Die Schliessung und den Konkurs des Elektrofachgeschäfts Zihlmann in Basel, Muttenz und Füllinsdorf hat diese Zeitung bereits vergangene Woche vermeldet. Nun zeigen Recherchen die Hintergründe, weshalb das Traditionsgeschäft Hals über Kopf aufgeben und die 33 Mitarbeiter zum Arbeitsamt schicken musste: Zihlmann hat sich an den finanziellen Verpflichtungen überhoben, die sie mit dem Abschluss von Serviceverträgen eingegangen ist.

Bis zu 10'000 Serviceverträge hat Zihlmann in den vergangenen Jahren abgeschlossen. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Die Kunden zahlen eine Prämie und erhalten dafür zusätzliche Garantie- und Serviceleistungen. Bei Zihlmann ist daraus eine Verpflichtung in Höhe von rund acht Millionen Franken entstanden. In der Bilanz mussten dafür Rückstellungen gebildet werden, doch dafür reichte das Geld nicht. Zihlmann wäre zwar weiterhin in der Lage gewesen, die Löhne zu bezahlen, doch per Ende Jahr bestand eine Überschuldung von rund einer Million Franken.

Überschuldet, zahlungsfähig

Daniel Groth, Mitinhaber der Firma, bestätigt den Sachverhalt. Er meint, natürlich habe die Branche grosse Probleme und der Umsatz sei auch bei Zihlmann rückläufig gewesen. Doch mit der eingeleiteten Redimensionierung des Geschäfts wäre eine Zukunft möglich gewesen – hätten sich nicht die Bilanzprobleme gestellt.

Er räumt ein, dass bei einer Liquidationsbilanz, in der alle Verbindlichkeiten sofort fällig werden, eine Überschuldung vorliege. Doch der Aufwand, der sich aus den Serviceverträgen ergibt, falle über Jahre verteilt an und die Verträge generierten zudem einen Zusatzertrag.

Groth sagt: Müsse etwa ein Gerät gratis ausgetauscht werden, könne in vielen Fällen ein Aufpreis oder die Montage in Rechnung gestellt werden. Denn wer etwa seinen Fernseher in einem Fachgeschäft kaufe, der lasse dieses auch gerne nach Hause bringen, sodass der Monteur auch gleich die Sender einstellt. Serviceverträge produzieren jedoch nicht nur einen Zusatzertrag, in vielen Fällen werden die Leistungen gar nie abgerufen. Solange sie jedoch rechtlich gültig sind, können sie buchhalterisch nicht ausgebucht werden und stehen als Fremdkapital in der Bilanz.

Die Zihlmann-Inhaber verhandelten mit ihrer langjährigen Revisionsgesellschaft über eine Darstellung der Bilanz in der Jahresrechnung 2017, die eine Weiterführung des Geschäfts möglich gemacht hätte. Doch statt der Einigung kam es zum Streit. Wie aus den Akten des Handelsregisters hervorgeht, wählte der Zihlmann-Verwaltungsrat die alten Revisoren im Dezember noch ab und bestellte eine neue Treuhandfirma.

Diese Kündigung wiederum veranlasste die alte Firma beim Konkursamt Basel-Stadt, eine entsprechende Meldung zu machen. Damit räumten sie vorsorglich den möglichen Vorwurf aus, von einer Konkursverschleppung gewusst zu haben, sollte Zihlmann einige Monate später die Bücher deponieren. Am 12. Februar verhängte das Zivilgericht nach Prüfung der eingereichten Bilanz den Konkurs über Zihlmann Electronics sowie über die Schwesterfirma Zihlmann Records, die ihren Plattenverkauf schon vor Monaten eingestellt hat.

Aufwendige Liquidation

Matthias Häuptli, Leiter des Basler Konkursamtes, rechnet mit einem aufwendigen Liquidationsverfahren, da die 10 000 Zihlmann-Kunden, die einen Servicevertrag abgeschlossen haben, nun zu den Gläubigern zählen. Immerhin stünden genügend Mittel zur Verfügung, um das Verfahren durchzuführen. Um die Konkursmasse zu sichern, haben sich Häuptli und sein Stellvertreter Gerhard Kuhn als neue Verwaltungsräte einer Tochterfirma eingesetzt. Dieser gehören Immobilien, die zur Begleichung der Ausstände verwertet werden können.

Zihlmann-Kunden werden bis zum Abschluss des mehrjährigen Prozesses wohl nichts von ihrem Servicevertrag haben. Steigt ihr alter Fernseher aus, gucken sie sprichwörtlich in die Röhre.