Wir wollen nicht allzu viel verraten von der Handlung von «Der Himmel über Nebra». Denn schliesslich handelt es sich beim 389 Seiten umfassenden Werk um einen Krimi voller unerwarteter Wendungen, Irrungen und Wirrungen.

Nur so viel: Die Handlung spielt in Basel zwischen dem 5. und dem 28. Februar 2002. Das Datum ist nicht zufällig gewählt: Am 23. Februar 2002 boten Hehler im Basler Hotel Hilton illegal die von Raubgräbern im ostdeutschen Nebra entdeckte rund 3600 Jahre alte Himmelsscheibe dem verdeckt operierenden Landesarchäologen von Sachsen-Anhalt zum Kauf an. In einer Aktion der Basler Staatsanwaltschaft (Stawa) konnte das archäologische Artefakt sichergestellt und die Hehler konnten verhaftet werden.

Die Himmelsscheibe, wie sie 2006 im Historischen Museum Basel gezeigt wurde.

Die Himmelsscheibe, wie sie 2006 im Historischen Museum Basel gezeigt wurde.

Vor diesem reellen Hintergrund lässt Erdem Uçar den zwielichtigen Kleinkriminellen Etienne Pettit und dessen Gegenspieler, den kauzigen Kommissär Christoph Lenz von der Stawa, auftreten. Eine weitere tragende Figur ist Stefanie Gerber, eine junge Reporterin des Basler Fernsehens. Die bz hat den jungen Autor getroffen und zu seinem Erstlingswerk befragt.

Erdem Uçar, einen Krimi rund um die Himmelsscheibe von Nebra zu schreiben, liegt ja nicht gerade auf der Hand?

Erdem Uçar: Ich stiess 2006 auf das Thema, als ich die Scheibe in der Ausstellung im Historischen Museum Basel sah. Damals hat «Telebasel» ausführlich über die Umstände rund die Sicherstellung der Scheibe berichtet. Dass so etwas in Basel passiert, hat mich fasziniert. Mich begeisterte aber auch die Scheibe je mehr ich mich damit beschäftigte. Die hat ja die Wahrnehmung europäischer Geschichte völlig verändert. Man nahm an, dass vor 3600 Jahren zwar Ägypter und Sumerer über astronomisches Wissen verfügten. Die Himmelsscheibe von Nebra zeigt aber, dass man auch in Europa um die Sterne wusste: Das ist cool! Und dann noch der reelle Basler Krimi rund um die Scheibe!

Diese Geschichte wollen Sie erzählen?

Genau! Ich liebe es; Geschichten zu erzählen. Ich begann einfach mal drauflos zu schreiben. Ehrlich gesagt, war mir an diesem Tag auch langweilig: Aber ich dachte mir, schauen wir mal, was draus wird.

Es wurde ein Krimi draus, mit 389 Seiten Umfang. Nun waren Sie ja lange beim Fernsehen. Hätten Sie da nicht lieber einen Film gemacht?

Ja das stimmt. Es ist zwar seltsam, dies als Autor zu sagen: Aber Sprache liegt mir nicht wirklich, dafür um so mehr aber Bilder. Ich wollte, bevor ich mit dem Schreiben begann, zunächst einen Film drehen, merkte aber schnell, dass dafür das Geld nicht reichte. Da ich aber diese wirklich gute Geschichte unbedingt erzählen wollte, beschloss ich, statt einen Film zu drehen, ein Buch zu schreiben. Es ist ja egal, wie eine Geschichte erzählt wird, mit Fotos, Film oder Text. Also dachte ich: Schreib doch mal was.

Das Buch ist nun sehr bildhaft und auch episch geworden!

Ich stellte mir immer vor, wie ich die Szene filmen würde. So schreibe ich es dann. Ich habe meinem Verleger Alfred Rüdisühli vom Reinhardt-Verlag auch gesagt, dass ich anders schreibe: Eben bildlicher, ausführlicher, detaillierter.

Promo-Trailer zum Buch «Der Himmel über Nebra»

Promo-Trailer zum Buch «Der Himmel über Nebra»

       

Basler Krimis haben Inflation. Es gibt viele. Das Genre boomt! Konkurrenz?

Ich weiss, dass es viele Basler Krimis gibt. Aber ich habe fast keinen gelesen. Bei mir kommt Basel eigentlich gar nicht vor. Ich wollte die Stadt nicht hervorheben. Es spielt zwar alles erkennbar in Basel: In der Stawa, am Claraplatz, unter der Dreirosenbrücke, wo ein Toter gefunden wird. Die Stadt steht aber nicht im Vordergrund. Im Zentrum sind die handelnden Personen: der unglückliche Kleinkriminellen Etienne Pettit, die Journalistin Stefanie Gerber und Kommissär Lenz. Sie will ich beschreiben, ihre Erfahrungen, ihre Psychologie und ihr Leben.

Apropos: Erinnert Kommissär Lenz nicht an Kommissär Hunkeler von Hansjörg Schneider?

Christoph Lenz ist eine komplett andere Person als Hunkeler. Er hat mehr Ecken und Kanten, keine Freunde und eine grosse Vorgeschichte. Diese wird im Buch nicht aufgeklärt. Überhaupt sind wir in einer völlig anderen Geschichte.

Ihre Story beruht auf einem realen Fall. Sie spielt in der realen Stadt. Sie beschreiben mit Stawa und Fernsehsender reell existierende Institutionen. Wie real ist Ihr Krimi?

Was den Fernsehjournalismus angeht, ist alles sehr real. Ich konnte da Erfahrungen nutzen und auch Spielereien zeigen, welche den Fall vorantreiben und die jeder, der mal beim Fernsehen war, erkennt. Bezüglich der Stawa, habe ich mich mit Peter Gill getroffen. Er erklärte mir die Polizeiarbeit und die Arbeit der Staatsanwaltschaft. Er hat mir sehr geholfen, alles so realistisch wie möglich zu beschreiben.