Basler Strafgericht
Er dachte, er kriege im Rotlichtviertel gratis Sex: Freier wegen versuchter Vergewaltigung verurteilt

Er wollte sofort Sex, ohne zu bezahlen: Nun wurde ein Mann für seine Tat im September zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Patrick Rudin
Merken
Drucken
Teilen
Im September hatte der Mann in der Ochsengasse versucht, die Frau zu vergewaltigen.

Im September hatte der Mann in der Ochsengasse versucht, die Frau zu vergewaltigen.

Juri Junkov

Eigentlich wollte der 26-jährige am Montag im Basler Strafgericht ein mehrseitiges Statement verlesen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Als sich aber schon nach der Einleitung ankündigte, dass er ein ausschweifendes Referat über psychologische Phänomene halten wird, klemmte die Gerichtspräsidentin den Monolog kurzerhand ab und befragte den Angeklagten direkt zu den Vorwürfen.

Seit über drei Monaten sitzt der Mann in Haft, weil er Anfangs September spätnachts in der Basler Ochsengasse versucht hat, eine Prostituierte zu vergewaltigen. Die Frau winkte ihm vom Fenster aus zu, er betrat das Gebäude. Daraufhin wollte die Frau mit den Preisverhandlungen beginnen, doch er stiess sie aufs Bett, würgte sie und wollte sofort Sex. Die Frau wehrte sich und konnte um Hilfe schreien, schliesslich beförderte sie ihn zusammen mit mehreren Berufskolleginnen nach draussen.

Gericht stuft Aussagen der Frau als glaubwürdig ein

Das sei alles ganz anders gewesen, beteuerte der 26-Jährige am Montag vor Gericht: Sie habe ihm vom Fenster aus zugerufen, es koste 200 Franken, woraufhin er gesagt habe, er zahle nicht für Sex. Damit habe sie sich dann einverstanden erklärt. «Die haben ja auch ein Privatleben, manchmal wollen sie einfach ihren Sex haben und nicht bezahlt werden», erklärte der Mann vor Gericht.

Das Gericht stufte die Aussagen der Frau als glaubwürdig ein, beurteilte die Geschichte des Mannes in einigen Teilen hingegen als «haarsträubend». Die drei Richter verurteilten den Mann wegen versuchter Vergewaltigung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Dazu verhängten sie für den polnischen Staatsbürger einen Landesverweis von acht Jahren. «Es ist völlig abwegig, dass eine Prostituierte, die im Rotlichtmilieu am Anschaffen ist, ohne Geld mit Ihnen Sex haben will», kommentierte Gerichtspräsidentin Sarah Cruz.

Der Verurteilte muss der Frau zudem eine Genugtuung von 5'000 Franken bezahlen. Die Frau sagte am Montag, sie sei kurz vor dem Vorfall wieder in die Prostitution eingestiegen, habe aber nach dem Übergriff damit aufgehört.

Einige Bussen in Polen wegen Trunkenheit

Wovon der Mann lebt, wurde am Montag im Gerichtssaal nicht so ganz klar. Er sei eigentlich Filmemacher, doch wegen der fehlenden Aufträge in diesem schwierigen Jahr lebe er von seinen Reserven und sei quer durch Europa gereist, sagte der 26-Jährige. Er hatte für den Prozess explizit eine Dolmetscherin in englischer Sprache verlangt: Die polnische Sprache eigne sich nicht, um über derartige Dinge zu diskutieren, versuchte er, zu erklären.

In Italien sass der Mann bereits wegen eines Raubes im Gefängnis. Er meinte dazu, er könne sich nicht mehr daran erinnern, er sei zu betrunken gewesen. In Genf und in Nürnberg hatte er schon wegen Diebstählen mit der Justiz zu tun, er räumte ein, auch diese Delikte habe er wohl betrunken begangen. In Polen sei er allerdings nicht vorbestraft, nur einige Bussen habe er schon erhalten. «Weswegen?», fragte die Gerichtspräsidentin. «Wegen Trunkenheit», antwortete der Mann. Ein Alkoholproblem habe er aber nicht. Das Urteil kann er noch weiterziehen.