Ausstieg
Elektrokonzern Sauter: Besitzerfamilie sucht einen Investor

Beim Basler Elektrokonzern Sauter wollen Mitglieder der Besitzerfamilie aussteigen. Ein Finanzinvestor soll den geordneten Abgang ermöglichen.

Christian Mensch
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Die Besitzerfamilie des Elektrokonzerns Sauter will aussteigen.

Die Besitzerfamilie des Elektrokonzerns Sauter will aussteigen.

Zur Verfügung gestellt

Die elektronischen Komponenten der Firma Sauter steuern weltweit und zuverlässig Klima- und Heizungsanlagen in grossen und kleinen Gebäuden. Doch die Steuerung des Firmenklimas will nicht richtig funktionieren; eisige Perioden kippen schockweise in überhitzte.

Unterkühlt war die Stimmung, als die Firma vor Jahresfrist den Abbau von 100 der 300 in Basel Beschäftigten ankündigte. Nun rauchen die Köpfe im grossmehrheitlich familieninternen Aktionärskreis des Unternehmens, seit dem Vernehmen nach ein Übernahmeangebot eines globalen Anbieters vorliegt.

Die Mehrheitsaktionäre wollen die Firma als selbständiges Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz erhalten. Vier Familienmitglieder haben dafür die FS Familienholding gegründet, wie aus dem Handelsregister hervorgeht. Diese F(ritz)S(auter) Familienholding bezweckt «die Sicherung der Sauter-Gruppe als ein sich so weitgehend wie möglich selber finanzierendes Unternehmen».

Sie soll vor allem Finanzquellen erschliessen, «die den verkaufswillige Minderheitsaktionären die Veräusserung ihrer Aktien zu angemessenen Konditionen ermöglichen». Ein stiller Investor mit einer langfristigen Perspektive sei gesucht, heisst es gemäss firmennahen Informationen.

Mehrfach vor dem Verkauf

Für die 1910 gegründete Firma wiederholt sich die Geschichte. Mehrfach traten Spannungen in der Familie auf, die einen Verkauf der Firma nahelegten; mehrfach waren externe Investoren beteiligt, um den Finanz- und Finanzierungsbedarf der Firma zu decken.
Bereits 1920 gab Firmengründer Fritz Sauter eine Sperrminorität von 36 Prozent an Geldgeber um das Basler Bankhaus La Roche ab, um den Ausbau zu finanzieren. Nach dem Tod Sauters herrschte in der Firma ein Führungsvakuum und das fremde Aktienpaket wanderte zum damaligen Konkurrenten Elektrowatt.

Dieser versuchte mit allen Mitteln ein Zusammengehen beider Firmen zu erzwingen. Eine Minderheit im Familienaktionariat war für einen Verkauf an die Elektrowatt, eine Mehrheit dagegen. Vier Prozesse wurden geführt, bis es Ende der 1980er Jahre nach rund dreissig Jahren zu einer Entflechtung kommen konnte. Die Selbstständigkeit der Sauter-Gruppe war damit gewahrt.

Nach einem Intermezzo mit einem familienfremden Management war die Führung des Unternehmens in den 1990er Jahren wieder in den Händen von Familienangehörigen. Die Gemengenlage von Aktionärs- und Management- und Familieninteressen führten zu einer weiteren Zerreissprobe und zur neuerlichen Grundsatzfrage, ob die Familie das Unternehmen an die US-amerikanische Invensys verkaufen soll. Eine Mehrheit lehnte das Ansinnen ab. Ein Verkauf war zum zweiten Mal vom Tisch.

Pflichtgefühl der Familie

In der Jubiläumspublikation «Aus eigener Kraft» (2010) schilderte Christian Brückner, emeritierter Rechtsprofessor der Universität Basel sowie Mitglied der Besitzerfamilie, selbstkritisch die vielfältigen Spannungsverhältnisse in der Firma. In den Vorbemerkungen wird an das «Pflichtgefühl gegenüber einer Unternehmung» appelliert, «die man geerbt hatte und für die man infolgedessen eine Verantwortung trug». Die erste Aufgabe eines Sauter-Aktionärs bestehe «heute und in Zukunft» darin «Solidarität zu üben und mit einer einheitlichen Eigentümerstrategie zusammenzustehen».

Während diese Solidarität heute offfenkundig bröckelt, gilt weiterhin, was auch vor sieben Jahren Konsens war: «Aus den Aktionärsfamilien soll niemand mehr operativ in der Unternehmung tätig sein». Bei der Streuung des Aktienbesitzes seien sonst Interessenskonflikte wahrscheinlich, «die dem Wohl der Unternehmung abträglich sind.»
Auch im Verwaltungsrat hat die Familie die Führung abgegeben.

Seit 2016 ist Marc Jaquet Verwaltungsratspräsident. Als Erbe eines Familienunternehmens kennt er sich in diesem Geflecht aus. Und als Verkäufer der Jaquet Technology an die amerikanische TE Connectivity wüsste er auch zu handeln, sollte die Teilhaber der FS Familienholding doch noch auf das Kaufangebot eingehen.

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