Ranglisten sind beliebt. Alle möchten die besten sein, niemand abgeschlagen am Schluss. Der WWF liess die Firma Ernst Basler und Partner untersuchen, wie gut die Kantone die Umstellung auf erneuerbare Energien und Energiesparmassnahmen vorantreiben und wie die Förderinstrumente für Gebäudesanierungen ausgestaltet sind. Die Gebäudeheizungen sind die grössten Energieverbraucher in der Schweiz. Die kantonalen Vorschriften zum Sanieren und zum Heizen sind darum entscheidend, wenn die Schweiz vom Erdöl und -gas wegkommen will. Spitzenreiter ist der Thurgau, es folgen Basel-Stadt und Baselland. Solothurn ist im Mittelfeld, der Aargau im hinteren Drittel. Schlusslichter sind Nidwalden, Schwyz und Appenzell Innerrhoden.

Die Gebäude sind entscheidend für die Energie- und Klimapolitik der Schweiz. Der Energieverbrauch zum Heizen und zur Erzeugung von Warmwasser macht knapp 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der Schweiz aus. Der überwiegende Anteil dieser Energie stammt von den fossilen Energieträgern Heizöl und Erdgas. Als Folge stammt auch ein hoher Anteil des CO2-Ausstosses der Schweiz von den Gebäuden. Zudem müssen Heizöl und Erdgas aus dem Ausland bezogen werden. Die Gebäude tragen somit auch zur hohen Auslandsabhängigkeit der Schweiz im Energiebereich bei.

Basel bei Sanierungen top

In den beiden Basel und Genf sind die Rahmenbedingungen für die energetische Sanierung bestehender Gebäude am besten. Allerdings erreichen in dieser zentralen Kategorie auch die besten Kantone kein Topresultat – dazu bräuchte es Vorgaben, die zusätzliche Gebäudesanierungen anstossen.

Die Spitzengruppe mache Hoffnung: «Diese Kantone zeigen, dass es geht und wie es geht», sagt WWF-Energieexperte Elmar Grosse Ruse. Für die Energiewende sollten alle Kantone mehr tun. Sie helfen sich auch selber, wenn sie ihr Klimaschutz-Potenzial ausschöpfen: «Wo auf Effizienz und einheimische Energie statt Erdöl und Erdgas gesetzt wird, steigt fast immer die lokale Wertschöpfung.»

Die Kriterien

Für das WWF-Rating wurden verschiedene Kategorien erfasst, etwa die Vorschriften zu Gebäudesanierung und Energieeffizienz, Vorschriften zur Nutzung erneuerbarer Energien, finanzielle Förderung erneuerbarer Energien (jeweils doppelt gewichtet), die Existenz kantonaler Energieziele.

Weil Basel keine solchen ausformulierten Energieziele mit Datum und Energiezahlen (z. B. «2000 Watt pro Bewohner bis 2050») nennt, ist Basel in der WWF-Studie etwas im Hintertreffen. «Lieber handfeste Gesetze als utopische Ziele», sagt Thomas Fisch, Leiter der Energiefachstelle Basel-Stadt ganz schlicht.

Der Anteil an erneuerbarer Energie müsse gesteigert werden. Nur: Auf Stadtgebiet kann nicht genügend erneuerbare Energie produziert werden. Grundsätzlich meinte er: «Erneuerbare Energien rauf, Energieverbrauch runter.» Alles, was gespart wird, muss nicht importiert werden. Im Fokus steht die Nutzung von Umgebungswärme mittels Wärmepumpen. Das Grundwasser habe wegen der überbauten Fläche in der Stadt eine etwas erhöhte Temperatur. Im Fokus stehen natürlich neben der Umweltwärme die Photovoltaikanlagen. «Mit unserer Aktion «Solarkraftwerk» verdoppeln wir die Beiträge an die Dachsanierung, wenn eine PV-Anlage installiert wird», sagt Fisch. Im Haustechnik-Bereich erhofft man sich Einsparungen, indem neue Anlagen nach der Inbetriebnahme obligatorisch optimiert werden.

In Basel-Stadt und Baselland sind neue Energiegesetze in der Mache. Sie orientieren sich an den neuen Mustervorschriften für die Energiepolitik der Kantone (MuKEn). Der Basler Bericht und Ratschlag sei auf Mitte 2015 zu erwarten. In den ersten Januartagen werden die kantonalen Energiedirektoren die MuKEn verabschieden. Kantone, die die Mustervorschriften schnell und vollständig umsetzen, verbessern sich im Kantonsvergleich deutlich. Eine aktive Politik stösst auch bei der Bevölkerung auf Zustimmung, schreibt der WWF. Das Volk will eine kantonale Energiewende, wie eine Auswertung von entsprechenden kantonalen Abstimmungen der letzten zwei Jahre zeige.