Kommentar

Er ist doch viel besser als man glaubte: Zum Abgang des Basler SP-Baudirektors Hans-Peter Wessels

Patrick Marcolli
Dieses Bild ging mehrfach durch Basel: Hans-Peter Wessels an der Basler Fasnacht vor einem Wagen, der das Debakel um die Tramlinie 3 ausspielte.

Dieses Bild ging mehrfach durch Basel: Hans-Peter Wessels an der Basler Fasnacht vor einem Wagen, der das Debakel um die Tramlinie 3 ausspielte.

Regierungsrat Hans-Peter Wessels tritt nicht mehr zu den Wahlen 2020 an. Er war der meistkritisierte unter allen Basler Regierungsräten, dennoch hat der SP-Baudirektor des Stadtkantons mehr erreicht, als ihm das Publikum zugestehen will, schreibt bz-Chefredaktor Patrick Marcolli.

Was hat sich Hans-Peter Wessels in seiner langen Amtszeit, die sich nun ihrem Ende nähert, nicht alles anhören müssen: Für die vereinigte Parkplatz- und Autolobby in Politik und Medien war der grüne Sozialdemokrat stets ein Feindbild. Ob er nun (übrigens völlig gesetzeskonform) oberirdische Parkplätze aufheben liess oder sein Velo in der Aeschenvorstadt irgendwo abstellte – alles war falsch. Es gab Zeiten, da konnte einem «Hampe», wie ihn Freund und Feind nennen, fast schon leid tun.

Aber Mitleid schien er nie zu wollen oder zu brauchen: Er lachte seine Probleme lauthals weg, blieb aufreizend locker. Vor allem aber tat er, was er für richtig hielt – und was im Grundsatz für diese Stadt auch richtig ist: Der motorisierte Verkehr ist der Feind jeglichen Lebens in der (Innen-)Stadt. Da kann der Gewerbeverband noch so jammern: Dass der Detailhandel in der Basler Innenstadt Probleme hat, ist zu allerletzt den vergrösserten Fussgängerzonen geschuldet, viel eher schon den horrenden Mieten.

Selbstverständlich blieb Hans-Peter Wessels nicht fehlerfrei: Das Innenstadt-Verkehrskonzept war kommunikativ katastrophal begleitet, seine Führungsrolle bei den BVB hat er kaum oder sehr lausig wahrgenommen und seine Kritik an den Medien war zeitweise massiv überzogen. Legt sich der Staub einmal, wird aber erkennbar, was Wessels war: Ein viel besserer Regierungsrat, als man je geglaubt hat.

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Patrick Marcolli

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