Musik

Emotionale Virtuosen mit «Live Hörensagen 2» in der Kaserne Basel

The Universe By Ear tauchen ein in die Gefilde der psychedelischen Rockmusik.

The Universe By Ear tauchen ein in die Gefilde der psychedelischen Rockmusik.

The Universe By Ear erweisen sich mit ihrem zweiten Album als erste Anwärter auf den Basler Psychedelik-Blues-Thron.

Dass er ein gewiefter Geschichtenerzähler ist, wissen Insider von Stefan Strittmatter. Allerdings bleibt das Medium Text, wo der Gitarrist von The Universe By Ear und Initiant von «Hörensagen» auch als Musikkritiker amtet, allzu atonal und abstrakt für den Gitarrenvirtuoso.

Zuhören ist also gefragt, mehr noch: Pflicht. So bei der vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufenen Konzertreihe «Hörensagen», eine Initiative, die hochklassige Rockbands abseits des Mainstreams zusammenbringt, um damit Konzertsäle zu füllen. Die erste Ausgabe sei noch ein allzu kostspieliger Versuchsballon gewesen, räumt Strittmatter ein.

Nun steht die zweite Ausgabe vor der Tür, in deren Rahmen The Universe by Ear ihr neues Album taufen werden. Das Credo für Hörensagen 2 lautet denn auch pragmatisch: Musik mit Anspruch, gemacht von Freaks, die für sich selber spielen und alleine vielleicht keine Kaserne füllen, zusammen aber garantiert von den Stühlen reissen.

Her mit den Gefühlen

Böse Zungen unterstellen den musikalischen Heimat-Genres Prog-Rock und Free Jazz gerne, dass sie zu verkopft seien, dass man zu viel wolle, zu wenig Gemüt zeige. Verkannte Genies also? Vielleicht ein wenig. Prog-Rock-Bands haftet oft der Nimbus des Gehobenen, des an Snobismus grenzenden Dandytums an.

Strittmatter formuliert es anders: Er kennt den Vorwurf des «Virtuosos». An der Gitarre, als Teil von Bands wie Fido Plays Zappa, Arf oder Yolk. An seiner Seite spielen die ebenso erfahrenen Beni Bürgin (Schlagzeug) und Pascal Grünenfelder (Bass). Als The Universe By Ear sind sie vor ein paar Jahren angetreten, das Gefühl in eine Szene, die Richtung Math-Rock abdriftete, zurückzubrettern. Zwar immer noch laut, aber auch erstaunlich emotional, eindringlich. Sogar, und das eine Seltenheit bei «Olympia-Bands» wie Dream Theater: in Kürze, konzis, mit Zwischentönen.

Da klingen beim selbstbetitelten Album, das zwei Jahre nach dem Debüt beim deutschen Label Sireena erscheint, schon die ganz grossen Vorbilder durch: The Beatles, Pink Floyd und King Crimson, aber auch neuere stilprägende Ensembles wie Tame Impala oder Motorpsycho.

Positiv weiterentwickelt

Wer mit solchen Grössen verglichen wird, fällt höchstens noch in Verdacht, eine Art grossartige Tributband zu sein – was Strittmatter mit der Coverband Fido Plays Zappa vorgemacht hat.
Hier muss man sagen: Wie The Universe by Ear sich im vierten Lebensjahrzehnt und in den zwei relativ kurzen Jahren stilistisch von den Vorbildern und dem «wolkigen Wohlklang» des noch ziemlich ausschweifenden Debüts gelöst haben, hat Vorbildcharakter.

«What the Fuzz?» möchte man angesichts des Zweitlings, einem Sammelsurium von Momentaufnahmen, rufen. Im Positiven: Es knarzt, es röhrt, es dreckelt, dass es – getreu dem Songtitel «Loudest Gorillas in the Cage» – eine Freude ist. Und dies gerade auf den Tracks «Fall», «Euphoria» oder «Dust» mit Ein- und Tiefgang.

Ganz neu erfunden wird die Klangwelt darin zwar nicht. Aber die Zusammenfassung von «Rocktimes» trifft zu: «Ein Energieschub nicht nur für die Gehörgänge des universellen Erforschers.» Er sehe sich gerne mit Heiligenschein, sagt Strittmatter: «Das ist eine inhärente Form von Grössenwahn.» Angesichts des Niveaus von The Universe By Ear: durchaus berechtigt.

   

Album The Universe By Ear, II, Sireena Records/Irascible.
Live Hörensagen 2: Duck Duck Grey Duck, The Universe By Ear, Yaya, Yonder Pond, 29. März, 20.30 Uhr, Kaserne Basel.

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