Ein Schlüsselerlebnis führte dazu, dass Christian Meidinger für den Grossen Rat kandidiert: Als es darum ging, in Basel eine Videoüberwachung zu installieren, arbeitete er für die politische Vorlage aus, an welchen «Hotspots» die Kameras montiert werden sollten. Er orientierte sich am englischen Modell, wo die Überwachung der Städte durch Kameras Normalität ist. «Die Engländer sind ja auch eine liberale Gesellschaft und kein Überwachungsstaat», sagt er.

Seelenstriptease auf Facebook statt Kameras

Dann aber, vor etwas mehr als einem Jahr, lehnten die Linken im Basler Parlament die Vorlage «aus Datenschutzbedenken ab». Meidinger ist noch heute überzeugt, dass die Kameras erheblich zur Sicherheit Basels beigetragen hätten. «Die Politiker, die damals gegen die Kameras stimmten, betreiben dafür auf Facebook Seelenstriptease», lacht der 67-Jährige.

Christian Meidinger, der in seiner Freizeit gerne segelt und taucht, ist kein nachtragender Mensch. Trotzdem: Er könne die Argumente der Überwachungskamera-Gegner nicht verstehen, sagt er. Es ist klar: Die Sicherheit Basels ist sein Hauptanliegen. Deswegen ist das langjährige LDP-Mitglied vor einem Jahr der SVP beigetreten. «Dort hat das Thema eine andere Priorität.»

«Etwas Verrücktes machen»

Meidinger wohnt mit seiner Partnerin in Riehen, hat sich aber entschieden, im Wahlkreis Kleinbasel zu kandidieren. «Hier kann man noch viel bewegen», sagt er mit Blick auf die Sicherheitsdebatte, «und beruflich hatte ich natürlich viel im Kleinbasel zu tun.» Mit 36 Jahren hat sich Meidinger, der zuvor in der Industrie gearbeitet hat, entschieden, zur Polizei zu gehen. «Ich wollte etwas Verrücktes machen», blickt er zurück, «ich brauche keinen Porsche, dafür wollte ich etwas erleben.» Nach ein paar Jahren bei der Polizei in Schaffhausen kam er zurück in seine Geburtsstadt Basel, die ihm «sehr, sehr viel bedeutet». Zuletzt war Meidinger Leiter der Abteilung Spezialfunktionen und somit auch verantwortlich für die internationalen Polizeieinsätze an der Euro 08.

Die Stadt aufwerten

Meidinger mag zwar ein Sicherheitspolitiker sein, doch er ist kein «Law-and-Order»-Typ. «Lösungen findet man nur, wenn man sich in andere hineindenken kann.» Die Kriminalität in Basel möchte er nicht einfach mit Kameras und mehr sichtbaren Polizisten auf den Strassen bekämpfen. Er möchte die Stadt aufwerten und sauberer machen. «An der Clarastrasse könnte man Bäume pflanzen und Bänke hinstellen.» Selbst eine autofreie Mittlere Brücke ist für ihn kein Tabu. Er ist überzeugt, dass es in einer gepflegten Stadt automatisch weniger Delikte gibt.

Wie kommen solche Ideen bei seiner SVP an? «Meine Kollegen finden das gut», glaubt er. Der ehemalige Liberaldemokrat verheimlicht nicht, dass er etwas Mühe hat mit dem teilweise aggressiven Politisieren seiner Partei. «Das Ziel ist, dass die SVP irgendwann weg kommt von diesem Peitschen-Ton.»

«Weiss nicht, wie hoch die Chancen sind»

Wie stehts denn um seine Wahlchancen? Meidinger überlegt: «Das weiss ich wirklich nicht. Dafür bin ich noch nicht lange genug dabei.» Und wenn es nicht klappt? «Dann mache ich etwas anderes. Langweilig wird mir sicher nicht», lacht er.