Ausstellung
Ending with Glass: Die Künstlerin Yael Davids in der Kunsthalle

Die Kunsthalle zeigt einen Mix aus Ausstellung und Performance der israelischen Künstlerin Yael Davids. Der Tod, persönliche Anekdoten und politische Entwicklungen aus ihrem Heimatland sind das Thema.

Antje Hentschel
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Yael Davids bei ihrer Performance in Vortragsform

Yael Davids bei ihrer Performance in Vortragsform

Zur Verfügung gestellt

Zu diesen Themen hat Yael Davids, geboren 1963 in Jerusalem, eine ungefähr vierzigminütige Performance in Vortragsform konzipiert. Die Künstlerin bewegt sich durch den Raum, gleichzeitig spricht sie ihren Text. Verschiedene Objekte benutzt sie, um das Gesprochene auch visuell zu vermitteln. Ein von der Decke herabhängendes Seil. Eine einfach gezimmerte Treppe. Akustische Platten. Für Ihre Darbietung steht ihr ein Raum zur Verfügung, während die anderen vier den Ausstellungsobjekten vorbehalten sind.

Aus einer ehemaligen Performance werden grosse Holzboxen gezeigt. In diesen wurden die damals eingesetzten Musiker und Sänger «versteckt», was ein genaues lokalisieren der Stimmen bewusst verunmöglichte. Über zwanzig Helfer waren nötig, um die Kisten durch den Raum zu bewegen. An den Wänden hängt die verwendete Partitur, wobei neben den Noten jeweils die genaue Position der Boxen eingezeichnet ist. Weiter wurde ein geschriebener Text von Davids Wort für Wort ausgeschnitten und wieder aufgeklebt. Ausgestellt ist der rekonstruierte Text, sowie das nunmehr vermeintlich leere Blatt, das jedoch noch immer die Konturen der Buchstaben enthält und somit die Worte erahnen lässt.

Fokus auf Nichtvorhandensein

Eher unüblich für Künstlerinnen und Künstler, liegt ein Schwerpunkt bei Yael Davids Arbeiten gerade im Nichtvorhandensein. In der Abwesenheit. Die Stille nach einer Performance ist für sie nicht das Ende, sondern fester Bestandteil des gesamten Werkes. Objekte und Dokumente früherer Performances sind für die Künstlerin so etwas wie eine lebendige Vergangenheit; sie recycelt sie. Bereits stattgefundene Aufführungen werden reflektiert oder weitergeführt. So kann die Arbeit von Yael Davids als fortlaufend, sich ständig entwickelnd oder auch verändernd betrachtet werden.

In der Nähe einer Glasfabrik aufgewachsen, spielt auch dieses Material für Yael Davids Kunst eine zentrale Rolle. Die unterschiedlichen Glasstücke, die sie dabei verwendet, spiegeln die fragile Grenze zwischen Leben und Tod wider. Durch die Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Trauer verarbeitet die Künstlerin zudem den kürzlich erlittenen Verlust ihrer Mutter.

Wenn Inhaftierte zaubern

Mit Insassen eines belgischen Gefängnisses hat Yael Davids die Videoperformance «The Hand is quicker than the Eye» erarbeitet. Da die Gesichter der Inhaftierten nicht gezeigt werden können, beschränkt sich Davids auf die Filmaufnahmen ihrer Hände. Zu sehen sind Zaubertricks, die Davids ihnen beigebracht hat, oder auch einfache Gesten, die an die Stelle des sprachlich vermittelten Inhalts treten.

Schliesslich widmet sie sich in einem Raum, in dem das Bild «Der Thunersee» von Ferdinand Hodler den praktisch einzigen farbigen Akzent der Ausstellung setzt, asiatischen Keramiken. Zerstörte Gefässe wurden restauriert und stehen für das Sichtbarmachen der Verletzungen aber auch für deren Integration und die Möglichkeit des Fortbestehens.