Von aussen gibt es sich bewusst zurückhaltend und ähnelt einer Lagerhalle, ja einem Zweckgebäude. Das soll das Schaudepot letztlich auch sein. «Jedes Fenster wäre eines zu viel», erklärt Mateo Kries, Direktor des Vitra Design Museums, und verweist damit auf die klimatischen Herausforderungen für die Konservierung der ausserordentlichen Sammlung des Designmöbelherstellers.

Das neue Schaudepot auf dem Vitra Campus im deutschen Weil am Rhein wurde gestern auf einer ausserordentlich gut und international besuchten Pressekonferenz den Medien vorgestellt. Sie lief folgerichtig auf Englisch. Nach der Einweihung am Freitag ist das Schaudepot ab Samstag, den 4. Juni, für das normale Publikum geöffnet.

Neugierde statt Transparenz

Das Gebäude stammt vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron. «Wir wollten keine Transparenz, sondern mit der Tür Neugierde schaffen», betont Jacques Herzog, dem daran lag, mit dem Schaudepot nicht in Konkurrenz zu anderen Gebäuden berühmter Architekten zu treten, auf denen es auf dem Campus ja nur so wimmelt.

«Es ist mehr ein Produktionsort als ein musealer», sagt Rolf Fehlbaum. Gründer und weiter aktiver Verwaltungsrat des Familienunternehmens. Tatsächlich ist das Gebäude in einem dritten Bereich mit Museumsbüros, Bibliothek und Restaurationswerkstatt verbunden. Im Erdgeschoss sind in einer Dauerausstellung 400 Schlüsselstücke des Möbeldesigns chronologisch von 1800 bis heute zu sehen.

«Unter den gezeigten Objekten sind frühe Bugholzmöbel, Ikonen der klassischen Moderne von Le Corbusier, Alvar Aalto oder Gerrit Rietveld, aber auch bunte Kunststoffobjekte der Pop-Ära oder jüngste Entwürfe aus dem 3D-Drucker», heisst es im Mediendossier.

7000 Möbel, über 1000 Leuchten, zahlreiche Archive sowie Nachlässe von Designern hat Vitra gesammelt. «Die Besucher haben uns oft gefragt, wo unsere Möbel-Sammlung ist», sagt Direktor Kries. Dieses Problem ist jetzt behoben. In der Mitte des mit streng gerasterten Leuchtröhren ausgestatteten Erdgeschosses findet sich auch Raum für die erste Wechselausstellung «Radical Design». Ein grosses Fenster ermöglicht den Blick ins Untergeschoss.

Anfassen ist erlaubt

Dieses ist thematisch gegliedert. Durch vier Fenster kann man auf die bestehenden Sammlungen zu skandinavischen und italienischen Möbeln, Leuchten und Charles & Ray Eames schauen. In der Mitte des Raums gibt es eine Vielzahl von grossen Schubläden zu Themen wie Metall, Alterung, Fasern und Textil. In einer findet sich ein zerlegter Stuhl. Öffnen und Anfassen ist hier ausnahmsweise nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht.

«Nach aussen präsentiere sich das Schaudepot als monolithischer Baukörper aus gebrochenem Klinker und einem schlichtes Giebeldach.», so das Pressedossier. Die Klinkersteine der Fassade seien vor Ort gespalten worden und geben ihm eine lebendige Textur.

Bewusst fehlt es an den Ausstellungsstücken an Beschreibungen. Vitra hat sich für einen modernen Weg entschieden: «Ausführliche Informationen zu den Objekten werden über einen digitalen Katalog vermittelt, den der Besuche über sein Smartphone oder Leihgeräte (Tablets) abrufen kann.

1600 Quadratmeter umfasst das Schaudepot und verdoppelt damit die Ausstellungsfläche des Design-Museums, das künftig neun Ausstellungen im Jahr zeigen wird und immerhin 120 ständige Mitarbeiter zählt.

Alle Aussstellungsorte täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet. Schaudepot ab 4. Juni. Der Museums-Pass-Musées ist gültig.