Querdenker

Er ist der neue starke Mann der Basler SVP – zumindest sieht sich Pascal Brenneisen so

Pascal Brenneisen hat schon die Wahlen 2020 im Visier. (Archivbild)

Nach der SVP-Wahlschlappe sieht sich Quereinsteiger Pascal Brenneisen als der neue starke Mann der Partei.

Wie geprügelte Hunde sassen die Vertreter der Basler SVP am vergangenen Sonntag im Wahlforum. Die Partei hatte im Kanton Basel-Stadt einen Drittel der Stimmen verloren. 20 Jahre nachdem Jean Henri Dunant für die Basler SVP in den Nationalrat eingezogen war, flog dessen Nachfolger Sebastian Frehner hochkant raus.

Nur einer war trotz der Niederlage bestens gelaunt. Der Quereinsteiger Pascal Brenneisen. Der frühere Novartis-Kadermann, der seit einem Jahr Mitglied der Partei ist, hat auf der SVP-Liste das zweitbeste Resultat erzielt. Zwar klar hinter Frehner, aber mit deutlichem Abstand auf die restliche SVP-Garde. Dabei hat Brenneisen namhafte Parteiexponenten auf die Plätze verwiesen, etwa Parteipräsident und Urgestein Eduard Rutschmann. Auch Gianna Hablützel-Bürki konnte nicht von ihrer parallelen Kandidatur für den Ständerat profitieren. Der im Vorfeld als Geheimtipp gehandelte Felix Wehrli, der als erster SVPler in Riehen den Sprung in den Gemeinderat geschafft hatte, landete auf dem letzten Platz.

Mit der Politikmaschinerie der Wirtschaftskammer

Für Brenneisen dagegen ist die Rechnung aufgegangen. Rund 50'000 Franken hat der 56-Jährige in seinen Wahlkampf gesteckt. «Alles aus dem eigenen Sack und ohne Bettelbriefe», wie er betont. Ein kleiner Seitenhieb an die Adresse von Sebastian Frehner, der gerne die Unterstützung aus der Wirtschaft für seine Kandidatur betonte. Statt auf parteiinterne Strukturen zu setzen, engagierte Brenneisen für seinen Wahlkampf die IWF, die Wahlkampfmaschinerie der Baselbieter Wirtschaftskammer. Bis über die Kantonsgrenzen sorgten diese für eine flächendeckende Plakatkampagne und einen gross angelegten Auftritt auf verschiedenen Internetportalen.

Brenneisen hat sich seine Investition gut überlegt. Es winkten mehrere Optionen. Als Neumitglied hatte er sich bei den unschönen politischen Grabenkämpfen und Intrigen innerhalb der Basler SVP in den vergangenen Jahren die Hände nicht schmutzig gemacht. Vielmehr konnte er darauf spekulieren, dem intern umstrittenen Frehner Konkurrenz zu machen oder andernfalls nach dessen zu erwartenden Rücktritts in der nächsten Legislatur nachzurücken.

Unverhohlener Anspruch auf Regierungskandidatur

Nach dem Verlust des SVP-Sitzes dürfte Brenneisen nun auf Plan B zurückgreifen – und dieser heisst Regierungsratswahlen 2020. Mit ihm als Kandidaten soll der bürgerliche Schulterschluss und der Angriff auf die rot-grüne Mehrheit in der Regierung klappen. Und mit dem Resultat der Nationalratswahlen im Rücken kann Brenneisen seinen Anspruch auf die Kandidatur anmelden, und das hat er bereits am Wahltag unverhohlen getan. Für ihn spricht ein gewichtiger Punkt: Der Basler SVP fehlen momentan andere valable Kandidaten.

Gleichzeitig weiss Pascal Brenneisen auch, wie chancenlos die SVP in ihren bisherigen Anläufen geblieben ist. Entsprechend konzilianter äussert sich der selbst ernannte «Querdenker» und «Freigeist» zu Reizthemen. Er sieht die EU zwar kritisch, lehnt den bilateralen Weg aber nicht per se ab. Die umstrittenen Masseneinwanderungs-, Durchsetzungs- und Kündigungsinitiativen seiner Partei lehnt er ab. Und während Parteipräsident Eduard Rutschmann am Wahltag mit hämischer Anspielung auf die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg abschätzig vom grassierenden «Gretli-Fieber» sprach, hielt Brenneisen dagegen: «Wenn die Jungen das Thema Klima wichtig finden, müssten alle Parteien zuhören. Wir hätten das Anliegen nicht derart verunglimpfen dürfen.» Gleichzeitig, betont Brenneisen, müsse man aufpassen, dass neue, zu erwartende Verbote nicht der Wirtschaft schaden würden. So spricht einer, der aus der SVP-Schmuddelecke raus will.

«Mann der Wirtschaft» als Verkaufsargument

Schon bei den Regierungsratswahlen vor vier Jahren wurde Brenneisen als valabler Kandidat gehandelt. Damals hatten die anderen bürgerlichen Parteien versucht, ihn mit dem Label als «Mann der Wirtschaft» der SVP schmackhaft zu machen.

Die Idee scheiterte einerseits am Unwillen der SVP, sich einen Kandidaten von aussen aufschwatzen zu lassen. Andererseits verzichtete Brenneisen von sich aus, da er kurzfristig eine neue Stelle angeboten bekam. Interessant wird sein zu beobachten, wie die langjährigen SVPler auf Brenneisens Ambitionen reagieren.

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