Patrick Huber sitzt auf der legendären Holztribüne der Sportanlage Grendelmatte. Seit nunmehr 15 Jahren spielt er dort für den FC Amicitia Riehen Fussball. Meist gibt er in der 4.-Liga-Mannschaft den Part des Innenverteidigers. So hat Huber das Spiel für gewöhnlich vor sich. Er denkt mit und besticht durch Übersicht. Und wenn es das Spielgeschehen mal erfordert, kann er auch mal richtig zulangen. «Ich will niemanden verletzen. Ich will einfach immer unser Tor verteidigen.» Ein taktisches Foul mit einer Grätsche, um den Konter der gegnerischen Mannschaft zu unterbinden, darf es dann auch mal sein. Ist es die Verwandlung des sonst so kontrollierten und korrekten Einwohnerrats zum harten Fussballer? «Nein!», sagt er mit Bestimmtheit. «Andere sagen oft, mir hafte das Image des perfekten Schwiegersohns an.» Dem widerspricht Huber vehement. «Wer mich richtig kennt, weiss, dass ich im Ausgang oder auf dem Fussballplatz auch mal auf den Putz hauen kann. Ich bin nicht so der Musterknabe, für den mich viele halten.»

16-Jährige sollen wählen dürfen

Patrick Hubers Blick schweift über die Sportanlage zum Kunstrasen. Dieser ist nur von einer Platzseite her beleuchtet. Diesen Missstand meldete er mittels Vorstoss im Parlament und verlangte vom Gemeinderat auch Scheinwerfer auf der anderen Platzseite. Dessen Antwort zeugte nicht gerade von Feingefühl für den Fussball. Der Platz sei durchschnittlich gut beleuchtet, hiess es darin. Für Huber ein Beispiel, wie Anliegen der jüngeren Riehener in der Politik zu wenig Gehör finden. Das will er mit zwei Motionen ändern, über die am 27. August im Parlament abgestimmt wird. Überweist sie der Einwohnerrat, muss dieser ein Gesetz vorlegen, über das der Einwohnerrat erneut abstimmen muss. Huber möchte zum einen das Stimm- und Wahlrechtsalter in Riehen auf 16 Jahre senken. Dies würde aber nur die Riehener Gemeindewahlen und die Abstimmungen im Dorf betreffen. An kantonalen oder gar nationalen Wahlen und Vorlagen wären die unter 18-Jährigen weiterhin nicht teilnahmeberechtigt.

Fehlende Nachwuchsförderung

Auch will Huber die maximale Amtsdauer eines Einwohnerrates auf 16 Jahre beschränken. «Ich möchte so für eine grössere Durchmischung im Parlament sorgen», begründet der 23-jährige CVPler seine Vorstösse. Seiner Meinung nach findet diese in Riehen zu wenig statt. Der momentan zweitjüngste Einwohnerrat ist der grünliberale Thomas Zangger mit 40 Jahren. «Die Parteien vernachlässigen die Nachwuchsförderung. Junge Politiker haben es schwer, bei den Wahlen vordere Plätze zu belegen, da Bisherige immer wieder antreten oder ihnen Ältere vorgezogen werden.» Huber will keinesfalls alle älteren Einwohnerräte rausekeln – im Gegenteil: «Ihre Erfahrung ist sehr wichtig für das Parlament. Wie es auch wichtig ist, dass Junge mit frischen Ideen und Mut in Riehen etwas bewegen.» Stimm- und Wahlrechtsalter 16 und eine Amtszeitbeschränkung für Einwohnerräte würden beides zusammen für mehr junge Parlamentarier sorgen. «Junge wählen doch automatisch auch jüngere Politiker, da diese ihnen viel näher stehen», ist Huber überzeugt.

Einst war Riehen jung

Die politische Vertretung der Jungen war in Riehen auch schon besser. Die heute 28-jährige basel-städtische SP-Grossrätin Salome Hofer zog mit zwanzig Jahren in den Riehener Einwohnerrat ein und präsidierte diesen vier Jahre später. LDP-Grossrat Conradin Cramer kam mit 23 Jahren in den Einwohnerrat und amtete im Kanton bereits als Grossratspräsident. Die frisch gewählte Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) zog ebenfalls schon als junge Frau in den Einwohnerrat ein. Heute fehlen solche jungen Köpfe fast komplett. Übrig geblieben ist Patrick Huber.

Doch liegt es nicht auch an der teilweise vorhandenen Politikverdrossenheit der Jugend, dass er der einzige junge Politiker im Parlament ist? «Oft gehen sie nicht abstimmen, weil die Vorlagen kompliziert sind. Doch auf lokaler Ebene geht es um Themen, die vor der eigenen Haustüre spielen und oft einfacher zu verstehen sind», sagt Huber dazu. Er glaubt, dass bei einer Abstimmung über das Naturbad oder den Dorfkern viele Junge gerne mitbestimmt hätten. «Ich fühle mich deshalb auch als Vertreter einer jungen Generation.» Zu oft hätten Altersthemen Vorrang in Riehen. Dies liege halt auch daran, dass in Riehen viele ältere Menschen leben. «Ältere wählen eher Ältere, das ist ja ganz natürlich.» Huber befürchtet, dass bei der Erneuerung der Pensionskassenlösung für Riehen die Jungen übergangen werden. «Die Generationengerechtigkeit geht auch in eine andere Richtung», stellt er klar.

Ziel: In den Grossen Rat

Der 23-jährige Wirtschaftsstudent ist ehrgeizig. Er arbeitet zu dreissig Prozent auf dem Generalsekretariat der CVP Basel-Stadt und leitete den erfolgreichen Wahlkampf von Lukas Engelberger, der in die kantonale Regierung einzog. Über den künftigen politischen Werdegang mache er sich nicht viele Gedanken. «Einmal im Grossen Rat politisieren, das wäre toll.» Für mehr brauche es auch immer eine Portion Glück, um zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Genau wie im Fussball.