Frau Schneider, worüber unterhalten wir uns?

Ich habe den Zettel mit «Eitelkeit» gezogen.

Begeistert scheinen Sie nicht zu sein.

Es geht so. Der Begriff ist negativ besetzt.

Nicht unbedingt. Es kommt doch auf das Mass an. Und als Politiker muss man ein bisschen eitel sein.

Sicher. Ist ein Mensch mit seinem Erscheinungsbild zufrieden, hat er ein positives, überzeugendes Auftreten. Ein wichtiges Asset für Politiker. Habe ich etwa einen bad hair day, fühle ich mich unwohl, dann komme ich nicht so überzeugend rüber. Es ist wichtig, mit sich selbst im Einklang zu sein.

Sind Sie eitel?

Um stundenlang vor dem Spiegel zu stehen, habe ich gar keine Zeit. Ich gehe nur viermal im Jahr zum Coiffeur, auch wenn ich mir das gerne öfter gönnen würde. Meine Hände sind auch nie hübsch maniküriert. Das lohnt sich nicht, da ich in der Freizeit viel im Garten arbeite. Ich würde mich als selbstbewusst bezeichnen. Das muss man als Bundesparlamentarierin unbedingt sein.

Wie meinen Sie das?

Es ist leider immer noch so, dass Politikerinnen oftmals auf ihr Äusseres reduziert werden. Dass also nicht über Inhalte, sondern über den Kleidungsstil geredet oder gar gelästert wird. Dabei könnte man sich viel mehr über den Stil der Männer das Maul zerreissen.

Ach ja? Was sind die grössten männlichen Fashion-Fauxpas in Bern?

Das reicht von ausgebeulten Anzügen aus dem Bestellkatalog über zu breite Schulterpolster bis hin zu Kurzarmhemden. Letztere sind ein absolutes No-Go! Hemden müssen langärmlig sein, und wenn es draussen warm ist, krempelt man die Ärmel hoch. So. Das musste mal gesagt werden!

Sie scheinen einen Sinn für Mode zu haben. Wie viel Wert legen Sie auf Ihr eigenes Äusseres?

Im Prinzip ist es für die Ausübung meiner politischen Arbeit nicht relevant. Meine Dossiers stehen im Zentrum. Jedoch ist eine gepflegte, elegante und gewinnende Erscheinung wichtig, um einen gewissen Respekt zu erhalten. Einen Tipp, den ich in diesem Zusammenhang allen Frauen gebe: Tragen Sie unbedingt Schuhe mit hohem Absatz. Ich bin ein eher kleiner Mensch; wenn ich politisch aktiv bin, trage ich deshalb immer hohe Schuhe, um den Männern auf Augenhöhe zu begegnen und respektiert zu werden. Dadurch fühle ich mich selbstbewusster.

Und welche Schuhe tragen Sie privat?

Am liebsten gar keine. Ich liebe es, barfuss zu gehen, pflege einen ganz entspannten Stil. Zu Hause trage ich am liebsten Jeans und T-Shirt, bin ungeschminkt. Das bin ich, da fühle ich mich wohl.

Das steht im krassen Gegensatz zu Ihrer Kleiderwahl als Politikerin. Da tragen Sie meist klassische Hosenanzüge. Das sind also gar nicht Sie?

Das ist ein Teil von mir. Eine Rolle, die ich spiele. Früher trug ich nie Hosenanzüge, aber mittlerweile fühle ich mich wohl darin, ich bin sozusagen hineingewachsen. Die Rolle als Politikerin erfordert nun mal Anzüge und hohe Schuhe. Barfuss oder in Turnschuhen würde ich nicht respektiert werden (lacht).

Wo kaufen Sie am liebsten ein?

Mehrheitlich in der Region, gerne in Boutiquen. Wenn ich wegen des Europarats in Strassburg weile, gehe ich aber auch dort shoppen. Markenfixiert bin ich nicht, achte jedoch auf gute Qualität und bin bereit, dafür ein bisschen mehr Geld auszugeben.