Strafgericht
Er soll seinen Freund brutal ermordet haben - 20 Jahre Haft gefordert

Alles spricht gegen ihn, doch ein 26-jähriger Monteur aus Sisseln bestreitet energisch, im Februar 2012 seinen Freund in Riehen umgebracht zu haben.

Patrick Rudin
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Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten 20 Jahre hinter Gittern. (Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten 20 Jahre hinter Gittern. (Symbolbild)

Keystone

Im Prozess um den in seiner Wohnung in Riehen brutal getöteten Mann (die bz berichtete) stellten die Parteien am Mittwoch ihre Anträge: Staatsanwalt Sasha Stauffer verlangte für den 26-jährigen Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren wegen Mordes. «Nur der Beschuldigte kommt für den Mord in Frage. Er hat dem Leben eines Arbeitskollegen auf entsetzliche Weise ein Ende gesetzt», sagte Stauffer.

Nach der Tat sei er extrem berechnend vorgegangen und habe die Zeit bis zur Festnahme zur Verschleierung der Tat und Verfälschung der Beweise konsequent genutzt.

So habe er einen Schlüsselbund entsorgt, nachdem er die Wohnung des Opfers von aussen abgeschlossen habe. «Ein Unbekannter hätte von innen abschliessen, aus der zweiten Etage flüchten und auch das Fenster wieder schliessen müssen. Wir können ohne Zweifel einen solchen Dritttäter ausschliessen.»

Beim Strafmass sei auch zu berücksichtigen, dass er den Mord einer unschuldigen Frau in die Schuhe schieben wollte – der Exfreundin des Opfers. So fand man ein Couvert mit der Aufschrift «Niemand verlässt mich» neben der Leiche. «Dass der Mörder sein Motiv niederschreibt und neben die Leiche legt, ist derart lebensfremd, dass sich weitere Ausführungen erübrigen», so Sahsa Stauffer.

Entschädigung gefordert

Die Familie des Getöteten fordert eine Genugtuung von insgesamt 80 000 Franken. Der Anwalt der Eltern des Opfers betonte, der Familie sei es ein grosses Anliegen, dass der Täter gefunden wird. «Wir hatten noch die Hoffnung auf ein Geständnis während der Hauptverhandlung. Das würde es der Opferfamilie viel leichter machen, das ganze zu ertragen», sagte er. Der Angeklagte hatte sich am Dienstag allerdings geweigert, die Fragen des Opferanwaltes zu beantworten. Der Verteidiger knüpfte an den Wunsch nach Aufklärung an und meinte, sein Mandant habe sich ohne Zweifel verdächtig gemacht.

Zu viele Unklarheiten

«Er hat sich auch ungeschickt verhalten. Er hat gelogen.» Aber man könne aus diesen Unstimmigkeiten nicht auf einen kaltblütigen Mörder schliessen. «Alle grossen Justizirrtümer der Geschichte hatten mit verdächtigen Leuten zu tun, nie mit völlig unbeteiligten Personen», warnte er: Es gäbe keine direkten Beweise dafür, dass sein Mandant den Mord begangen haben soll.

Auch sei kein Motiv ersichtlich, und selbst eine angebliche geheime homosexuelle Beziehung zwischen Täter und Opfer böte keine Erklärung. «Wir sind nicht in den 1950er-Jahren, weshalb sollte so etwas zu so einem grässlichen Delikt führen?», fragte der Verteidiger.

Andere Spuren wenig beachtet

Auch sagte er, auf dem Laptop des Opfers seien Kinderpornos gefunden worden, dieser Spur sei man zu wenig nachgegangen. Da der Angeklagte diesen Laptop aber nicht vernichtet, sondern versteckt hatte, spreche dies ebenfalls nicht gegen seinen Mandanten. Sehr vieles gehe hier nicht auf, und deshalb fordere er für den Angeklagten einen Freispruch.

«Ich bin unschuldig. Er war ein sehr guter Kollege von mir», betonte der Angeklagte nach den Plädoyers erneut, bevor sich die fünf Richter zur Urteilsberatung zurückzogen.

Das Urteil wird kommenden Montag gefällt.