Elsässerstrasse

«Elsi» ist wieder da! – Hier wurden zum dritten Mal die gleichen Häuser besetzt

Seit vergangenem Samstag ist die Häuserzeile der Elsässerstrasse 128 - 132 erneut besetzt: Es ist bereits das dritte Mal seit Juni.

In der Mitte des Innenhofs knistert ein Feuer, die Häuser sind mit Transparenten dekoriert, die Wände farbig angemalt und mit Spiegeln verziert. Es ist kurz vor Mittag, reges Treiben herrscht. Später soll es ein gemeinsames Essen geben.

Eigentlich sollten diese Häuser an der Elsässerstrasse 128 bis 132 leer stehen. Ende Mai dieses Jahres erreichte die Mieter die Massenkündigung durch die Eigentümerin Areion Management AG. Die teilweise immer noch zugemauerten Eingänge bekräftigen das.

Doch seit vergangenen Samstag ist die Häuserzeile besetzt, schon wieder: Es ist bereits das dritte Mal seit Juni. Diese dritte Besetzung soll unterstreichen, wie ernst den Aktivistinnen und Aktivisten ihr Anliegen ist. Nach der zweiten Besetzung wurden die Zugänge zu den Häusern zugemauert. Sie liessen sich nicht davon abbringen, diese einzureissen.

Eigentümer sind nicht erreichbar

Bislang haben die Eigentümer nicht auf das neuerliche Eindringen reagiert, auch eine Anfrage der bz blieb unbeantwortet. Auskunft geben wollten dafür die Menschen, welche die Häuser besetzt haben, wenn auch nur anonymisiert: «Es wird versucht, mit verschiedenen Strategien den Abriss der Liegenschaften zu verhindern. Unsere ist es, sie zu besetzen», erklärt Delia*, eine Aktivistin, die vor Ort ist. Zurzeit werden nur wenige Räume der «Elsi» von den Aktivisten genutzt.

Zeitgleich mit der Besetzung tauchten in der Stadt Puppen auf, die mit Schildern auf die Besetzung hinwiesen. «Jetzt Atelier frei, auf zur Elsässerstrasse 128-132» war beispielsweise zu lesen. Sind die Häuser zu gross, um sie vollständig zu nutzen, oder warum diese offensive Werbung? Die Antwort auf diese Frage ist kollektives Gelächter. «Wir machen uns keine Sorgen, dass wir zu viel Platz haben. Es geht darum, dass alle willkommen sind und diesen Gedanken auch auf eine möglichst kreative Art in die ganze Stadt zu tragen», legt Yasmin*, die zu den Besetzern gehört, dar.

Ausserdem sei es schwierig, überhaupt etwas zu planen. Eine Räumung der Liegenschaft durch die Polizei sei jederzeit möglich. Zwar versuche man, mit der Eigentümerschaft der Häuser in Kontakt zu treten, bisher vergebens. Dadurch entstehe eine grosse Planungsunsicherheit. Eine Auswirkung davon sei eben, dass die Räume erst teilweise genutzt würden.

Man möchte Gesprächsbereitschaft signalisieren

Ein Mann im Anzug betritt den Hinterhof, neben ihm einer der Besetzer. Interessiert lässt er sich mehr zum Projekt erzählen. «Das passiert öfters», erzählt Sara*, die am Feuer im Innenhof sitzt. «Verschiedenste Leute kommen vorbei und schauen sich die Besetzung an. Ich bin überrascht, wie positiv die Nachbarschaft auf uns reagiert».

Natürlich gäbe es auch negative Reaktionen, aber: Viele würden hinter dem Vorhaben stehen. Die Besetzung werde vor allem von jungen Menschen getragen, erklärt Delia*. Menschen, die sich Zeit für ein solches Projekt nähmen, erklärt sie auf die Frage, wer denn unter der Woche Zeit habe, bei einer Besetzung zu sein. Man versuche, mit allen möglichen Alters- und Gesellschaftsschichten in Kontakt zu kommen.

Vor der Besetzung steht ein Tisch mit Ansprechpersonen, die für Informationen und Gespräche zur Verfügung stehen. Man möchte Gesprächsbereitschaft signalisieren, vielleicht auch das Bild der vermummten Linksautonomen bei Hausbesetzungen, das bei vielen in den Köpfen verankert sein dürfte, zu korrigieren.

Teil von «Stadt selber machen»

Das zahle sich aus: Man käme mit der Nachbarschaft in Kontakt. Es gäbe aber auch ganz praktische Unterstützung aus dem Quartier, erzählen die Besetzer weiter. Jemand unterstütze die Gruppe bei der Infrastruktur und auch Angebote zur Essensversorgung habe es schon einige gegeben. «Es ist schön, diese Unterstützung aus dem Quartier zu spüren», sagt sie.

Die Besetzerinnen und Besetzer selbst verstehen sich als Plattform. Einerseits, um auf den drohenden Abriss der Häuserzeile aufmerksam zu machen, andererseits, um das Thema Stadtentwicklung zu thematisieren. «Quartier selber machen» lautet einer der Slogans, der auf einem grossen Transparent am Haus zu lesen ist.

Die Besetzer bezeichnen sich als Teil des offenen Projekts «Stadt selber machen». Dieses wurde am Donnerstag durch verschiedene Gruppierungen aus dem linken Spektrum angekündigt. Ziel sei es, die aktuelle Stadtentwicklung zu hinterfragen und eine «Stadtentwicklung von unten» zu betreiben. Eine «Selbstverwaltung von unten» wäre auch der Traum der Besetzerinnen an der Elsässerstrasse. «Der grösste Wunsch ist es, die Liegenschaften selbst verwalten zu können.»

Wie die Besetzung geduldet wird, ist unklar. Die Polizei wird die Liegenschaft räumen, wenn ein entsprechender Strafantrag der Eigentümer eingeht. Bei den bisherigen Besetzungen liess dieser jeweils nicht lange auf sich warten. Am Montag ging bei der Polizei jedoch noch keine Anzeige ein, teilte sie auf Nachfrage der Medien mit.

*Namen geändert

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