Den Basler Museen droht bereits das nächste Finanzloch. Gemäss mehreren Quellen soll die bisher geheime Betriebsanalyse aufzeigen, dass das Historische Museum Basel (HMB) einen ähnlich grossen Finanzfehlbetrag aufweise wie das Kunstmuseum, dessen Budget vergangenes Jahr um weitere zwei Millionen Franken pro Jahr aufgestockt werden musste.

Kritiker argwöhnen, dass mindestens bis zum 19. Mai niemand etwas davon erfahren soll. Denn dann wird der Basler Souverän über den 225-Millionen-Neubau von Naturhistorischem Museum und Staatsarchiv abstimmen. Und das zuständige Präsidialdepartement wolle eine schlechte Stimmung gegen das Projekt verhindern.

Davon aber will Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann nichts wissen. Sie sieht ihr Departement auf gutem Weg. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Frau Ackermann, wie steht es um die Basler Museen?

Elisabeth Ackermann: Wenn ich an die laufenden Ausstellungen – zum Beispiel diejenige im Kunstmuseum zum Kubismus – denke, bin ich begeistert. Das wird auch von aussen so wahrgenommen; die «Süddeutsche Zeitung» hat kürzlich empfohlen, nach Basel zu gehen, um die Anfänge der Moderne in der Kunst zu bewundern.

Bei den Gebäuden gibt es Sanierungsbedarf – der Neubau im St. Johann ist ein wichtiger Schritt zur Lösung. Mit den laufenden Betriebsanalysen klären wir für jedes Museum, ob Leistungsauftrag und Finanzierung übereinstimmen und die Organisation optimal aufgestellt ist.

Nach dem Kunstmuseum zeichnet sich nun auch beim Historischen Museum ein Defizit ab. Das spricht nicht dafür, dass die Lage im Griff ist.

Die Analyse soll ja genau ermöglichen, die Lage zu beurteilen. Das Kunstmuseum ist ein ganz anderer Fall als das Historische Museum. Beim Kunstmuseum wurde die Gesamtsituation nach dem Neubau eindeutig falsch eingeschätzt. Die Betriebsanalyse hat bei diesem Haus aber auch deutlich aufgezeigt, dass man nicht einfach mehr Finanzen in das Museum pumpen, sondern auch organisatorische, personelle und prozessuale Fragen klären und anpassen muss

. Bei einer Betriebsanalyse geht es im Kern immer um die Frage: Wie lautet der Leistungsauftrag und stimmt er mit der Finanzierung überein? In der Konsequenz fliesst nicht einfach Geld, so wie Sie das nun vom Historischen Museum zu wissen behaupten, sondern es ist durchaus auch möglich, dass sich der Leistungsauftrag verändert und die Mittel gleich bleiben. Hier soll die Betriebsanalyse Transparenz schaffen.

Quellen der bz besagen, dass der Finanzfehlbetrag im Historischen Museum ähnlich gross ist wie im Kunstmuseum. Können Sie garantieren, dass es nicht so ist?

Bevor die Resultate der Betriebsanalyse zum HMB vorliegen, wäre es absolut unseriös, mich zu einem «finanziellen Fehlbetrag» zu äussern, von dem wir nicht wissen, ob er tatsächlich existiert. Schon heute ist aber klar, dass das Historische Museum strukturell und inhaltlich ganz anders aufgestellt ist als das Kunstmuseum. Es hat eine ganz andere Grösse, es verfügt nicht über einen Neubau, aber seine Depotsituation ist bekanntlich kritisch.

Dass der Kanton hier in der Pflicht ist, das wertvolle Sammlungsgut zu schützen, steht ausser Frage. Welchen Einfluss das, auf den Betrieb und dessen strategische Ziele, haben wird, kann ich Ihnen aber heute noch nicht sagen.

Sie wollen keinen Zusammenhang sehen zwischen dem geplanten Neubau und der Finanzlage der Basler Museen. Dabei scheint dieser offensichtlich zu sein: Es geht um immer mehr Steuergelder, die nach und nach in den Kulturbereich gesteckt werden. Zudem müssten die höheren Betriebskosten im Neubau von den anderen Museen kompensiert werden.

