Flughäfen besitzen eine seltsame Abstossungskraft. Das zeigt sich schon kurz nach der Landung: Kaum ist es erlaubt, erheben sich die Leute aus ihren Sitzen, um zu den ersten gehören, die an ihr Ziel gelangen. Was die müde und entnervte Masse zuletzt will, sind lange Wartezeiten vor der Passkontrolle. Doch genau so werden Gäste am Basler Euro-Airport derzeit begrüsst.

Manchmal seien es bis zu eineinhalb Stunden, in welchen Passagiere in den engen Gängen des Euro-Airports warten müssen, bis sie in die Schweiz oder Frankreich einreisen dürfen. Das berichtete unlängst «Schweiz aktuell» von SRF. Ein Augenschein am vergangenen Wochenende bestätigte das gezeichnete Bild: Jeder Pass und jede Identitätskarte wird gescannt, die Schlangen davor reichen bis weit vor den kleinen Kabinen. Schuld ist nicht etwa ein neues Prozedere. Bereits 2015 kündigte Frankreich als Reaktion auf Terrorattacken systematische Passkontrollen an. Französische Behörden und die Schweizer Grenzwache teilen sich die Aufgaben am binationalen Flughafen. Weil aber die französischen Grenzwächter derzeit mit einem Personalengpass kämpfen, resultieren längere Wartezeiten als üblich – und dies just zur Ferienzeit.

Die Schweizer versuchen, ihren Kollegen auszuhelfen. Das bestätigt Sprecher David Marquis auf Anfrage: «Wir haben im Rahmen dessen, was wir können, zusätzliches Personal aufgeboten.» Allerdings stösst auch die Bundesbehörde an ihre Grenzen. Die bz berichtete vergangene Woche über zahlreiche Abgänge. Insbesondere junge Angestellte hängen ihren Job an den Nagel, weil ihnen die Nachtschichten gesundheitlich zu schaffen machen. Bundesbern berät derzeit über eine personelle Aufstockung der Korps. Wann und ob dies Wirklichkeit wird, steht allerdings noch nicht fest.

Im Gespräch mit Marquis wird deutlich, dass die Situation am Flughafen für die Grenzwachtregion I unangenehm ist. Den vorübergehenden Extra-Einsatz in den Kabinen nennt er «unbefriedigend». Es gehe nicht darum, die Leute zu schikanieren. «Allerdings gibt es am Euro-Airport sehr viele Abhängigkeiten, die wir an anderen Standorten nicht haben.» Es liefen aktuell Verhandlungen mit Frankreich, «zum Inhalt kann ich nichts sagen, auch nicht zum Aufgebot an Personal am Euro-Airport.» Nicht nur die Flughafenleitung steht unter Druck, sondern auch Dritte.

«Wie alle Fluggesellschaften am Euro-Airport ist auch Easyjet davon betroffen und ist bestrebt, mit den Partnern möglichst rasch eine Lösung für die Situation zu finden», schreibt beispielsweise die Pressestelle der Billig-Airline auf Anfrage. Oft sind sie es, an die sich die Kritik richtet – doch in der Pflicht stehe Frankreich, den Personalengpass durch zusätzliche Kapazitäten zu beheben. Entscheide dieser Tragweite trifft aber Paris – weit entfernt vom Flugplatz in der elsässischen Provinz. In einem Brief an das französische Innenministerium hat sich die Basler Regierung vergangene Woche über die Zustände im Eingangstor zur Region beklagt. Eine Antwort steht aus.