Die Liegenschaften am Basler Burgweg haben eine bewegte Geschichte. Schier ewig zog sich der Rechtsstreit zwischen Mietern und sanierungswilligen Liegenschaftsbesitzern hin. Von der Massenkündigung bis zum Auszug des letzten Mieters verstrichen satte sieben Jahre. Erst vor den Sommerferien räumte auch der letzte Bewohner der Liegenschaft sein Heim.

Wobei das nicht ganz stimmt. Denn während die Baselbieter Pensionskasse den Rechtsstreit gegen den Mieterverband gewann und die Kündigungen damit rechtens wurden, zogen neue Mieter ein.

«Regionaljournal» und «Tageswoche» berichteten vor einem Jahr, dass die Zwischennutzungs-Firma «Projekt Interim» die Vermietung der leeren Wohnungen von der Liegenschaftsverwaltung Adimmo übernommen habe. Im Auftrag der Baselbieter Pensionskasse und um teuren Leerstand zu verhindern. Die Empörung war gross: Auf der einen Seite müssen langjährige Mieter raus, während quasi durch die Hintertür Zwischennutzer einziehen.

Einst befristet auf Ende Januar

Ursprünglich geplant war dieses Projekt aber auf Ende Januar 2018 befristet, wie auch Georg Meier, Geschäftsleitungsmitglied von Adimmo, damals gegenüber den Medien erklärte. Doch Projekt Interim führte die Zwischennutzung im Auftrag der Eigentümerin weiter: Erst vor wenigen Tagen machte ein neuer Aufruf in sozialen Netzwerken die Runde. «Sommer mit Abkühlung pur – günstig Wohnen in der Nähe zum Rhein in Basel. Verfügbarkeit: ab 1. Juli 2018 bis 31. Oktober 2018.» Auch von Februar bis Juli seien die Wohnungen belegt gewesen, sagt Lukas Amacher vom Pojekt Interim auf Anfrage. Konkrete Zahlen zur Auslastung der insgesamt 69 Wohnungen will er nicht nennen. Aber: «Zweck unserer Zwischennutzungen ist es, ungenutzte Wohn- und Arbeitsräume günstig zugänglich zu machen. Entsprechend lassen wir keine Wohnungen leer stehen.» In der Regel seien alle Projekte «voll belegt».

Es ist das letzte Mal, dass die Zwischennutzung verlängert werde, versichert Roland Weiss von der Basellandschaftlichen Pensionskasse. «Die Sache ist gelaufen», sagt er gegenüber der bz. Kurz vor den Sommerferien sei die lang ersehnte Baubewilligung eingetroffen, «Baustart ist noch in diesem Jahr». Entgegen anderslautenden Berichten werde die Häuserzeile nicht abgerissen, sondern nur innerlich totalsaniert. Aktuell liefen die Ausschreibungen, im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen.

Visualisierungen der künftigen Wohnungen sind nicht öffentlich. Auch mit Informationen zum zukünftigen Bestand am Burgweg ist die Pensionskasse sparsam. Wie viele neue Wohnungen anstelle der heutigen 69 entstehen sollen, will Weiss etwa erst nach Abschluss der Umbauarbeiten preisgeben.

Spezielle Verträge

Das Vorgehen mit der Zwischennutzungsfirma verteidigt er, obwohl diese auch schon in der Kritik stand. Projekt Interim schliesst mit seinen Nutzern keine Mietverträge, sondern lediglich Gebrauchsleihverträge ab. Damit entfällt der Mieterschutz, was Mieterverbände kritisieren. Die Praxis fand ihre erste Anwendung in Zürich um einerseits Leerstand zu vermeiden, andererseits aber Besetzungen vorzubeugen, deren Räumung in Zürich kein einfaches Unterfangen ist. «Wir haben bewusst mit Projekt Interim zusammengearbeitet», erklärt denn auch Meier. Der Grund ist klar: um eine weitere Verzögerung durch Mietstreit zu vermeiden.