Kaum eine Basler Figur hat sich im öffentlichen Gedächtnis des Landes so eingebrannt wie die des Theophil Läppli. Erdacht und erfunden 1923 vom noch jungen Basler Schauspieler Alfred Rasser, war Läppli erst kein Soldat, sondern eine liebenswerte Basler Figur. Erst später schickte ihn Rasser ins Militär. Als Soldat des Hilfsdienstes, einer Truppengattung, die es heute nicht mehr gibt, feiert die Geschichte um den gutmütigen Basler mit dem leichten Sprachfehler Erfolge in Basel, dann in der ganzen Schweiz. Seit der Verfilmung im Jahr 1959 ist der tollpatschige Soldat eine nationale Ikone.


Stück und Film schildern die Dienstzeit des Soldat Läppli während des Zweiten Weltkriegs, in welchem sich eine kleine Katastrophe an die andere reiht. «D Katz het s Vögeli gfrässe» ist nur eine dieser Episoden: Läppli will die freche Katze der Gastgeberin mit einem Kanarienvogel verbrüdern, er macht die Käfigtüre auf, die Tierchen sollen sich «e Mutzeli gäh». Das Unaufhaltbare geschieht. Auf Youtube kursieren diverse Clips aus dem Film, die tausendfach abgerufen wurden. Das Strafexerzieren etwa, als ihm sein neuer Offizier in Pruntrut eröffnet, dass hier ein anderer Wind wehe und Läppli laut quittiert: «Befehl, Herr Lütnant, dr Nordwind!» Der Humor ist einfach und Läppli ist, ja, eine Legende.

Der Läppli ist jetzt auch ein Tschudi

Jetzt kommt er zurück. 30 Jahre nach der letzten Premiere auf der Bühne des Kleintheaters Fauteuil am Basler Spalenberg, als bereits Alfreds Sohn Roland den Läppli mimte. Doch wer spielt die Hauptrolle? Es ist zum ersten Mal kein Rasser.

Läppli und der Kanarienvogel

Nach Vater Alfred und Sohn Roland übernimmt der 62-jährige Gilles Tschudi die tragende Rolle. Es war kein leichter Entscheid, wer in die Kampfstiefel des geistigen Familienerbes steigen durfte, wie Caroline Rasser sagt, die mit ihrem Bruder Claude die dritte Generation bildet: «Ausschlaggebend war, dass Gilles hundertprozentig hinter der Titelfigur steht.» Der Entscheid wurde im Familienkreis getroffen, Roland Rasser war von Anfang an involviert. Der Erwartungsdruck ist gross. Zumal die Neuinszenierung zu einem wesentlichen Teil auf Publikumswünschen beruht. «Die Nachfrage liess nie nach», sagt Caroline Rasser.

Ob Gilles Tschudi, vielen bekannt als Bösewicht mit Basler Idiom, die passende Wahl ist? Die Familie traut es ihm zu. Man kenne sich schon lange, Tschudi hat bereits mehrfach im Fauteuil gespielt, Rassers loben sein facettenreiches Spiel. Kommt hinzu, dass er die Figur nicht erst etablieren muss. Aber er muss sie vollends verinnerlichen.

Grosse Erwartungen, grosses Ensemble

Nun steht dieser Läppli also wieder auf der Bühne, zusammen mit dem «Physiater», der ihn zu untersuchen hat und Oberleutnant Clermont, der Fräulein Brodbeck umgarnt. Da ist auch Frau Müller, Läpplis Vermieterin, und natürlich Busenfreund Mislin. Insgesamt 14 Schauspieler umfasst das für die Bühne verhältnismässig grosse Ensemble. Darunter ist auch der 74-jährige Willi Schraner, der Einzige, der damit in allen drei Generationen der Produktion auf der Bühne steht.

Die Premiere im Theater Fauteuil ist am 8. November, der erste Lauf umfasst 49 Vorstellungen bis 4. Januar 2020. Wieder frei nach Jaroslav Hašeks bravem Soldaten Schwejk, aber ganz schön schweizerisch und ganz bestimmt: baslerisch.

Läppli am Exerzieren