Der Anteil der Kulturausgaben an den gesamten Staatsausgaben steigt nicht, er liegt seit Jahren unter fünf Prozent und hat sogar eine leicht sinkende Tendenz. Tatsache ist, dass die Gebäude saniert werden müssen, das ist nicht einfach nice to have, sondern dringend nötig. Die heutige Infrastruktur reicht schlicht nicht mehr aus, um das Archivgut und die wertvolle Sammlung des Naturhistorischen Museums zu schützen. Der geplante Neubau ist deshalb eine infrastrukturelle Notwendigkeit. Was wäre denn eine günstigere Alternative? Es gibt keine!

Sollte dies nicht das Stimmvolk entscheiden?

Auch in einem sanierten Berri-Bau bräuchte das Naturhistorische Museum zusätzliche neue Infrastruktur und Depots, was eben gerade nicht günstiger käme. Dasselbe gilt für das Staatsarchiv. Ausserdem bräuchte es ein oder gar zwei neue Projekte, und bis dahin wären teure, kurzfristige Notmassnahmen nötig. Ich, die Direktoren des Naturhistorischen Museums und die Staatsarchivarin würden uns doch nicht so für diesen Neubau im St. Johann einsetzen, wenn das nicht die beste Lösung wäre.

Aber eben, wäre es nicht am Stimmvolk, für sich zu entscheiden, ob es einen Zusammenhang sieht zwischen dem Neubau und der Gesamtsituation der Basler Museen? Dafür müsste es diese Gesamtsituation um die Finanzlage der Museen aber kennen.

Wenn immer alle in den nächsten Jahren anstehenden Projekte im Detail geplant sein müssten, bis man etwas entscheiden kann, könnte man nie etwas entscheiden. Denn nochmals: Wir müssen jetzt dringend die akuten infrastrukturellen Probleme des Staatsarchivs und des Naturhistorischen Museums lösen.

Heisst das nicht im Grunde: Derzeit ist unklar, wie es um die Basler Museen steht?

Nein. Beim Kunstmuseum haben wir inzwischen Klarheit. Mit dem Neubau Staatsarchiv und Naturhistorisches Museum werden wir diese beiden Institutionen ebenfalls in eine klare und gesicherte Zukunft führen können. Das Museum der Kulturen wurde vor kurzem mit dem Ausbau von Herzog & de Meuron saniert. Das Antikenmuseum wird mit dem sanierten Berri Bau ein wunderbares und von seinem neoklassizistischen Stil her perfekt passendes neues Domizil erhalten.

Und beim Historischen Museum ist eine Lösung der Depotsituation in Arbeit, die Sanierung der Barfüsserkirche und des Hauses zum Kirschgarten sind in Planung. Die verbleibenden Betriebsanalysen werden zudem Klarheit über betriebliche Fragen bringen und uns ermöglichen, adäquate Leistungsaufträge für die Häuser zu definieren. Dies ist die klare Strategie der Regierung, die wir Ende 2017 so festgelegt haben.

Dennoch entsteht der Eindruck, dass die Kulturabteilung in den vergangenen Monaten eine permanente Verteidigungshaltung eingenommen hat und damit für die Ankündigungspolitik ihrer Vorgänger büsst.

Ja, das kann ich ein Stück weit schon nachvollziehen. Wir arbeiten hier im Departement mit Volldampf und sind gleichzeitig sehr exponiert. Wir arbeiten daran, die Museen und die Kultur in Basel für die Zukunft fit zu machen. Daneben – nicht zu vergessen – fand in den vergangenen Monaten auch die Neuaushandlung des Kulturvertrags mit dem Kanton Baselland statt. Ein äusserst komplexes und umfangreiches Geschäft, das so seitens des Kantons Basel-Stadt ja nicht geplant war. Der erfolgreiche Abschluss dieser Verhandlungen entlastet übrigens das Kulturbudget.