Kurz vor seinem 90. Geburtstag ist Thierry A. Freyvogel zu Hause friedlich eingeschlafen. Wir verlieren mit ihm einen weitsichtigen, witzigen und sozial engagierten Menschen, geachteten Kollegen und lieben Freund.

Thierry Freyvogel kam 1929 in einem weltoffenen Elternhaus zur Welt. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Paris, wo die Liebe zur französischen Sprache und Kultur keimte. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zog die Familie nach Basel zurück. Hier schöpfte er Mut und Zuversicht. Diese Wurzeln gaben ihm und seinen drei Geschwistern Entschlossenheit und Ausdauer fürs Leben.

«Freier Vogel»

Nach dem Studium der medizinischen Zoologie an der Universität Basel und einer Doktorarbeit bei Rudolf Geigy errichtete er von 1955 bis 1957 das Feldlabor des Schweizerischen Tropeninstituts (heute: Swiss TPH) in Ifakara, Tansania. Er schuf damit die Grundlagen für die bis heute andauernde Partnerschaft mit Tansania. Von der lokalen Bevölkerung liebevoll «Ndege Huru» (freier Vogel) genannt, wirkten seine Erfahrungen in Afrika zeitlebens prägend auf ihn.

Die enorm hohe Malariaübertragung im Umkreis von Ifakara trieb Thierry Freyvogel einerseits zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und vertiefte andererseits sein Verständnis der Ökosysteme und Lebensbedingungen der Menschen. Diese Einsichten und das Staunen über die nicht restlos erklärbare Natur, teilte Thierry am liebsten und eindrucksvollsten, wenn er mit seinen Schülern im afrikanischen Busch übernachtete. Den Busch erleben und um ein Feuer unter dem imposanten Sternenhimmel bis tief in die Nacht diskutieren, nachdenken und auch seinen von wunderbarem Witz und Tiefe getragenen Geschichten zu lauschen, förderte unser eigenes Interesse und das Engagement für Afrika.

Internationale Anerkennung

Während seiner Zeit als Direktor des Swiss TPH (1972–1987) engagierte sich Thierry Freyvogel auch als Experte für die Weltgesundheitsorganisation, die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit oder den Verbund europäischer Tropeninstitute. Nach der Swiss- TPH-Leitung kreierte er die renommierte Kommission für Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern. Diese Engagements trugen ihm internationale Anerkennung ein. Viel wichtiger war ihm aber, einen Beitrag zur Entwicklung und Überwindung von Krankheit und Armut zu leisten.

Seine vor zweieinhalb Jahren verstobene Gattin Nadine war ihm zeitlebens eine grosse Stütze und Inspiration. Ihr frohes, kluges Wesen, die soziale Art und innovative Persönlichkeit haben in Thierry viele Kräfte geweckt und ihm Lebenslust geschenkt.

Seine Wurzeln hat Thierry Freyvogel nie vergessen, und so war auch sein lokales Engagement, insbesondere für den Zolli, die Zofinger und in der Zunft zu Hausgenossen, sehr gross. In all diesen Erinnerungen, erleben wir sein scharfsinniges, humorvolles und konsequentes Sein und damit auch für uns täglich Ausblicke auf eine bessere Welt. So lebt Thierry Freyvogel in und mit uns weiter. Wir alle sind ihm sehr dankbar und sprechen seiner Familie unser tiefstes Beileid aus.

   

Marcel Tanner