In der St. Jakobshalle herrscht rege Betriebsamkeit. Vier Tage vor der Premiere steht erst ein Gerüst aus Stahlrohren, die Bühne ist aufgebaut mit Auf- und Abgängen. Gerade fallen die ersten Bahnen des Bühnenbildes von der Decke. «Die grösste Herausforderung ist die kurze Aufbauzeit», erklärt Jan Keller, der verantwortliche Bühnenbildner. So ist er auch zum Team gestossen.

Als es in Berlin darum ging, das Brandenburger Tor fast in Originalgrösse nachzubauen, verzweifelten alle angefragten Spezialisten, unter anderem die Setdesigner von den Filmstudios Babelsberg. «Die wollten es halt so machen, wie sie es immer machen. Von unten nach oben», lacht Keller. Er drehte das Ganze einfach um und liess es von der Decke herabhängen. «Das ist allein eine Frage der Statik.» Und als studierter Bauingenieur fiel es ihm nicht schwer, diese zu berechnen.

Von der Realität abgucken

Seitdem geniesst er das Vertrauen der Tattoo-Leitung. Ursprünglich hatte Keller Landwirt gelernt, kam dann im Studium aber in Kontakt mit dem Zoobau und landete schliesslich für einige Jahre beim Europapark, wo er damit anfing, die Erwartungshaltung der Menschen in Gebäude zu formen. Dabei ist es ihm wichtig, historisch korrekt zu arbeiten.

«Wir Europäer sehen, wenn die Proportionen nicht stimmen, weil wir täglich damit konfrontiert sind», erklärt er. «In Amerika ist das anders.» Von Design will er aber eigentlich nicht sprechen. Er schaut sich die Welt, die er abbilden möchte, in der Realität genau an und kreiert daraus eine Entsprechung, die auf das Showkonzept zugeschnitten ist. «Ich frage mich: Was trifft die Menschen?»

So ist das Bühnenbild des Christmas Tattoo nicht eine bestimmte Fassade der Basler Altstadt, sondern eine Verdichtung existierender architektonischer Formen. Die zweidimensionale Fläche wird einerseits durch eine Treppe und Fensteröffnungen gebrochen, dazu kommen Girlanden, die einen dreidimensionalen Effekt erzeugen – und natürlich das Licht.

Damit ist das Bühnenbild bei gleichbleibendem Grundmaterial immer noch modifizierbar. Aufgebaut wird es von einer auf solche Konstruktionen spezialisierten Deutschen Firma. «Anders ist das in der kurzen Zeit nicht zu schaffen», sagt Keller, «und es ist entscheidend, dass keine Hektik entsteht.»

Tatsächlich ist es erstaunlich ruhig, obwohl gerade ein Bild entsteht, das die gesamte Rückwand einnimmt. In der Mitte prangt ein gigantischer Videoscreen, der je nach Bedarf einen Teil der Fassade bildet oder für Close-ups und Einspielungen verwendet werden kann. Und an der Decke hängen Schneemaschinen, die eigens für diesen Event entwickelt wurden.

Lieferungen nach New York

Hauptberuflich koordiniert Keller im Moment die Marmorlieferungen aus Italien an das neue World Trade Center in New York. In seiner Freizeit entwirft er unter anderem eine Kinderwelt oder eine neue Wasserwelt. «Das eigentliche Hobby sind Ausstellungen für Mercedes», sagt er mit einem Grinsen.

Kann sich so jemand, der darauf geeicht ist, Erwartungen zu erfüllen, vorstellen, das Bühnenbild für einen Regisseur wie Calixto Bieito zu entwerfen? «Wenn die Aufgabe klar definiert ist, ja», sagt Jan Keller.