In den letzten Jahren war es ruhig geworden um den Vollblutpolitiker Karl Schnyder, der früher im politischen und gesellschaftlichen Leben Basels omnipräsent schien. «Er war zwar körperlich schwach, aber geistig wach und nahm immer noch Anteil am Geschehen», erzählt LDP-Grossrat Felix Eymann, der ihn noch kürzlich im Altersheim gesprochen hat. Als früherer Grossrat der ehemaligen Demokratisch-Sozialen Partei (DSP) war Eymann ein Weggenosse des DSP-Gründers Karl Schnyder.

«Er war ein guter Typ. Viele Politiker sagen, sie seien Volksvertreter. Karl Schnyder war es», so Eymann über Schnyder. «Er genoss breite Akzeptanz von links bis rechts.» Hans Martin Tschudi, Nachfolger von Karl Schnyder als DSP-Regierungsrat, bestätigt dies. «Er war ein Volkstribun: leutselig, nahe bei den Menschen, eine liebenswürdige Person», so Tschudi über Schnyder. «Die Bevölkerung hatte Vertrauen zu ihm.»

Geboren wurde Karl Schnyder 1931 in Glarus. Als kaufmännischer Angestellter der Chemieindustrie kam er 1950 nach Basel. Durch die Gewerkschaftsbewegung kam er in die Politik und wurde Mitglied der SP. Sekretär der Gewerkschaft VPOD, Grossrat, Nationalrat und schliesslich Polizeidirektor von 1976 bis 1994 waren seine politischen Stationen. Dabei hätten ihn Geradlinigkeit, klare Positionen und Prinzipientreue ausgezeichnet. «Er war ein sehr mutiger und entschlossener Mann», erinnert sich Felix Eymann. Im Amt des Regierungsrats habe er dann seine Erfüllung gefunden, bemerkt Hans Martin Tschudi. «Er war ein Mann der Exekutive. Regieren, das lag ihm. Da konnte er hinstehen, Verantwortung übernehmen und für Recht und Sicherheit im Kanton eintreten.»

SP-Eklat und Gründung der DSP

Es war gerade aber seine Auffassung von Recht und Ordnung, durch die Karl Schnyder in Konflikt geriet mit seiner Partei. Beginnend mit Ausschreitungen im Umfeld des Besuchs der Queen an der Grün 80 erschütterten jahrelang Jugendunruhen Basel und die Schweiz. Regelmässig kam es im Umfeld des Autonomen Jugendzentrums (AJZ) zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Schnyder griff hart durch. «Er tat das Richtige, blieb staatstreu, ging unbeirrt seinen Weg und verteidigte den Rechtsstaat», so Eymann. Schliesslich kam es aber zum Eklat, als SP-Parteipräsident Mathias Feldges Regierungsrat Schnyder aufforderte, entweder die Einsatzdoktrin zu mässigen oder zurückzutreten. Als Folge trat Schnyder mit 15 Getreuen aus der SP aus und gründete 1982 die DSP, die rechts von der SP politisierte.

Bis 2004 stellte die DSP einen Regierungsrat. 2009 löste sie sich auf. Aber da war Karl Schnyder schon lange pensioniert und frönte seinem Hobby, dem Reisen. In Basel antreffen konnte man den passionieren Beizengänger in einem seiner vielen Lieblingslokale, aber auch beim Vogel Gryff; oder bei der «Waggis-Bekleidete» beim Hotel Trois Rois, einem Anlass, den er mitbegründet hatte. So war er weiter präsent in der Stadt, für die er jahrzehntelang gelebt hatte.