Es war die Eskalation in einer Serie von Konflikten: Am Mittwoch trennte sich Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) von seinem Abteilungsleiter, Sportamt-Chef Peter Howald. Der hatte sich in der bz zu verschiedenen Missständen rund um die Basler Sportpolitik geäussert, von kaputten Anlagen bis internen Differenzen mit Bereichsleiter Thomas Mächler. Nun erklärt sich Regierungsrat Cramer.

Conradin Cramer, wie treiben Sie Sport?

Conradin Cramer: Ich fahre sehr gerne und nicht so gut Ski, für den Rest des Jahres besitze ich ein Fitnessabo. Ich habe den Anspruch, zweimal in der Woche zu trainieren, schaffe das aber nicht ganz. (lacht)

Sie sind soeben aus den Ferien zurückgekommen. Wie haben Sie die Debatte um den Basler Sport erlebt?

Ich war überrascht von der Intensität der extern geäusserten Kritik. Kritik muss intern ausgetauscht werden können. Da ist es unerfreulich auch für mich persönlich, dass es in den Medien zu diesem Eklat gekommen ist. Das betrifft Form und Inhalt. Die Form ist nicht akzeptabel, und mit der inhaltlichen Kritik stimme ich nicht überein.

Sie sehen also die Sportanlagen in einem anderen Zustand, als die bz berichtet hat, und auch anders, wie es Sportamtchef Peter Howald sieht?

Die Sportanlagen der Stadt Basel befinden sich in einem guten Zustand. Wir haben Millionen investiert und werden dies auch weiterhin tun, um unser gewohntes Niveau zu halten.

Im Gartenbad St. Jakob wurden Sofortmassnahmen nötig, weil den Badegästen Betonteile auf den Kopf zu fallen drohten. Auch andere Sportanlagen sind sanierungsbedürftig. Wurde das nicht vernachlässigt?

Nein, unsere Sportanlagen sind nicht vernachlässigt. Generell gilt für die Verwaltungsgebäude: Viele stammen aus der gleichen Zeit und verlangen nun Sanierungen. Das setzen wir nicht nur um, wir bauen sogar noch neue dazu, den Fussballplatz auf der Schorenmatte etwa. Oder auch, was noch nicht bekannt ist: Wir wollen auf einem unserer Planungsgebiete – im Fokus steht das Klybeck – eine neue Schwimmhalle bauen.

Mit einem 50-Meter-Becken?

Das ist eine andere Frage. Wir setzen uns aber klar ein für ein neues Hallenschwimmbad und kommen damit den aktuellen Forderungen entgegen. Im Klybeck wäre es auch aufgrund der örtlichen Verteilung ideal.

Gibt es einen Zeithorizont?

Der entspricht der Realisierung dieses neuen Stadtteils.

In einem Bericht von 2011 war von einem «Sanierungsstau» die Rede.

Es ist in keinem Bereich dramatisch. Aber klar, als Sportdirektor wünsche ich mir, dass zum Lebensende eines Gebäudes dieses saniert wird. Es ist in der Politik aber manchmal so, dass es ein bisschen länger gehen kann, das ist in anderen Bereichen nicht anders.

Howald sah dies anders – und er nahm sich auch selbst nicht völlig aus der Kritik. Das deutet doch schon auf Probleme hin, oder nicht?

Ich kann und will nicht über seine Beweggründe spekulieren. Ich glaube aber, dass wir jetzt einen Ausflug zu den Sportanlagen machen könnten, und wir würden viel Gutes und Modernes sehen. Ein Notstand herrscht nicht und auch kein Sanierungsstau.

Wie ist die Stimmung nach Howalds Abgang im Sportamt?

Die Stimmung ist angespannt, klar. Ich bin in der Verantwortung, dass wir den Leuten die Sicherheit geben, in einem guten Betrieb zu arbeiten.

Klingt nach einer Belastungsprobe für Bereichsleiter Thomas Mächler. Er stand selbst auch in der Kritik, die «Tageswoche» berichtete über Missmut über seinen Führungsstil.

