Fasnacht

Er produziert die Solidaritäts-Plakette: Thomas Liechti, Mann der Chancen

Die Plakette, die Liechti in Allschwil herstellt, ist beliebt. 5000 Exemplare wären geplant gewesen, inzwischen wurde die Menge schon zweimal verdoppelt. Die Solidarität hat ihn beeindruckt.

Tausende Menschen in der Region Basel tragen zurzeit eine runde Kupferplakette an ihrer Jacke. Darauf abgebildet sind drei Fasnachtsfiguren, die gemeinsam Schutz vor den Coronaviren unter einem grossen Regenschirm suchen. Wer sich diese Solidaritätsplakette kauft und ansteckt, unterstützt damit die notgeplagten Kostüm- und Larven-Ateliers (bz berichtete).

So sieht die Solidaritäts-Plakette aus.

So sieht die Solidaritäts-Plakette aus.

Nach der Absage der Basler Fasnacht und der unsicheren Ausgangslage für die kommende Ausgabe fehlen den Fasnachtskünstlern die Aufträge. Und damit verbunden Geld, welches ihre Existenz sicherstellt. Zehn Franken beträgt der Preis für die vom Larvenmacher Roman Peter entworfene Plakette. Der Gewinn wird unter den beteiligten Ateliers aufgeteilt, selbstverständlich solidarisch.

Wegen der Liebe blieb er im Baselbiet

Hergestellt wird die Solidaritätsplakette für zwei Franken pro Stück von der Firma Prägetech AG in Allschwil. Der Produktionsstandort befindet sich etwas versteckt in einem grösseren Gewerbeareal. Schon von aussen sind die mächtigen Maschinen durch die Scheiben erkennbar. Im Inneren arbeiten aktuell vier Personen – mit moralischer Unterstützung der schwarzen Neufundländer-Dame.

Die Hündin fühlt sich vom Lärm des Stanzens und Prägens überhaupt nicht gestört. «Sie ist ein Goldschatz», sagt Geschäftsführer Thomas Liechti, «obwohl ich ja eher ein Katzenmensch bin. Wir haben vier Rassekatzen zu Hause in Bubendorf». Dort wohnt der gebürtige Berner zusammen mit seiner Frau und den zwei gemeinsamen Kindern. Der Aussendienst brachte ihn vor rund 30 Jahren ins Baselbiet, der Liebe wegen blieb er.

Im Oktober bekam Liechti den Anruf. Überraschend. Der Verein Fasnachtsmanufakturen suche jemanden, der für sie die geplante Plakette produzieren kann, hiess es am anderen Ende. Er war aber nicht die erste Anlaufstelle.

Der «Blaggedde Müller», der für das Komitee die offizielle Fasnachtsplakette fabriziert, lehnte ab. Gab es ein Konkurrenzverbot? Nein, sagen sowohl Produzent Müller als auch Adrian Kunz, Plakettenverantwortlicher beim Komitee. «Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir nicht begeistert sind von der Idee der Solidaritätsplakette, die in Konkurrenz zu unserem Traditionsprodukt steht», so Kunz. Eine entsprechende Weisung habe es nicht gegeben. «Man hat auf mich keinen Druck ausgeübt, es war meine Entscheidung», begründet Mike Müller den Entscheid.

Der Verlust des einen ist der Gewinn des anderen

Thomas Liechti nahm die Anfrage dankend an, denn: «Wir haben durch die ganzen Absagen der Fasnachten noch einen Bruchteil der Aufträge, die wir eigentlich budgetiert haben.» Ohne die Solidaritätsplakette wären seine Mitarbeitenden in Kurzarbeit. Der 51-Jährige gibt zu, dass es in der ersten Phase «einfach nur ein dankbarer Auftrag» war, kurzerhand entwickelte sich aber mehr daraus. «Ich merkte schnell, wie viel Herzblut die Kostüm- und Larvenmacher in das Projekt stecken und wie wichtig das Miteinander nun ist, Konkurrenzdenken hat hier keinen Platz», sagt Liechti, der unterdessen auch Passivmitglied im Verein ist.

