Würzig, scharf und süss. Geschmacksrichtungen, auf die man in der malaysischen Küche nicht verzichten kann. Geschmäcker, die man aber auch hier in Basel antrifft, und das schon seit 1973. «Gewürze haben mich schon immer fasziniert», sagt Jeffery Sandragesan.

An seinem Stand auf dem Petersplatz ist es nach dem Mittagsansturm wieder ruhiger geworden, die Menschenmenge schmilzt dahin. Jeffery steht an der Theke, gekleidet in seiner Kochschürze und unterhält sich mit zwei Gästen, die gerade zu Mittag essen. Hier, an der Herbstmesse, hat er sich zu einer festen Grösse in der Basler Gastrolandschaft entwickelt.

«Mit den Jahren und Erfahrungen habe ich viele Menschen in Basel kennen gelernt», sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Doch seinen Namen musste sich Jeffery erarbeiten. «Auch ich habe mal ganz klein angefangen». Als 20-jähriger Maturand machte er sich, wie viele andere zu dieser Zeit, auf eine lange Reise nach Europa – mit wenig Geld und einem Rucksack. «Mein Ziel war es, nach England zu gehen, um dort Wirtschaft zu studieren». Von Malaysia kam er mit dem Zug nach Thailand, wo er einen vergünstigten Flug nach Indien nahm. «In Indien bin ich dann per Autostopp von Kalkutta an die Grenze zu Pakistan gekommen».

Seine Reise führte ihn weiter nach Afghanistan, vom Iran aus in die Türkei und von dort mit dem Schiff nach Griechenland. «Dort konnte ich als Fischer ein bisschen Geld verdienen, um weiter zu kommen». Auf seiner Reise schlief der junge Malaysier an Bahnhöfen, in Zügen oder einfach dort, wo sich die Möglichkeit ergab. Von Griechenland aus ging es mit dem Schiff weiter nach Sizilien, Rom, Mailand und Chiasso, bevor er dann von Luzern aus nach Basel gelang. «In Basel habe ich dann einen Freund besucht, den ich in Mailand kennen gelernt hatte».

«Ich habe mich verliebt»

In der Stadt am Rhein hängen geblieben ist der gebürtige Malaysier aus reinem Zufall. «Ich habe meinen Nachtzug nach London um zehn Minuten verpasst». Aus einem Tag wurde eine Woche und Jeffery lernte eine junge Dame kennen. «Ich habe mich halt verliebt und bin dann doch geblieben», sagt er lächelnd.

Sein Geld hat er am Anfang mit kleinen Nebenjobs verdient. «Ich habe Strassen geputzt, Zeitungen verkauft, ich war Chauffeur». So lernte er schnell viele Leute aus der Politik, Wirtschaft und an der Universität kennen. «Studenten von damals sind heute Professoren und Regierungsräte».

Seine Ausbildung zum Turnlehrer, die er nebenbei an der Universität machte, hängte er schnell an den Nagel. «Leider war ich nicht so gut im Ski- und Schlittschuhfahren. Also habe ich damit aufgehört». Danach fing er an, für Privatpersonen und den Basler Daig zu kochen. 1973 war es soweit und Jeffery eröffnete auf dem Marktplatz einen kleinen Gewürzstand. «Am Anfang waren die Menschen eher skeptisch und trauten mir wegen meiner Hautfarbe nicht». Jeffery wurde jeden Tag von der Polizei kontrolliert. «Nun, das sind heute alle nette Freunde von mir. Spielt keine Rolle mehr».

Mit seinen Gewürzmischungen regte er die Geschmacksknospen der Baslerinnen und Basler an. Kurz darauf eröffnete er seinen ersten Stand auf dem Petersplatz. «Damals hatte ich einen sehr kleinen Stand.» Mit seinem Steak-Gewürz-Stand brachte er Heerscharen an der Basler Herbstmesse auf den Geschmack. «Gekocht haben wir damals zu zweit».

1980 folgte dann der grössere Stand, den wir heute auf dem Petersplatz sehen. Doch das war ihm nicht genug. 1981 eröffnete er sein indisches Restaurant, das erste dieser Art in Basel. «Am ersten Tag warteten draussen 300 Menschen. Alle kamen gleichzeitig», sagte er. Die indische Küche war hier zu dieser Zeit noch fremd. «Ich habe gemerkt, dass es sich um eine Marktlücke handelt». Sechs Jahre später kam Jeffery’s Thai Restaurant hinzu.

Die Nähe zur Heimat

Auch wenn es hier Einiges an Arbeit gibt, ist er mehrmals im Jahr in seinem Geburtsland tätig, dessen wirtschaftliche Interessen er als Honorarkonsul in der Schweiz vertritt. «Ich reise pro Jahr drei- bis viermal nach Malaysia und telefoniere wöchentlich einmal mit Zuhause». Eltern hat er keine mehr. «Ich habe aber dafür geschaut, dass meine Geschwister studieren können». Davor war er für drei Jahre Grossrat, wo er für die Liberalen politisierte. «Ich habe gemerkt, dass es nicht das Richtige für mich war.»