Fasnacht

Er expandiert: «E Bsuech im Fasnachtshuus» ist die sanfte Revolution der Vorfasnacht

Mit «E Bsuech im Fasnachtshuus» definiert Patrick Stalder das Genre «Vorfasnacht» neu – jetzt expandiert er in die «Safran Zunft» und lässt das «L'Unique» hinter sich.

Die Vorfasnacht ist, so glaubt man in Basel, ein Hitgarant. Mehr als ein Dutzend Veranstalter produzierten alleine dieses Jahr ihre Events in der kurzen Zeit zwischen Neujahr und der Basler Fasnacht, die – abhängig vom österlichen Kalender – mal sechs oder auch mal zwölf Wochen dauern kann. Dass die Legende vom Hitgarant allerdings nicht stimmt, zeigte sich kürzlich an Renato Salvis «Kòpfladäärnli», das nach nur einer Spielzeit wieder eingestellt wird. Trotz einer Auslastung von rund 80 Prozent habe der Event in der Elisabethenkirche nicht rentiert, teilte Salvi mit. Er zog die Konsequenzen.

Anders Patrick Stalder. Er expandiert mit seiner unorthodoxen Veranstaltung «E Bsuech im Fasnachtshuus» im kommenden Jahr. Ab 2020 findet der Event nicht mehr im «L’Unique» im Gerbergässlein statt, sondern in der altehrwürdigen «Safran Zunft» an der Gerbergasse. Unorthodox ist der «Bsuech» deshalb, weil es keine Bühne gibt. Gespielt wird in der Beiz, sei es auf Fasnachtsinstrumenten oder im Schauspiel, dazu wird ein Menü gereicht. Es herrscht also Dauerbetrieb, alles ist ein bisschen wild und auch ein bisschen fasnächtlicher als bei der klassischen Bühnenfasnacht, wo das Publikum frontal mit Rahmestiggli, Bängg und Fasnachtsmuusig beglückt wird.

Vorfasnachts-Unternehmer Stalder expandiert vor allem aufgrund der Nachfrage, aber nicht nur. Die Auslastung im «L’Unique» war ausserordentlich, der Event schon Wochen im Voraus ausverkauft. Jetzt, nachdem Stalder nach nur einem Jahr die Geschäftsführung des Restaurants wieder aufgekündigt hat, verdoppelt er mit dem Wechsel in die «Safran» die Kapazität auf über 70 Plätze an fünf Vorstellungen. Der Plan zu expandieren, habe allerdings schon vor seinem Abgang im «L’Unique» bestanden, stehe also nur bedingt mit dem persönlichen Wechsel in Zusammenhang.

Verbindungen quer durch die Vorfasnachts-Szene

Zum Inhalt gab Stalder am Mittwoch vor den Medien nur vage Auskunft. Das Sujet sei «Kriminal Tango», der Text erneut geschrieben von Stefan Uehlinger, der seit Jahren mit Beiträgen im «Pfyfferli» von Caroline und Claude Rasser auf sich aufmerksam macht. Instrumental begleitet wird der Anlass von einer ausgesuchten Crème der Szene.

Dafür zeigte Stalder mehr Einblicke seinen neuen Verein. Bislang verantwortete er den Event persönlich, neu stehen ihm Roman Huber, Michel Mesmer und Linda Atz zur Seite. Letztere hat gemeinsam mit Stalder das Event-Handwerk bei der Organisation des Basel Tattoo von Erik Julliard gelernt, der selbst wiederum die Vorfasnachtsveranstaltung «Charivari» produziert. Beratend unterstützt wird Stalders Verein von André Schaad, ehemals Mitglied des Fasnachts-Comités und in jener Funktion verantwortlich für die grösste Basler Vorfasnachtsveranstaltung, das «Drummeli».

Der Fasnächtler aus dem Kleinbasel

Stalder hat es also geschafft, sich nicht nur mit den Eminenzen der Vorfasnacht zu umgeben, sondern mit ihnen eine neue, tatsächlich aufregende Variation jener erst gut 30-jährigen Tradition zu gestalten, die in dieser Form einzig und allein Basel kennt. Darin liegt auch der Grund, dass er es erst jetzt zur vierten Ausgabe in den «Kanon» des klassischen Vorfasnachtsreigens schafft. Das Konzept war schlicht zu anders, der Spielort zu ungewohnt, um von Anfang an im gleichen Atemzug mit «Pfyfferli», «Charivari», «Mimösli» und «Drummeli» genannt zu werden.

Was letztlich zum Guten war: So konnte Stalder – selbst Wettkampf-Tambour, Naarebaschi und Sohn des kürzlich verstorbenen Kleinbasler Fasnachts-Originals Kurt «Guge» Stalder – trotz Risiko sein persönliches Projekt entwickeln, ohne gleich mehrmals einen ganzen Saal ausverkaufen zu müssen. Der Plan geht vorläufig auf: An den fünf Abenden vom 20. bis 25. Februar 2020 wird die «Safran Zunft» das gesamte Restaurant im Erdgeschoss in Stalders Sinne zum «Fasnachtshuus» umbauen.

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