Was ich selbstkritisch konstatieren muss: Wenn es zu einem solchen Eklat kommt, dann hat irgendwo etwas nicht funktioniert. Da bin ich gefordert, aber auch mein Bereichsleiter. Selbstkritik braucht es auf jeder Stufe.

Sind die Probleme nun gelöst?

Die einvernehmliche Trennung war unter den gegebenen Vorzeichen die bestmögliche Massnahme. Ich möchte mich jetzt noch stärker ins Funktionieren des Sportamts involvieren. Solche Vorkommnisse haben eine Ursache, und es ist mein Anspruch, diese zu finden. Es kommt jetzt zum Neuanfang.

Erhält der Sport von Ihnen zu wenig Aufmerksamkeit?

Im Gegenteil. Ich habe grosse Freude daran, dass das Sportamt dem Erziehungsdepartement angegliedert ist, und ich will es auch nicht hergeben.

Die bz berichtete von Verflechtungen in der Sportpolitik. Jene, die Mittel sprechen, profitieren selber davon. Wie stehen Sie dazu?

In Sportbeirat und der Swisslos-Vergabekommission braucht es Leute mit dem nötigen Know-how, entsprechend finde ich diese Verzahnung positiv. Die Durchmischung ist für mich ausreichend gewährleistet, eine Generalerneuerung ist nicht angezeigt. Ich bin der Überzeugung, dass die Beträge ausbalanciert an die Vereine verteilt sind. Ich nehme die Sportszene als dynamisch und offen wahr, die nicht einfach ihre Pfründe verteidigen will.

Erachten Sie die Aufsicht über die Vergabe dieser Mittel als genügend?

Ja. Was natürlich aktuell ein Thema ist: Während den vergangenen Jahren haben wir Kapital bis auf ein gewünschtes Niveau abgebaut. Das führt dazu, dass es weniger Geld zu verteilen gibt. Das kann zu Friktionen führen, und ich werde schauen, dass das sauber läuft.

Jetzt wird ein Basler Sportkonzept ausgearbeitet. Publikationstermin sei Mai, ist aus dem Sportamt zu hören. Was darf man erwarten?

Das Sportgesetz von 2011 schreibt ein solches Konzept vor. Das ist in dieser Form noch nicht publiziert worden. Wir werden das Sportstättenkonzept bewusst mit dem neuen Leiter des Sportamts ausarbeiten. Realistisch ist die Veröffentlichung für 2019.

Was sind denn Ihre Visionen für den Sport?

Es soll Lust bereiten, hier Sport zu treiben, sowohl in den Vereinen als auch im sogenannt «ungebundenen» Sport. Der Ehrgeiz ist, möglichst viele Sportwillige zu erreichen, und ihnen die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Hier müssen wir das hohe Niveau halten und stellenweise sogar ausbauen. Daneben muss der Sport zu den Kindern gebracht werden. Hier sind die Schulen in der Pflicht, denn das ist wichtig für die Gesellschaft.

Wie wollen Sie das erreichen?

Eine Stärkung ist es schon, sich den Angriffen auf die drei Sportstunden in der Schule zu erwehren. Dann wollen wir den freiwilligen Schulsport ausbauen. Schliesslich gibt es einen Sport-Check in den Schulen, der für das Thema sensibilisiert.

Wie reagieren Sie auf das wachsende Bedürfnis des ungebundenen Sports?

Das Bedürfnis ist erkannt, es ist allerdings nicht ganz einfach, darauf zu reagieren. Bei den Vereinen gibt es Ansprechpersonen und konkrete Forderungen. Es liegt in der Aufgabe des Sportamts, die Fühler nach geeigneten Instrumenten auszustrecken. Und das wird auch eine der zentralen Aufgaben des neuen Sportchefs sein. Es ist ein Megatrend im Sport, sich nicht in Vereinen zu betätigen, dem ist sicher so. Die Arbeit der Sportvereine gilt es aber nicht zu schmälern, denn die Vereine haben noch andere Qualitäten: Integration etwa. Auch das leistet der Sport.