Abbau

Ende einer Ära: Die wohl bekanntesten Basler Telefonkabinen sind bald Geschichte

Bis Ende Mai 2019 baut die Swisscom sämtliche Publifone ab – doch ein anderer Anbieter steht schon bereit.

Plötzlich geht es schnell. Seit diesem Jahr gehören die Publifone der Swisscom nicht mehr zur Grundversorgung. Das Unternehmen muss also keine öffentlichen Telefonkabinen mehr betreiben. Der Konzern baut nun nach und nach seine Anschlüsse ab. Jetzt sind die beiden Basel dran: Bis Mai 2019 stellt die Swisscom den Betrieb all ihrer öffentlichen Telefonapparate in Baselland und Basel-Stadt ein – sogar bei solchen an stark frequentierten Orten. Somit sind etwa auch die Tage der ikonischen Viertelkabine am Barfüsserplatz gezählt.

Konkret verschwinden in den beiden Kantonen 202 Publifone; 136 in Basel, 66 in Baselland. Anfang 2012 war die Zahl der Publifone noch mehr als doppelt so hoch: 263 standen im Stadtkanton und 150 im Baselbiet. Swisscom-Sprecherin Esther Hüsler begründet die Abbaumassnahme mit der schwindenden Nachfrage: «Publifone werden heute kaum mehr genutzt, da fast alle ein Handy besitzen. Von 2004 bis 2016 ist die Anzahl Gespräche um 95 Prozent zurückgegangen.» Nennenswerten Umsatz erzielt die Swisscom mit den Publifonen offensichtlich kaum mehr, im Gegenteil: Bei der Mehrzahl der Geräte können laut Hüsler die Einnahmen mittlerweile nicht einmal mehr die Kosten decken. Hinzu komme: Ersatzteile seien rar, der Unterhalt werde immer teurer.

Gratisanrufe aus Design-Kabine

Komplett verschwinden die stationären Telefonapparate aber nicht aus dem öffentlichen Raum. Eine andere Firma springt in die Bresche: die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG/SGA). Sie wird einige der auffälligen Rundkabinen aus Glas weiterbetreiben – und die Passanten mit Gratisdienstleistungen anlocken: Von den Glaskabinen wird es möglich sein, kostenlos ins Schweizer Mobilfunk- und Festnetz anzurufen. Die APG/SGA begeht diesen Schritt hin zum Telekomanbieter aus nicht ganz uneigennützigen Gründen: Ihr gehören die Rundkabinen sei je her, sie nutzt sie als Litfasssäulen. Die Swisscom stellte lediglich die technische Infrastruktur. Bleiben die Kabinen in Betrieb, müssen sie nicht abgebaut werden. So kann die APG die Reklameflächen weiterhin vermieten.

Die APG/SGA schreibt der bz, in den beiden Basel stünden noch rund 30 Rundkabinen, die nun schrittweise fürs Gratistelefonieren umgebaut würden. Die Digitalisierung der Glassäulen in der Netzregion 061 beginne in diesen Tagen. Wann genau welcher Telefonapparat umgerüstet werde, könne man nicht sagen: «Die Bevölkerung wird direkt mit Hinweisen in den Kabinen über die Umstellung informiert.» Bei einem Augenschein waren zumindest die Exemplare in Basel im de-Wette-Park, beim Theater und beim Erasmusplatz noch nicht umgestellt. Weiterhin wäre für den Aufbau einer Verbindung der Mindestbetrag von 60 Rappen notwendig gewesen.

Nutzung als Paket-Abholstelle?

Die Kabinen am Barfüsserplatz wurden 1979 erstellt. Ihr Abbruch ist gemäss Swisscom für das zweite Quartal 2019 geplant. Die Kabinen, die im Volksmund auch Telefontempel oder blaue Pyramiden genannt werden, dienten vier Jahrzehnte lang als der Treffpunkt am Barfüsserplatz. Seinen 40. Geburtstag wird das Häuschen aber nicht mehr erleben.

Was geschieht mit der Fläche? Beim Kanton Basel-Stadt heisst es, man begrüsse es grundsätzlich, wenn der öffentliche Raum von nicht mehr benötigtem Mobiliar entlastet werde. Olivier Wyss, Leiter Anlaufstelle Zwischennutzung beim Präsidialdepartement, schreibt: «Vereinzelt werden Ideen für temporäre Nutzungen, wie zum Beispiel öffentliche Bücherschränke oder Paketstationen, zurzeit geprüft». Spruchreif sei noch nichts.

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