen fünf Jahren. Bei gewissen anderen Aufträgen beim Theater hatte der Preis ein Gewicht von lediglich 70 Prozent.

Nicht eingelöste Versprechen

Hauptgrund für den Beinahe-Schiffbruch des Umbaus waren Verständigungsprobleme. «Wir haben Deutsch sprechende Teamleiter ausgeschrieben und verlangt, diese wurden uns zugesagt.» Das wurde nicht eingelöst. Die Qualität stimmte nicht und die Angestellten waren zu langsam. Blanckarts: «Heute fragen wir uns natürlich auch, ob wir früher und rigider hätten eingreifen müssen.»

Der Grund für die wenigen Bewerbungen lag wahrscheinlich am Ausschreibungsinhalt, den Vorgaben und am Vergabekriterium 100 Prozent Preis, vermutet Roland Hunkeler, Präsident des Verbands Basler Elektroinstallationsfirmen (VBEI). «Das war eine ‹grosse Kiste› mit einigen Risiken. Lokale Anbieter mit Orts- und Objektkenntnissen konnten sich dessen durchaus bewusst sein, vor allem auch, wenn die Vergabe schlussendlich an den Billigsten gemacht wird. Heute wissen wir, dass von neun Firmen, die bei der Baustellenbegehung dabei waren, dem Kanton nur gerade zwei Angebote abgegeben worden sind.» Bei Gruner und dem Hochbauamt ist man der Ansicht, dass die Firmen wegen der zahlreichen Bauprojekte in der Region sehr stark ausgelastet sind.

Der Kanton frage lediglich Standardfragen ab. Hunkeler: «Wenn jemand den Auftrag will, kreuzt er auf dem Formular einfach alles an. Nach einer Auftragsvergabe hat er meistens keine Restriktionen mehr zu befürchten.»

Hier seien die Submissionsverantwortlichen im Hochbauamt schon etwas «blauäugig» gewesen, meint er. «Auch, weil man den billigsten Anbieter gar nicht gekannt hat.» Die Erfüllung des Gesamtarbeitsvertrages muss von allen Anbietern eingehalten werden. Die billigsten Anbieter orientierten sich an diesem Mindestlohnniveau und stechen damit Anbieter mit eigenem qualifiziertem Personal in der Regel aus.

Da die Firma Falconi dem Vernehmen nach ursprünglich gar nicht genug Leute hatte, versuchte man, die nötigen Fachkräfte abzuwerben – schliesslich behalf man sich mit Subunternehmerkonstrukten.