Beinahe 30 Jahre ist es her, als er ihre dicke Haut das letzte Mal berührte. Malayka heisst sie. Das Elefantenweibchen stammt noch aus den Zeiten, als Peter Wenger Wärter war. Er kennt sie, sie kennt ihn. Ob er die Elefanten nach so langer Zeit noch im Griff hat, will er selber testen. Deshalb ruft er mit sanfter Stimme: «Malayka, komm her. Malayka!» Fast wie bei einer Katze. Sie folgt dem Ruf. Nach zwei Leckerbissen hält er ihr ein Taschentuch hin und schüttelt die Hand. Er will, dass sie winkt: «Winken, winken.» Tatsächlich nimmt sie mit ihrem Rüssel das Taschentuch, hebt es in die Luft und winkt. Als Belohnung gibt es wieder einen Leckerbissen. Nach diesem Erfolg grinst Wenger. «Das stellt schon auf», sagt er mehrmals.

Zu Peter Wengers Zeiten durften sich die Elefanten noch im Allschwilerwald austoben.

Zu Peter Wengers Zeiten durften sich die Elefanten noch im Allschwilerwald austoben.

«Ich hätte doch lieber noch zum Coiffeur gehen sollen.» Mit solchen Sprüchen empfängt er die Zolli-Besucher am Haupteingang. Peter Wenger arbeitet schon seit 50 Jahren für den Zoo Basel. Bei der letzten Generalversammlung durfte der 73-Jährige eine Ehrung entgegennehmen. Angefangen hat er nicht als Ticketkontrolleur. Das ist für ihn mehr eine Freizeitbeschäftigung nach der Pensionierung. Ursprünglich ist er als Betriebsmaurer eingestellt worden. Aber nach einem Jahr wechselte der damals 22-Jährige zu den Elefanten. Von 1965 bis 1988 sorgte er für die gigantischen Tiere. Danach ging er wieder zu den Maurern, da ihm die sieben Tage Arbeit pro Woche zu intensiv wurden.

Geschichten über jedes Gehege

Fast alle Mitarbeiter grüssen und kennen ihn heute noch. Zu allen Gehegen und Ecken im Zoo weiss er Geschichten. In einem Erzählfluss lotst er geradewegs und unaufhaltbar zu seinem Herzstück: dem Elefantenhaus. Dort liegen überall Bananen und Gräser am Boden. Wenger steht vor dem Gehege und beobachtet die Tiere beim Essen. Die Riesen schmatzen und stopfen sich die Bananen ins Maul. Erinnerungen kommen hoch.

Zu Peter Wengers Zeiten durften sich die Elefanten noch im Allschwilerwald austoben.

Zu Peter Wengers Zeiten durften sich die Elefanten noch im Allschwilerwald austoben.

Früher, bevor der Zolli eine eigene Waage hatte, wurden die Elefanten einmal im Monat von den Wärtern zur Markthalle begleitet, um unter der Kuppel gewogen zu werden. «Das lief alles reibungslos», sagt Wenger. Doch dann kommt die Geschichte: Auf dem Weg zur Markthalle juckte es den Elefantenbullen am Hinterteil. Plötzlich blieb Katoto stehen und bockte. Er lief rückwärts geradewegs auf eine parkierte Autokolonne zu. Als er sich sein Auto ausgesucht hatte, setzte er sich auf die Motorhaube und begann, seinen Hintern daran zu reiben. Nur hielt die Motorhaube dem Gewicht nicht stand.

Eine riesige Delle war das Resultat der Kratzaktion. Die Zoowärter hinterliessen dem Inhaber des Fahrzeugs einen Zettel. Als der Inhaber beim Zolli aufkreuzte, konnte er die Geschichte zuerst nicht glauben. Nachdem er aufgeklärt wurde, wollte er die Kosten übernehmen. «Die Geschichte möchte ich meinem Mechaniker selber erzählen», soll er gesagt haben.

«Chlapf ufs Füdle» nötig

Regelmässig führten die Wärter früher die Tiere in den Allschwilerwald, wo sich die Elefanten austoben konnten (siehe Fotos). Die längere Wanderung und die freie Spielzeit hätten den Tieren den wertvollen zusätzlichen Freiraum gegeben. «Heute laufen die nur noch bis zum Futter und fressen dann», sagt er. Ihm sei jedes Mal das Herz aufgegangen, wenn er den Elefanten zusehen konnte, wie sie vor Freude herumsprangen und miteinander spielten. Die Nähe zum Tier mochte Wenger am meisten an seiner Arbeit. Vom ersten Tag an sei er bei ihnen akzeptiert worden, sagt er. Für die damaligen Zirkusaufführungen musste er schon früh beginnen, die Tiere zu dressieren. Er übte mit ihnen Tricks und hatte die Elefanten bald unter Kontrolle. Dafür wäre aber manchmal ein «Chlapf ufs Füdle» nötig gewesen.

Diese Szenen gehören der Vergangenheit an. Die Wärter und Elefanten hätten immer weniger direkten Kontakt zueinander. Sie würden nicht mehr zu ihnen ins Gehege raus gehen, so wie früher. Der abnehmende Kontakt spielt aber eigentlich gar keine so grosse Rolle. Wenigstens für Peter Wenger nicht. Denn ihm gehört jetzt der Eingang, wo er die Besucher empfängt. Wo er seine Sprüche klopfen kann.