Video: Facebook / Prägetech AG

Thomas Liechti und seine Mitarbeitenden bei der Produktion der Solidatitäts-Plakette.

Video: Facebook / Prägetech AG

Aber nicht nur die Solidarität unter den Künstlern habe ihn beeindruckt, sondern auch jene der Bevölkerung. 5000 Solidaritätsplaketten seien ursprünglich angedacht gewesen, in kürzester Zeit wurde die Produktion verdoppelt. «Die Tragweite wurde mir vor allem beim Verkaufsstart Ende Oktober bewusst. Ich war an diesem Samstag im Atelier Charviari und es gab nicht mal genug Plaketten für alle. Das war unglaublich», erinnert sich Thomas Liechti. Wegen des grossen Ansturms wurde die Produktion der Solidaritätsplakette ein weiteres Mal verdoppelt.

In den letzten Tagen waren Thomas Liechti und seine Mitarbeiter mit der Herstellung der restlichen Plaketten beschäftigt. Eine Maschine prägt das Motiv und die Aufschrift mit dem benötigten Druck auf eine zuvor ausgestanzte Kupferscheibe. Nach dem Prägen der Plakette folgt der Feinschliff.

So wird die Solidaritäts-Plakette geprägt.

Die Vorderseite wird poliert, auf der Rückseite wird die Anstecknadel befestigt und bei 5000 Stück das Logo des Gönners bedruckt. Die Infrastruktur für die Solidaritätsplakette steht also. Aber bleibt es bei 20'000 Stück oder werden es noch mehr? «Das ist noch offen. Es ist denkbar, dass die Produktion nochmals erhöht wird, aber das wird im Verein entschieden», meint Thomas Liechti, «ausschlaggebend sind sicher auch noch die Verkaufszahlen dieser Woche.

Sogar andere Kantone interessieren sich für eine Plakette

Für den Wahl-Bubendörfer ist es so oder so schon jetzt einer der grössten Aufträge im Bereich der Plaketten. In einem normalen Jahr stellt die Firma Prägetech, die er 2014 übernommen hat, mehrere zehntausend Plaketten her – für Vereine und Zünfte in der ganzen Schweiz. Auch über die Kantonsgrenze hinweg sorgt die von Thomas Liechti produzierte Solidaritätsplakette für Gesprächsstoff. So wurde er jüngst von einer Fasnachtsgesellschaft aus dem Kanton Zug angefragt, ob er auch für sie eine Plakette herstellen könne – trotz der bereits abgesagten Fasnacht. Die Beteiligten erhoffen sich einen ähnlichen Effekt wie in den beiden Basel.

Thomas Liechti zeigt uns den Entwurf. Es fällt auf, dass es sich um eine ganz andere Ausführung handelt als jene aus Basel. «Diese Plakette wird fünf-farbig bedruckt – mit dem sogenannten Tampondruck», erklärt der gelernte Mechaniker. Dieses Druckverfahren und die Laserbeschriftung sind die anderen beiden Standbeine seines Unternehmens. «Wir beschriften beispielsweise Einzelteile für grosse Chemie- und Pharmafirmen. Ich bin froh, sind diese Branchen weniger von der Coronakrise betroffen.» Es bleibe aber allemal schwierig. Trotzdem ist Liechti auf Expansionskurs.

Im Dezember zieht die Firma nach Diepflingen im Oberbaselbiet, um zu wachsen. «Auch wenn viel Schlimmes auf der Welt passiert, für mich ist es auch ein Jahr der Chancen und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.» Besonders im Bereich der Plaketten sehe er mehr Möglichkeiten, wozu auch personalisierte Gürtelschnallen und Medaillen für Sportwettkämpfe zählen. Was die Zukunft alles bringt, werde sich aber zeigen. «Es gibt immer Entwicklungen, die man nicht kommen sieht. Die Solidaritätsplakette ist hierfür ein Paradebeispiel.»

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