Strafgericht
Endstation Zoll: Pakistanischer Schlepper mit vollgestopftem Peugeot am Basler Zoll aufgeflogen

Ein 20-jähriger Pakistani wollte sechs Landleute von Milano nach Paris schleusen.

Patrick Rudin
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Maler schleppte im Nebenjob Flüchtlinge. Am Grenzübergang in Basel war Schluss. (Symbolbild)

Maler schleppte im Nebenjob Flüchtlinge. Am Grenzübergang in Basel war Schluss. (Symbolbild)

Keystone

Im Oktober 2018 fiel der Grenzwache um drei Uhr morgens auf der Basler Stadtautobahn ein Peugeot 407 auf, bei der Kontrolle am Zollübergang nach Frankreich entdeckten die Beamten insgesamt sieben Pakistaner. Drei hatten gar keine Ausweise bei sich, der Rest lediglich Identitätskarten oder einen italienischen Ausländerausweis.

Der heute 20-jährige Lenker wurde als Schlepper angeklagt und muss sich diese Woche vor dem Basler Strafgericht verantworten. «Es waren fünf Leute und ein Freund», sagte er am Donnerstag im Gerichtssaal. Eine Woche zuvor war er bereits dieselbe Route von Milano durch die Schweiz in Richtung Paris gefahren, allerdings nicht als Fahrer, sondern nur als Begleiter, wie er betonte.

Als Angehöriger einer religiösen Minderheit war er vor fünf Jahren aus Pakistan geflohen und lebt derzeit als abgelehnter Asylbewerber im Grossraum Paris. Dort hat er eine Frau mit Kind, wobei der Hintergrund dieser Beziehung dunkel blieb: Im Gefängnis wollte er die Anschrift seiner Frau angeben, meinte dann aber, er brauche dazu sein Mobiltelefon, dort sei die Adresse gespeichert. Ob sein Kind im letzten Oktober oder doch im August geboren worden ist, wurde vor Gericht auch nicht so ganz klar. Immerhin konnte er Lohnabrechnungen vom Februar 2018 vorweisen, er arbeitete als Maler und verdiente monatlich netto 1187 Euro. Offen bleibt auch, in welcher Sprache er sich in Frankreich verständigt, das Strafgericht stellte ihm für die Befragung einen Urdu-Übersetzer.

645 Euro beschlagnahmt

Was er beim Schleppen von Flüchtlingen verdient hat, ist ebenfalls unklar. Chatverläufe lassen auf Vorauszahlungen von 300 Euro in Milano und Nachzahlungen nach geglückter Einreise in Frankreich von 200 Euro pro Flüchtling schliessen. Doch die Verteidigerin sprach von nachgewiesenen 150 Euro pro Person, was unterhalb des Preises eines Bahnbillets von Milano nach Paris liege. Bei der Verhaftung beschlagnahmte man bei ihm 645 Euro. Auch fand man einen Überweisungsbeleg über 2000 Euro, daran konnte oder wollte er sich allerdings nicht mehr erinnern.

Weil der 20-jährige einen Hang zum schnellen Fahren hat und gelegentlich geblitzt wird, werden einzelne Reisewege deutlich: Für die Leerfahrten nach Italien fuhr er via Mont Blanc-Tunnel, der Transport der Leute hingegen führte jeweils über Chiasso und Basel. Kurz vor seiner Festnahme wurde er in Tenniken mit Tempo 141 geblitzt. Einen Versicherungsschutz hatte das Auto nicht.

Staatsanwältin Simone Lustenberger rechnete aufgrund des aufgefundenen Kaufvertrages des Autos nach, dass damit innerhalb von 37 Tagen satte 45'000 Kilometer zurückgelegt worden sind. Dies entspreche mehr als zehn Stunden Autofahrt pro Tag. Auch wenn der Angeklagte nicht alle diese Strecken selbst gefahren sei, verweise dies auf ein eindrückliches Netzwerk von Schleppern.

Verteidigerin Susanne Marti hingegen fand, die Angaben im Kaufvertrag seien nicht glaubwürdig: Selbst bei völlig leerer Autobahn wären solche Fahrleistungen unrealistisch. Ihr Mandant sei kein berufsmässiger, ausgebildeter Schlepper, sondern habe jeweils per Chat detaillierte Anweisungen erhalten und sei auch etwas naiv.

Freiheitsstrafe und Landesverweis gefordert

Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten sowie einen Landesverweis über acht Jahre. «Er hat immerhin die Leute nicht in einen Lastwagen eingepfercht. Aber er hatte keine humanitären Gründe, sondern die Hoffnung auf ein besseres Leben ausgenutzt», sagte Lustenberger. Bei der Festnahme habe er zuerst behauptet, die Mitfahrer seien alles Freunde von ihm. Alle geschleusten Personen hingegen haben ausgesagt, sie hätten für die Reise bezahlt.

«Ich werde so etwas nie mehr wiederholen. Und wenn, dann können Sie mich lebenslang ins Gefängnis stecken», beteuerte der 20-Jährige. Die drei Richter fällen ihr Urteil am Freitag.