Trockenheit und Verbote

Endlich Regen? Zu früh gefreut: Die heftigen Niederschläge bringen fast nichts

Nach längerer Zeit ohne Niederschlag und mehreren Hitzetagen in Folge hat es am Mittwoch- und Donnerstagabend in der Region wieder geregnet. Die Bäche schwollen rasch stark an, aber gebracht hat das viele Wasser: Wenig bis gar nichts.

Die Fliessgewässer in der Region führten nach dem Gewitter am Mittwochabend plötzlich viel Wasser. Während einer halben Stunde goss es wie aus Kübeln. Weil aber die Böden wegen der langen Trockenheit steinhart waren, konnten sie nur wenig Wasser aufnehmen.

«Das meiste floss oberflächlich ab, dadurch reagierten die Bäche sehr schnell», erklärt Dominic Utinger vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE). Aber so rasch, wie die Wasserstände gestiegen waren, so schnell gingen sie wieder zurück.

Landregen fehlt

Utinger, der als AUE-Vertreter dem Kantonalen Krisenstab angehört, nennt eindrückliche Zahlen: Die Wasserführung der Ergolz bei Liestal betrug in den vergangenen Hitzetagen 200 bis 300 Liter pro Sekunde. Beim Regenereignis vom Mittwoch stieg sie innert Kürze um das 100-fache auf 24 Kubikmeter pro Sekunde an. Am Donnerstagmorgen wurden dann noch 2,4 Kubikmeter pro Sekunde gemessen.

«Was wir jetzt bräuchten sind mindestens drei, vier Tage lang einen schönen, leichten Landregen», sagt Dominic Utinger. Dies ermöglichte, dass die harten Böden das Wasser langsam aufnehmen könnten und dieses dann versickern könnte. Dann würden sich auch die Gewässer langsam erholen.

Erde wurde weggeschwemmt

Laut Utinger brachte das Gewitter nur ein bisschen Entspannung, aber keine nachhaltige. Die braune Brühe in den Bächen war auf Staub zurückzuführen, der sich während der Hitzeperiode in grossen Mengen auf den Hausdächern angesammelt hatte. Das Wasser davon gelangt via Siedlungsentwässerung direkt in die Bäche. Zudem wurde auch Erde abgeschwemmt und in die Bäche gespült.

Ein Gewitter im falschen Moment – wie jetzt nach dieser Trockenperiode – hat für Fische in Bächen eher einen negativen Effekt. Da kommen viel Dreck und grosse Wassermengen auf einen Moment. Durch den Regen hätten die kleineren Gewässer profitiert, weil sie sich entsprechend schneller abkühlten, sagt der Baselbieter Fischereiaufseher Daniel Zopfi. «Im Rhein als grosses Gewässer hatte dieses Gewitter aber überhaupt keine Auswirkungen.»

Feuerverbot im Siedlungsgebiet aufgehoben

Zumindest stehe dank solch heftiger Niederschläge Flora und Fauna kurzfristig wieder Oberflächenwasser zur Verfügung, wie Ueli Meier vom Amt für Wald beider Basel sagt. «Für eine echte Entspannung braucht es eine Niederschlagsmenge im Bereich von 100 Millimetern und mehr», sagt Meier. Dafür müsste leichter Regen lang anhalten.

Deshalb bleiben auch die meisten Verbote in der Region bestehen - oder wurden gar verschärft. So ist mittlerweile das Schwimmen in Abschnitten von Birs und Wiese gänzlich untersagt. Bloss das Baselbieter Feuerverbot im Siedlungsgebiet wurde aufgehoben und beschränkt sich nun auf den Wald und die Waldränder. «Die für die kommenden Tage angekündigten Regenfälle werden aber auf jeden Fall zu gering sein, um von einer Entspannung sprechen zu können», so Meier.

Wenigstens gewaschene Pflanzen

Auch die Landwirtschaft hat nur bedingt Freude. «Die Wiesen und Weiden sind bereits so verdorrt, dass es mehrere solche Regen braucht, bis sie wieder wachsen können», sagt Lukas Kilcher vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach. So könne man zumindest aber sagen, dass der Regen die Pflanzen erst einmal gewaschen habe.

Und er bestätigt, was auch Dominic Utinger vom Baselbieter AUE sagt: «Landwirtschaftsböden verhalten sich wie ein Schwamm. Ist der Schwamm trocken, kann er kein Wasser aufnehmen, es läuft ab.» Bevor also nicht mehrere Regenschauer über der Region niedergegangen sind, können einzig bereits bewässerte Kulturen wie Feldgemüse vom Starkregen profitieren.

Meistgesehen

Artboard 1