Frau Ackermann, wenn man Ihre Stellungnahme zur Kulturpolitik liest, bekommt man den Eindruck: Sie wollen nichts verändern.

Elisabeth Ackermann: Basel steht sehr gut da im Kulturbereich. Im Vergleich zur Grösse der Stadt haben wir ein extrem reichhaltiges Kulturangebot. Ich bin der Meinung, dass man dazu Sorge tragen muss. Es ist schneller etwas zerstört als wieder aufgebaut.

Was halten Sie von Baschi Dürrs Vorschlag, die Museen analog dem Theater zu reorganisieren?

Das Theater kann man nicht mit den Museen vergleichen. Die Institutionen sind ganz unterschiedlich entstanden. Ausserdem bergen die Basler Museen riesige Schätze, etwa den Münsterschatz oder die Öffentliche Kunstsammlung, deren Ursprung bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Ich bin der Meinung, man kann die Museen schon deshalb nicht auslagern. Sie gehören der Öffentlichkeit und müssen deshalb beim Kanton bleiben.

Welches Verbesserungspotenzial sehen Sie im Bereich der Basler Kultur?

Die Kulturangebote könnten noch mehr Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden. Man sollte die Kulturregion Basel grösser denken, über die Landesgrenzen hinweg. Wie beim Museumspass. Und auch die Alternativkultur darf nicht vergessen gehen.

Sie setzen sich auch für den Umbau der Kaserne ein.

Richtig, das Kasernenprojekt soll zum Fliegen kommen. Der Hauptbau muss unbedingt renoviert werden. Die aktuelle Lösung ist vielleicht nicht die ideale für alle, aber ein tragfähiger Kompromiss. Die Kaserne ist besonders für Kleinbasel ganz wichtig. Und sie ist mein Herzensprojekt. Es darf nicht sein, dass das Projekt durch ein bürgerliches Wahlkampfreferendum zu Fall gebracht wird.

Sind die Museen fit für die Zukunft?

Sie sind sehr gut aufgestellt. Es gibt aber zwei Veränderungen, die ich mir vorstellen könnte. Zum einen wäre es wünschenswert, wenn die Museen alle Bevölkerungsschichten ansprechen würden. Migranten gehen zum Beispiel nicht sehr oft ins Museum. Das kann man aber nicht von oben befehlen. Aber die Museen sollten hier Anstrengungen unternehmen.

Und die zweite Idee?

Ich könnte mir vorstellen, die Dauerausstellungen in den staatlichen Museen gratis zugänglich zu machen. In England läuft das auch so. Aber klar, das müsste man mit den Museen zusammen anschauen.

Wie stark soll der Staat Einfluss nehmen auf die Programmgestaltung der Museen?

Die Programmgestaltung ist überhaupt nicht Aufgabe des Staates. Sonst haben wir irgendwann eine Staatskultur à la DDR. Der Staat muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit Kunst und Kultur entstehen können. Damit weiterhin erstklassige Ausstellungen entstehen, müssen die Museen gewisse Freiheiten haben. Wenn der Staat eingreifen würde, ginge diese Dynamik verloren.

Dann halten Sie auch nichts von Dürrs Vorschlag, einzelne Ausstellungen zu unterstützen, anstelle die Betriebe direkt zu subventionieren?

Genau. Die Finanzierung der Spezialausstellungen ist nicht das Problem, dafür finden die Museen private Sponsoren. Das Geld des Staates muss für den täglichen Betrieb verwendet werden. An dieser Art der Finanzierung ist ein privater Sponsor nicht interessiert.

Sollen die Museen vermehrt nach dem öffentlichen Interesse ausstellen?

Wenn sie sich nach dem allgemeinen Geschmack richten müssten, wäre das eine riesige Einschränkung. Ich finde, dass gerade die staatlich geförderten Institute auch sperrige und unbequeme Kunst fördern sollen. Sie sollen neue Ideen lancieren und Diskussionen auslösen, welche letztlich die Gesellschaft weiterbringen. Das ist sehr wichtig.

Müssen die Steuergelder, die für die Kultur verwendet werden, besser legitimiert werden als heute?

Es braucht nicht mehr Rechtfertigung. In der Verfassung steht, der Staat müsse die Kulturgüter erhalten, das kulturelle Schaffen und den kulturellen Austausch fördern. Somit ist die Investition der Steuergelder im Kultursektor legitimiert. Ausserdem rechtfertigt sie sich durch den Nutzen für die Bevölkerung und für den Wirtschaftsstandort.