Er ist wieder da und - dies sei vorweggenommen - keinen Deut schlechter als damals, als er zum Inbegriff des Schweizer Humors wurde.
Ob als trotteliger Beamter oder mosernder Spiessbürger, Emil schaffte es immer, auch Mitgefühl mit diesen Figuren zu wecken, er stellte sie nie bloss.

Umso spannender war es zu sehen, inwiefern er selbst einer Blossstellung entgehen würde, wenn er nach so langer Zeit und im Alter von 82 Jahren noch ein Mal die Mützen und Brillen hervorholt.
Er entging der Falle typisch Emil mit reichlich Humor. Als erstes betrat nämlich der Garderobier die Bühne und verkündete, dass ein Mantel fehle, bzw. ein Haken frei geblieben sei, weshalb er sich für eine Neuordnung der Nummern entschieden habe. Was dann folgte war Emil in Höchstform, mit Spiellaune und Sprachverfremdung, exakt bis ins kleinste Detail.

Als Emil Steinberger entschuldigte er sich dann mit den treffenden Worten, er sei halt etwas alt (der Garderobier) und könne einfach nicht aufhören zu arbeiten. Und dann ging’s los: Wachtmeister Schnyder, der Parkierer, natürlich die Kirche von Wasen, eine Nummer folgte auf die nächste und alle kannten sie. Vor allem auch, weil man Emil das Alter überhaupt nicht anmerkte. Sein Gesicht, seine Mimik war genau so, wie wir sie von den Aufnahmen von früher kennen und zwar in jeder Sekunde. Dazwischen streute er Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben ein, immer im Bezug auf die nächste Nummer, leicht zu folgen und doch stellenweise etwas gar einfach gestrickt.

Das gleiche galt für die wenigen neuen Nummern, die er sich erarbeitet oder neu zusammengestellt hat. Der Briefmarkensammler ist zwar rührend, aber nicht scharf auf den Punkt. Auffällig ist die politische Note, die in diesen neuen Stücken aufscheint. Einmal kommt er mit seinem Sparschwein zur Bank und will Geld anlegen, entscheidet sich dann aber, Cremeschnitten zu kaufen, weil es sich für ihn ja gar nicht lohnt.

Das hat Potential und Emil hat immer betont, dass er lange an seinen Nummern feilt, bis sie wirklich perfekt sind. Er hat also noch Zeit. Weniger gelungen scheinen seine Ausflüge in die Gegenwart. Wenn er von App’s plaudert, um das Telegraphenamt einzuleiten ist das irgendwie schräg und wirkt bemüht.

Allgemein sind es eh nicht die Schlusspointen, die seinen Humor ausmachen, das unterscheidet ihn wesentlich von heutigen Comedians. Es sind die Figuren, die Eigenheiten und die Wandlungsfähigkeit dieses Emil, die begeistern. Die Nummer «Vereinsversammlung» gibt ihm da gleich vier verschiedene Charaktere an die Hand und wie er da hin und her springt ist schlicht phänomenal.

Ein anderes Mittel wählt er bei einer Stammtisch-Erzählung. Er steigt nicht direkt in die Figuren ein, sondern schiebt ein «und dann hat der andere gesagt», dazwischen. Dadurch schafft er eine Distanz zu den Redenden. Das ist nicht mehr Emil der Tölpel, das ist astreiner politischer Kommentar, die Geste ein Selbstschutz.

«Emil - No einisch» versucht mehr zu sein als eine brillante Revue vergangener Zeit, darunter hätte Steinberger es auch nicht gemacht. Gleichzeitig erzählen die alten Nummern so viel über eine Schweiz, die wir für passé halten, die aber noch immer da ist, dass es nicht viel braucht, um diesen Unterschied scharf zu kriegen. Dass dieses Programm keinesfalls in Stein gemeisselt ist, zeigt die Schlussrunde, als Emil gar nicht aufhören kann zu spielen und in immer neuen Verkleidungen auf die Bühne hüpft, den Applaus so abbricht und dann verschwindet. Nicht für immer. (cla)

Weitere Vorstellungen: Sämtliche Vorstellungen in diesem Jahr sind ausverkauft.

Zusatzvorstellungen vom 17. Mai bis 5. Juni 2016.

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