Geburtskliniken

Eltern sind geborene Diebe: Basler Langfinger klauen Babykleidchen und Nuggis

Bodys und andere Kleidungsstücke sind besonders beliebt. Doch auch Hygiene-Artikel verschwinden regelmässig. (Symbolbild)

Bodys und andere Kleidungsstücke sind besonders beliebt. Doch auch Hygiene-Artikel verschwinden regelmässig. (Symbolbild)

Windeln, Bodys, Binden, Pyjamas und sogar Thermometer: Aus den Geburtskliniken der Region Basel lassen frischgebackene Eltern gerne mitgehen, was ihnen für die ersten Tage zur Verfügung steht. Den Spitälern sind oft die Hände gebunden.

Was ist der erste Besitz eines Menschen? Im Basler Unispital ist das: eine Nabelschnur-Schere, eine geringelte Mütze und Unterhosen. Für die Mutter gibt es dazu Binden und eine Zahnbürste. All dies ist Einwegmaterial und darf ohne schlechtes Gewissen nach Hause genommen werden. Manch anderes aber steht den Eltern nur während der Zeit im Spital zur Verfügung. Auch hier ist das Unispital grosszügig. Es gibt Frottee-Strampler, Nachthemden, Nuggis.

Doch gerade bei diesen Gegenständen werden frischgebackene Eltern schnell einmal zu Langfingern. Bei den Kleidungsstücken stehen zuweilen nicht mehr die beiden obligaten Farben rosarot und hellblau zur Verfügung. «Von den Stramplern kommen jede Woche einer oder zwei weg», sagt Unispital-Sprecher Martin Jordan. In einer Schublade liegen zudem auf der Mutter-Kind-Station Windeln und Feuchttücher bereit. Hier komme es hin und wieder vor, dass alles leergeräumt werde, «aber das ist für uns Verbrauchsmaterial».

Der finanzielle Schaden lässt sich dabei kaum beziffern, denn meist werden die vermissten Gegenständen gar nicht gemeldet, sagt Jordan. Selbst beim wohl teuersten Diebesgut, den Ohrfieberthermometern, ist die Deliktsumme klein. Zehn Stück verschwanden in den vergangenen beiden Jahren. Das macht 1700 Franken Schaden. Dem Ärgernis entgegenstellen können die Verantwortlichen ohnehin wenig. «Das Personal wird sensibilisiert», sagt Jordan. Inzwischen werden die Fiebermessgeräte an einem anderen Ort aufbewahrt.

Babykleider auf Ebay

Auch in Liestal ist das Problem bekannt. «Unsere Ganzkörperanzüge für Neugeborene werden immer wieder geklaut», sagt die Sprecherin des Kantonsspitals, Brigitte Emmenegger. «Als Gegenmassnahme bringen wir jetzt Schilder in fünf Sprachen an, die auf unser Eigentum hinweisen.» Zwar fänden auch Austrittgespräche statt, «doch in die Taschen schauen möchten wir nicht». Das Personal ärgere sich immer wieder über die dreisten Kleindelikte. Speziell ein Fall blieb in Erinnerung: «Wir stiessen im Internet auf eine Versteigerung: Jemand hatte einen Body mit dem Aufdruck des Kantonsspitals auf Ebay gestellt.» Manchmal komme es vor, dass Eltern auch zu Hause noch betreut würden. «Wenn wir dann dort unsere Kleider entdecken, sprechen wir die Betroffenen schon an», sagt Emmenegger.

Nur noch Einweg-Nuggis

Einen anderen Weg geht das Bethesda-Spital, die zweite grosse Geburtsklinik in Basel-Stadt. Kleidungsstücke müssen hier Eltern zu einem grossen Teil selber mitbringen. Es gibt auch nur noch Einweg-Nuggi, unter anderem deshalb, weil sie immer wieder mal eingepackt wurden. Die steril verpackten Lutscher sind günstiger in der Anschaffung.

Neben diesen stehen den Eltern Pampers, Babypflegeartikel und Feuchttücher zur Verfügung. «Diese Sachen werden nur in geringer Stückzahl aufgelegt. Es kommt immer wieder vor, dass dies auch mitgenommen wird», sagt Sprecherin Mirja Huber-Kopp. Die Summe sei aber klein. Kleider gibt es nur für den Spaziergang im Park. «Mehrheitlich werden die Babys aber im Bondingtuch in der Geburtsklinik getragen. Dieses erhalten die Eltern von uns bei ihrer Heimkehr.»

Feuerlöschschlauch gestohlen

Dass es in Spitälern immer wieder zu Diebstählen kommt, ist nicht neu. Allerdings sei Diebstahl auf den Stationen eher selten, sagt Jordan über das Basler Unispital.

In öffentlichen Bereichen komme es hingegen hin und wieder vor, dass Getränke- und Snackautomaten aufgebrochen werden. Zu den beliebten Objekten gehören auch Besteck, Dekorationsmaterial oder WC-Papier. Gar der Schlauch eines Feuerlöschpostens hatten Unbekannte schon einmal mitgehen lassen.

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