«Ich weiche keinem», so lautete der oft zitierte Ausspruch des Desiderius Erasmus von Rotterdam. Er war Humanist, Chorherr, Reisender, Reformator und Autor. Vor genau 500 Jahren kam er nach Basel und verbrachte mehr als ein Jahrzehnt hier und wurde nach seinem Tod im Münster beigelegt. Unter anderem sorgte sein hier in Basel gedrucktes «Novum Instrumentum» für Aufmerksamkeit (siehe Infobox).

Schrift als Sprengstoff

Das 500-Jahr-Jubiläum zelebriert das Museum für Geschichte mit der Ausstellung «Schrift als Sprengstoff», die am 20. Mai beginnt und sich dem Leben von Erasmus widmet. Der Titel der Ausstellung weist auf das zentrale Thema hin: Das Wirken des Erasmus zu erhalten und zu beleben.

In ganz Basel werden seine Zitate, heute so was wie ein Facebook-Status, zu sehen sein. Das Ziel der Aktion ist, das Gedankengut des Erasmus in die heutige Zeit, in die Gegenwart zu projizieren. Dafür hat das Museum für Geschichte ein Paket aus mehreren Elementen zusammengestellt. Wie Gudrun Piller sagt: «Es handelt sich nicht bloss um eine Ausstellung, sondern um ein Projekt» und meint damit den Umstand, dass der Interessierte einerseits die Ausstellung in der Barfüsserkirche besichtigen kann, andererseits sich auch durch den «Urban Erasmus Trail» mit der historischen Figur auseinandersetzen kann.

Urban Erasmus Trail

Die Idee ist simpel: Mit dem eigenen Smartphone (gegen Depot stellt das Museum Leihgeräte zur Verfügung) geht’s beim Barfi los. Das Hörspiel lotst einen durch öffentliche und halböffentliche Räume der Basler Innenstadt. Die Teilnehmenden erleben eine «überdrehte Geschichte mit Krimi-Charakter», laut Marcel Henry, Kurator der Ausstellung. Das Gedankengut wird erfahrbar, durch die Handlungsanweisungen werden die Besucher selbst aktiv. «Es erwarten den Besucher 20 Interventionen», informiert Oliver Hangl, der Konzeptkünstler des Trails. Die Kulturreise dauert zirka 60 Minuten, dazu werden ein bluetoothfähiges Smartphone und ein Stadtplan benötigt. Das Hörspiel läuft über die speziell für diese Ausstellung entwickelte App «Erasmus MMXVI», was so viel wie Erasmus 2016 bedeutet.

In der Barfikirche wird der Besucher nicht minder aktiv: Mit einem Leihgerät (Tablet oder Smartphone) lernt er Erasmus virtuell kennen. Dabei schreitet er durch die Kirche und richtet das Tablet auf eine Art Lesezeichen am Boden oder an den Wänden. Nach Erkennung des Lesezeichens unterrichtet ein Hörspiel über die historische Figur. Dieses Programm läuft ebenfalls über die Ausstellungsapp. Das Museum für Geschichte rühmt sich nicht nur über die neue Technologie. Es verfügt über eine weltweit einzigartige Anzahl an persönlichen Gegenständen des Erasmus, die jetzt in einem neuen Kontext gezeigt werden. Ausserdem kann die ebenfalls eigens erstellte Schrift, die der Handschrift von Erasmus anlehnt, heruntergeladen werden.

Beide Elemente des Projekts, der Trail und die Ausstellung in der Kirche, wirken neuartig, modern. Zum ersten Mal setzt das Historische Museum Basel auf «Virtual and Augemented Reality». Bei diesem Konzept dienen 70 Tablets und Smartphones als interaktives Medium, das den Besucher auf virtueller Ebene näher an die historischen Fakten heranbringt.

Virtuelles Museum

Die virtuelle Ebene besteht nicht bloss aus dem Hörspiel. Hinzu kommen Animationen und ein 3-dimensionaler Raum, der durch einen Schwenk des Geräts entdeckt wird. Ohne Computer läuft nichts. «IT-mässig haben wir noch Startprobleme», sagt Henry, bleibt aber zuversichtlich.

Bekanntlich kosten technische Geräte und Programmierarbeit Geld. «Im sechsstelligen Bereich», sagt Gudrun Piller. Konkrete zahlen will sie keine nennen. Sie versichert aber, dass ein fünfstelliger Betrag durch Drittmittel bereitgestellt wurde: «Über die Hälfte der Kosten sind durch Drittmittel gedeckt.» Dass dieses immense Paket an Technologie genau nach der Bekanntgabe des irregulären Defizits bekannt wird, wirft Fragen auf.

Anscheinend orientiert sich das Museum am Zitat des Erasmus und weicht tatsächlich keinem. Ausser der Sprachbarriere: Aufgrund der finanziellen Limiten gibt es die Hörspiele bloss in deutscher Fassung.