Spätestens seit im Frühling das neue Messezentrum von Herzog & de Meuron eröffnet wurde, ist es offensichtlich: Das achtgeschossige Parkhaus von 1974 passt nicht mehr zum «neuen» Basler Messeplatz, der vom Neubau der heimischen Stararchitekten, vom Messeturm (2003) sowie von der denkmalgeschützten Rundhofhalle (1954) eingefasst wird. Aus polittaktischen Überlegungen wurde die Frage nach der Zukunft des Parkings nicht gleich in die Vorlage für den 430 Millionen Franken teuren Messeneubau gepackt. Nun harrt die Frage einer Lösung - zumal das Parking längst sanierungsbedürftig ist.

Die Messe Schweiz hat im Januar eine Testplanung in Auftrag gegeben; an Herzog & de Meuron, an die Messe-Turm-Architekten Morgen und Dettli sowie an die Buchner Bründler Architekten. Aufgrund der Ergebnisse, die für diesen Sommer in Aussicht gestellt wurden, will die Messe entscheiden, ob anstelle des Parkings ein Neubau erstellt werden soll. Allerdings verspätet sich die Testplanung, wie Edgar Jenny, Leiter Facility Management der Messe Schweiz, gegenüber der bz einräumt. Demnach sollen die drei renommierten Architektenteams im Oktober präsentieren, wie sie sich die Zukunft des Parking-Perimeters vorstellen.

Messe will 1200 bis 1400 Parkplätze

Am Messeplatz müssen auch künftig 1200 bis 1400 Parkplätze zur Verfügung stehen. Dies war eine Vorgabe der Messe zur Testplanung. «Wir brauchen Parkplätze in unmittelbarer Nähe und wollen darauf nicht verzichten», stellt Jenny klar. Offen sei, ob diese Parkplätze ober- oder unterirdisch angelegt werden. Ebenfalls klar ist für die Messe, dass als Mindestvariante das heutige Parking umfassend saniert wird, sollte sich ein Neubau gemäss Testplanung nicht lohnen. «Gar nichts machen ist jedenfalls keine Option», sagt Jenny.

In einschlägigen Architekturforen im Internet kursieren derweil bereits Visualisierungen eines gemischt genutzten Parking-Neubaus. Wie die bz herausgefunden hat, stammen diese grösstenteils von Diplomarbeiten, welche die beiden Basler Architekten Anna Jessen und Ingemar Vollenweider in Auftrag gegeben haben. Die beiden haben eine Professur für Architektur und Entwerfen an der Technischen Universität Darmstadt (Jessen) und Kaiserslautern (Vollenweider) inne. In dieser Funktion haben sie parallel rund 30 Diplomierenden das Thema Messeparking als Aufgabe der Abschlussarbeit gestellt. Vollenweider und Jessen betonen, die Ergebnisse hätten fiktiven Charakter.

Bei der Messe Schweiz weiss man von den Studien, wie Jenny betont. Vollenweider sagt dazu, dass sie nicht im Auftrag oder in Abstimmung mit der Messe gearbeitet haben, dass man aber bewusst die geforderten Parkplätze - eine politisch womöglich umstrittene Vorgabe - im Sinne einer architektonischen Fragestellung in ein gemischt genutztes Gebäude integrieren wollte. Die Abschlussarbeiten sind bislang als Ganzes nicht veröffentlicht worden. Vollenweider und Jessen wollen damit nicht vorpreschen, sie könnten sich aber eine Ausstellung - allenfalls im Zusammenhang mit den Ergebnissen der Testplanung - vorstellen.

Uni-Arbeiten vor Testplanung

Pikant: Vollenweider griff die Idee für die Abschlussarbeit zum Thema bereits letzten Spätsommer auf - lange bevor die Messe die Testplanung lancierte. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Messe mit der Testplanung auf die Aktivitäten der Studenten reagiert hat. Bei der Messe will man dies indes nicht kommentieren.

Zum Projekt sagt Vollenweider: «Ein Neubau drängt sich geradezu auf. Das bestehende Parking fällt architektonisch von den umliegenden Gebäuden stark ab.» Der Druck für eine vertikale Lösung mit einer gemischten Nutzung sei an diesem zentralen Ort der Stadt gross. «Es muss aber in diesem Geviert nicht zwingend ein weiterer Turm gebaut werden», findet Vollenweider. Er könnte sich auch vorstellen, dass der Perimeter angepasst wird und beispielsweise ein Teil der Rosentalanlage in eine neue Überbauung miteinbezogen wird.