Basler Strafgericht

Er wollte die teuren Uhren für sich behalten: Uhrmacher wegen Veruntreuung verurteilt

Ein Uhrmacher bei der Arbeit in einer Uhrenmanufaktur 1995. (Symbolbild)

Ein Uhrmacher bei der Arbeit in einer Uhrenmanufaktur 1995. (Symbolbild)

Ein Rentner hat drei teure Uhren in die Revision gegeben – und nie zurückerhalten.


«Sie haben die Uhren ins Milchkästli gelegt? Warum haben Sie sie nicht in den Briefschlitz geworfen?», fragte Gerichtspräsident René Ernst erstaunt. «Der Schlitz war zu eng», antwortete der Angeklagte. Es waren drei Uhren, die der 44-Jährige im Juli 2018 entgegengenommen hatte: Zwei Uhren der Marken Alpina und Mercedes im Wert von jeweils 1000 Franken, sowie eine vergoldete Piaget-Uhr im Wert von 6000 Franken. Ein Basler Rentner wurde durch ein Inserat auf den Uhrmacher aufmerksam, dieser bot Reparaturen und Revisionen inklusive Abholservice an.

Nach telefonischem Kontakt wurden die Uhren am selben Tag abgeholt, abgemacht war ein Preis von insgesamt 140 Franken für Batteriewechsel und Revision. Doch der Rentner hörte nichts mehr, und auch auf telefonische Nachfragen hin erhielt er die Uhren nicht zurück.

Gestern Montag landete der Fall beim Basler Strafgericht. Der 44-jährige Uhrmacher aus dem Kanton Luzern betonte, er habe die Uhren wie abgemacht zurückgebracht. Ausserdem seien die Uhren relativ wertlos gewesen. Gegenüber der Staatsanwaltschaft hatte er gesagt, er habe damals vor dem Haus Töfflibuben beobachtet, die sich herumtrieben. «Umsomehr wäre es sinnvoll gewesen, man würde die Uhren in den Briefkasten einwerfen statt sie ins Milchkästli zu legen», meinte René Ernst. «Ich habe die Uhren zurückgegeben», beteuerte der Angeklagte. «Das ist nicht wahr», entgegnete der Rentner verärgert.

Der Einzelrichter stufte die Aussagen des Uhrmachers als unglaubwürdig ein und verdonnerte ihn wegen Veruntreuung zu einer unbedingten Geldstrafe von 140 zu 30 Franken. Zusammen mit den Verfahrenskosten wird damit ein Geldbetrag von über 5000 Franken fällig. Der Mann war bereits 2016 wegen Veruntreuung verurteilt worden, das neue Delikt fiel in die Probezeit. «Das war damals genau dieselbe Geschichte. Eine Uhr wurde von Ihnen nach der Reparatur nicht zurückgebracht», betonte Ernst. Auch sei nicht ersichtlich, weshalb er derart kleine Uhren nicht in den Briefkasten habe werfen können. Auch wenn der genaue Wert der Uhren unklar blieb, so werde wohl kaum ein Eigentümer 140 Franken ausgeben, um wertlose Uhren reparieren zu lassen. Ernst warnte den Mann, bei einem weiteren Delikt müsse er mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Der Verurteilte kann den Schuldspruch noch ans Appellationsgericht weiterziehen.

Unklar blieb bis zuletzt, wo die Uhren heute sind

Der ursprüngliche Eigentümer betonte am Montag, er wolle bloss seine Uhren zurück. Das Strafgericht ist auch für Zivilforderungen zuständig, doch da unklar war, wo die Uhren überhaupt sind, konnte es den 44-Jährigen nicht zur Rückgabe verpflichten. Auch Schadenersatz konnte das Gericht nicht zusprechen, da der Eigentümer den Wert der Uhren nicht mit Quittungen belegen konnte. Das Gericht verwies den Rentner auf den Zivilweg, er müsste in einem regulären Zivilprozess auf Schadenersatz klagen. Ernst deutete allerdings an, dass dies angesichts der Schulden des Uhrmachers wohl nicht viel bringe.

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